rollen,
V.
1.
›sich / etw. rollend, wälzend (z. B. auf Rädern) fortbewegen‹; metonymisch: ›poltern, lärmen‹ (wie es beim Fahren mit einem Wagen entsteht); dazu speziell: ›sich in der Brunst befinden, brünstig sein‹ (von Tieren; obszön auch vom Menschen).
Bedeutungsverwandte:
(V.) 59,  1, (V., unr. abl.) 3.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Nah. 2, 5
(
Wittenb.
1545
):
Die Wagen rollen
[so nur
Wormser Proph.
1527]
auff den gassen / vnd rasseln auff den strassen.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1579
):
wart vil ratens, samentrittens, gastereien, rollen, reiten, gassentrittens von allen seitn und undereinandern.
Bobertag, Schwänke (
Frankf.
1563
):
die [ganß] erschreckt er mit seinem rollen, hin und wider lauffen, daß sie schrei gagag.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
385
(
Genf
1636
):
Rollen / wann die Muck
[s.
mocke
,
die
]
mit dem Eber laufft.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Es ist nit allain ain dorheit, die weiber uf den hirssplan zu nemen, sonder sie auch uf die jagen gewenen und hin und wider zu rollen.
2.
›etw. wälzen, drehend vorwärts bewegen, hin und her schieben‹; speziell mit Bezugsgrößenverschiebung: ›etw. (durch Drehbewegungen) blank reiben, polieren‹; in Texten religiösen Inhalts ütr.: ›jn. / etw. (z. B. durch Folterung) auf die Probe stellen, prüfen, reinigen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , (V.) 1,  1,  16, I, , ; vgl.  1; zur Ütr.: (V., unr. abl.) 1,  12, ,  12, , .
Wortbildungen
rollefas
1 ›um die eigene Achse drehendes bewegliches Fass‹ (zum Polieren, Blankreiben von Gegenständen; hier ütr. auf ein Folterwerkzeug für Personen; dazu bdv.: ); 2 Schimpfwort für eine Frau (dazu bdv.:  2, ).

Belegblock:

Luther, WA (
1514
/
20
):
Aber mitten im rollen und leiden, will ich dir ein blick machen, das du mir im herczen holt werdst.
Ebd. (
1524
/
7
):
[ein rechter Christ] mus getaufft, das ist gerollet, gepantzerfeget und geplaget werden.
das ich gerumpelt werde und ins Rollefass kome, als das mich alle anspeien und mich verachten.
Ebd. (
1544
):
wenn der Teufel das bloͤde hertz recht zwischen die sporen fasset und rollet, das es fur engsten kaum odem holen kan.
Ebd. (
1527
):
[Gott] es hie auff erden nicht wil haben vergolten, sondern recht wol (wie sich eim Christlichen werck gebuͤrt) gerollt, geplagt, gecreutzigt.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
77, 7
(
Frankf./M.
1568
):
Ich kan auch Pantzer rolln vnd fegn / | Wo sie mit Rost anlauffen thon.
Schmitz, Schiltb.
38, 20
(
Frankf.
1597
):
Dasselbe [...] bringens mit heben / lupffen / schieben / treiben / stossen / trollen / rollen / wallen / schleiffen / ketschen [...] den Berg hinauff.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
26, 39
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Jeder mensche muß [...] in unserm walktroge gewalken und in unserm rollfasse gefeget werden!
Fastnachtsp. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Du leschtrog, harmkrug, lochrete tasch, | Du stinkender eimer, du kunige flasch, | [...] | Du kiteltuch, teufelsslucht und rollfas.
Schorer, Sprachposaun
70, 18
(o. O.
1648
):
wird die Sache dergestalt gehandhabet / gerollet vnd geschoren / daß es GOtt im Himmel verdriessen mag.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gerolte Bonen / faba fresa, confracta.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 245
.
3.
›etw. einrollen, zusammenrollen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Wortbildungen:
rolbinde
wohl eine Art ›Druckverband‹,
rollenwerk
1 ›Gerät zum Herstellen von Bändern, Schnüren u. Ä.‹ (dazu bdv.:  2,  2); 2 ›Ornament‹ (a. 1607).

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1583
):
rollen oder mulwerck, daruff die spiegel- und andere schmale schnur gemacht [werden].
Ebd. :
Es soll auch kain passamentirer in diser stat macht haben, einigen stul oder rollenwerck zu geprauchen, er habs dan zuvor den dreien schawmeistern angetzaigt.
Sudhoff, Paracelsus (
1529
):
die mit den rollpinden, aus ursach das sie vil flüß und offen scheden geheilt haben, in dem das sie die weg verstopft haben.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
586
(
oobd.
,
1607
/
11
):
6 grosse uff rund holtz gerollte indianische gemeld von wasserfarben uff zart tuch.