rodel,
der
;
-s/-Ø
meist + Uml.;
auch
rotul,
das
,
sowie im Pfälz.
rotel,
die
;
aus
mlat.
rotulus
›Schriftrolle; amtliches Verzeichnis‹
(
Niermeyer
2002, 2, 1204
).
1.
›Schriftrolle, Schriftstück mit rechtsrelevantem Inhalt unterschiedlicher Art‹; im Einzelnen: ›Blatt, Heft, Notizbuch für (z. B. tägliche) kurze Aufzeichnungen‹; ›Verzeichnis, Liste, Register‹; ›Urkunde‹.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 1056
f.; 8, 1286ff.
Syntagmen:
einen r. machen
;
rödel
(Subj.) [wie]
gros (sein), beweisung tun, kundschaften geben
;
bücher
(Subj.)
wie rödel zusammengewickelt sein
;
j. etw. ab einem r. lesen, j. an den rodeln stehen, etw
. (z. B.
die freiheit, die rechte
)
an den rödeln haben, (etw.) aus dem r. austun, etw. in den r. schreiben / verzeichnen, järliche zinsen
(Subj.)
sich mit rödeln erfinden
;
der r. des hausrats, täglicher handlung / rechnung, des ausgebens / einkommens, der güter
(gen. qualitatis),
die rödel des gotteshauses, der kaufleute
(gen. possessivus);
der r. von ausgegebenem / empfangenem
;
der inhalt, die sage des rodels
.
Wortbildungen:
rodelschreiber
,
rodler
›Gerichtsdiener, Büttel‹ (dazu bdv.: vgl. , ),
rotierung
›Beurkundung‹ (dazu bdv.:  10).

Belegblock:

Laufs, Reichskammergo.
137, 20
(
Mainz
1555
):
in das rotul, darin dann alle notarien, die jetztgemeltermassen urkundt haben, geschrieben werden sollen.
Pyritz, Minneburg
1720
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich sten auch an den rodeln | Do eygen lut sin angeschriben.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Rodel vnd vrbar thuͦnd bewysung. [...] Roͤdel / es syent dingkroͤdel / zinßroͤdel / vrbar / vñ andre alt schrifften [...] geben guͦt kuntschafften.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1445
):
die gotzhusluͥt meinent, dz si den herren umb vnversigelt schriften, es sien buͤcher oder roͤdel, nuͥtzit pflichtig sin soͤllent.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
925, 40
(
halem.
,
1494
):
Uff bitt der metzger ist inen gewillget, das widrin fleisch, so ein ußbund ist, zuͦ geben naͧch innhalt des rodels.
Maaler (
Zürich
1561
):
Rodel darinn man verzeichnet oder schreybet was sich taͤglich zuͦtragt oder verlaufft. [...]. Ein Rodel oder verzeichnung eines hauß radts / oder der guͤteren die man funden hat. [...]. Rodel vnd register darinn alle handlung eines dings beschriben ist. [...]. Rodelschreyber. Antigrapheus.
Adomatis u. a., J. Murer. Abs.
17
(
Zürich
1565
):
wo ich [Moloch] find unruͤwig knaben | Die wil ich inn den rodel schryben.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
hat man des Jacob Carmeliten frauen auff ain karren gesetzt [...]. den haben 4 rodler zochen.
hat der spitalschreiber und ain rodler die spitaler alle zuͦainander beriefft und in aines rats namen inen verbotten, daß [...].
Rot
348
(
Augsb.
1571
):
Rotl, Raͤdel / ein Register / so vmb etwas gewunden wirdt das vmblaufft / wie man inn den Kloͤstern hat.
Wedler, W. Burley. Liber
127r
(
moobd.
,
v. 1452
):
Da zaigten sy dem kunig ain rotel vnd ain brief.
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
1, 95, 7
(
m/soobd.
,
1445
):
wie man aygentlich gancz und gar mit sunder und guter ordnung und rotierung erkunden und versichern mag.
Laufs, a. a. O.
240, 13
;
Welti, Stadtr. Bern ; ;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ; ;
ders., Staat/Kirche Bern ;
Graf-Fuchs, a. a. O. ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
267, 33
;
Leisi, Thurg. UB
8, 174, 29
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Schweiz. Id. ff. (mit Ausdifferenzierung); ;
Vorarlb. Wb.
2, 745
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›Thora, Thorarolle‹.

Belegblock:

Rössler, Stadtr. Brünn (
mähr. inseldt.
,
1. H. 14. Jh.
):
Wier haben geseczt daz nimmer chain jude auf das rodal schol swern, er wert dan vur uns geladen.