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rocke,rogge,
der
;-(n)s/–
;– Zur Wortgeographie von ,Roggen‘ in den rezenten Mundarten des Deutschen s.
Dwa
; dazu 4
Höing
, in: Dt. Wortf. in europ. Bezügen
und zur Lautung von 'Korn / Roggen' in den rezenten deutschen Mundarten s. 1, 1958, 117-140
regionalsprache.de, s. v.
.›Roggen‹; eine Getreideart, die der Zubereitung von (gegenüber weißem) weniger hoch angesehenem dunklerem Brot als Grundnahrungsmittel, der Herstellung von Bier, auch medizinischen Zwecken dient; begegnet in den Belegen vielfach als Abgabe und Handelsware in Aufzählungen mit anderen Getreidearten und Nutzpflanzen (z. B.
arbeis, dinkel
1; 2, fese, gerste
2, haber
1, kern
7, weisse
).Zur Sache:
Lex. d. Mal.
ff.; 4, 1413
Marzell
ff.4, 198
Syntagmen:
den rocken ausfüren / bachen / bauen / essen, nach der masse verkaufen, zur müle füren, got
(Subj.) den rocken geben, der regen den rocken netzen
; der r. reif sein, vor dem wind zittern, wind in dem leib machen
; die gülte r. sein
; bier aus rocken machen, j. in dem rocken krauten, das bier
(Subj.) von rocken gebraut sein / werden
; x fuder / läste / malter / metzen / mut / schaf / scheffel / ster / summern / teile / viertel rocken(s), x imi rockes
; ein teig von rocken
.Wortbildungen:
(in der Basis und im Bw sowohl rocke(n)-
roggen-
rok-
röckel
rockelger
rockelgin
roggelgin
rocken
rockisch
roggen
rok
rockenbeutel
rockenbrei
rockenbrot
rockener
rockengülte
rockenschuld
rockenzehent
rockenzins
roggengeld
rockenhalm
rockenkorn
rockenmel
rockenschnit
rockenschnitter
roggenesch
1
), roggenzelge
roggenkleie
roggenmasse
rokster
rokernte
rokstro
Belegblock:
2½ m. 2 sc. vor 2 vette swyn von Peter wysbeckerynne an rockenscholt enpfangen.
20 leste rockenczenden.
Czum ersten an rockenczinse in steten, dorffern und molen der jerlich gefellit 93½ last und 9 scheffel.
Abir rogge und alle anderley getreide wil unser herre nicht uszgefurt haben.
gleich als das word brod oder rock ist ein zeichen des brodts, das der beck becket, wenn du allein das wort hettest, wurdestu nicht satt werden.
[DAs Haͤupt] Zittert wie fuͤr dem Wind der Rocken.
Wurdenn aber die becker noch gelegenheyt des getreydes keuffen das brott, es wer ruckens adder weyssens, zew kleyn backen [...].
Diß korn das meynet den rockenn; das hat es in der natur, das es weytzen werdenn mag.
und die rockelger so klein worden, wie kirmiss kinderbrodergin.
Dayr dranck man byr, daz en was nyet alt, | Dat van roggen gebruwen wart.
ein rockelgin - alsus is genant einrehande kunne broitz zo Coellen.
befehlen wir auch hiemit unsern beckern, daß sie zum feilen kauf auch rocken-brod backen sollen.
Zu abend: einen ruckenbrey, ein essen ruben und eine puttermilch.
Ebd.
73, 5
: in der ersten kelte pfleget man fur die küe heidestroh zu füttern, darnach haferstroh, rockstroh und heu, mit gabeln untereinander gemenget.
nym rocken-mel vnd hönig vnd tymperir es vnter einander.
Friezen Wagners haws mer gult gibt jerlichen, nemlich 6 kesz, 1 herbsthuͦne, [...], 1 rockensnytter und 1 habersnytter.
Ebd.
145, 14
: ist ein itlicher [...] schuldig jerlichen der herschaft zwen snytter, eynen im rockensnytt und eynen im habersnytt.
Ein rockner sol haben 12 swein, [...].
gebt mir prot, semel oder rökel.
das sie uns lassen bleyben bey der alten gerechtigkait mit dem brot allem samen, weys und ruckes brot.
eyner, der keine pferdt hat, sal schneiden eynen tagk in der rockernden und ein tagk in der haberernden.
also tuͦnt och suͥmeliche luͥte. die gessent dc dinchelin. vnd gebent dc ruggin. [...] dc ist unreht. wan der mensch der soͤlte ie dc besti geben.
dar umbe sol mir genuͤgen, so er mir einen ruggin leib an min hand git.
Etlichs in der leng anderhalb spannẽ die dicke eins rocken halmß.
so gibt er [Gott] korn / weytzen / rocken / habern / gersten / dinckel mit aller fülle / daß man gnug abzuschneiden und heymzufuren hatt.
[sollen] die schwarzbecken 2 teil waizen und den 3 teil rocken [...] bachen.
geltent jaͤrlich fuͥnfthalb fiertel roggen, wogegen sie erhalten einen muͥt roggengeltz.
ein vnguentum vnd heisset marciaten: [...] holderschoss, mire, rogg, garwen, huswurcz, / camandre.
Staufen darf je im dritten Jahr, so das roggenzelgli angseyit ist, mit seinem Vieh by dem hochgericht demselben weg noch abhin fharen.
kom ein groß weter und erschluͦg 3 gros töchter in dem veld bey dem ziegelstadel, die kreytreten in den äckren gras oder in dem roken.
Die roken und habergült hat mins herren gnad den von Sebrunn begnadet.
wann der roggen- und haber-esch abgeschnidten und lehr sind, so mag man woll roß in dieselbigen ungehüedet schlagen.
die plüet legt man gern in pier, daz man auz wazzer und auz roken oder auz gersten machet.
[dye haberschreckh] assen die newn sat, den rockhen aus der erdenn.
Wer sich verprent mit fewr oder mit haissem wasser. Nym ruggen kleyen vnd prenn sy zu puluer.
Ain sauers rogkheins vrhab pach in ainem offen.
darnach zwai gúte ster vnd ain rogkster vnd ain gúte wann.
Jacob Pas von Morter zinst vi stär roggn vnnd iii star fuettergersten roggnmass.
vier waytzẹnpeutl, gut vnd bös, vnd drey rokenpeutl.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
73, 40
; Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
40, 16
; Mon. Boica, a. a. O.
155, 5
; Rohland, Schäden
505
; Merz, Urk. Bremgarten
35, 5
; Gehring, a. a. O.
169, 34
; Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 187, 30
; Zingerle, a. a. O. ;
Voc. Teut.-Lat.
bb ijr
; Vorarlb. Wb.
2, 748
; Öst. Wb.
3, 1108
; Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 245
.