ritte,
ritten,
der
;
-Ø/-n
;
zu
mhd.
rite, ritte
›Fieber‹
(), dies zu
mhd.
rîden
›zittern‹
(
Kluge/S.
2011, 769
);
obd. auch mit
e
-Apokope.
›Fieber, Schüttelfrost‹; damit einhergehend: ›Fieberwahn, Delirium‹; ütr.: ›Unzurechnungsfähigkeit‹; aufgrund der dämonischen Einflüssen zugeschriebenen Symptome (Krämpfe, starkes Zittern) häufig im Fokus von Verwünschungen und Flüchen, vor allem in lautmalerisch anmutenden Verbindungen mit
schütten
›schütteln‹.
Zur Sache:
Höfler, Dt. Krankheitsnamen-Buch.
1899, 512
f.
Phraseme:
den ritten haben
›besessen, nicht bei Sinnen sein‹; ütr.: ›zum Teufel gehen‹; ˹
das dich der ritten schütte!
;
got gebe dir den ritten!
u. Ä.˺ im Sinne von: ›Der Teufel soll dich holen!‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, , , , , (
die
1; vgl.
1
.
Syntagmen:
den ritten fluchen / gewinnen / haben / machen / schwören, jm. abnemen / wünschen, mit tanzen vertreiben, auf dem kragen haben, der wind
(Subj.)
die ritten bringen
;
der r
. (Subj.)
jn. ankommen / anstossen / behüten / bescheissen / lassen / schütten / volmachen, jm. die glieder erschüttern, jm. das herz abschütten, e. S. danken
;
des ritten warten
;
j. an dem ritten liegen, etw
. (Subj.)
für den ritten gut sein, j. in ritten fallen, in einem ritten liegen, jn. mit dem ritten erschlagen, j. mit ritten befangen sein, von ritten im bet liegen
;
der böse / dreitägliche / gäuchische / grosse / heisse / kalte / kleine / strenge / tägliche / trunkene / verborgene / viertägige / volle r
.
Wortbildungen:
ritschit
˹ ›mit Schüttelfrost einhergehendes Fieber‹ (15. Jh.), ˹
rittenfrost
,
rittenhitze
˺ ›mit Schüttelfrost einhergehendes Fieber‹, ˹
rittesuchtende
,
rittig
˺ 1 ›fiebrig, fiebernd‹ (dazu bdv.: ,  6,  1,  2); 2 speziell auf Tiere bezogen: ›tollwütig‹ (dazu bdv.: vgl.  2,  6,  7).

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1587
):
Got geb dir die drüs und den ritten!
Ebd. (o. O. o. J.):
er muͦß mir ain roten rock ins maul schieben, wil er daß ich schweig, und solt die gugel den ritten hon
(›die Kapuze müsste fieberverseucht sein‹).
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
234v, 21
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
Vnd dy faulle: encz sy / jst czwischen den aderen vnd macht den / ritten, das ist dy terciana, dy deglich ist.
Follan, Ortolf. Arzneib.
67, 17
(
rib.
,
1398
):
Merke, dat in allen langen suchen, alz in den vyrdeghelichen ryete, schaden is.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
her [Jhêsus] ruͦrte ire hant, und si lîz der rite
[
Mentel
1466:
ritten
; nd. Bibel um 1478:
dat kolde
; Var. 1475
2
–1518 /
Froschauer
1531 /
Eck
1537 /
Luther
1545:
Fieber
].
Ebd. Mk. :
Und Sîmônis swiger lac dar nider ritesuͦchtinde
[
Mentel
1466:
lag an dem ritten
; Var. 1475
2
–1518:
fieber
; nd. Bibel um 1478:
kolden
;
Froschauer
1531 /
Eck
1537 /
Luther
1545:
hatte das Fieber
].
Pyritz, Minneburg
1283
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ir geeder daz mus gar unrein | Mit fluches ritiger hitze schaden | Sich sere und swerlich uberladen!
Voc. Teut.-Lat.
bb ijr
(
Nürnb.
1482
):
febris lʼ alterius rei Rittẽfrost odʼ rittẽhitz.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Deß muß sie schiedn
[›schütteln‹]
der ried vnds fiber!
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
156, 1
(
els.
,
1362
):
Do die zit kam sines todes, do sties in ein swerer ritte an.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Der herr derschlecht dich mit gebresten vnd mit dem ritten
[
Eck
1537 /
Luther
1545, 5. Mose 28, 22:
Fiber
]
vnd mit kelte mit brinnung vnd mit hitz.
Spanier, Murner. Schelmenz.
36, 25
(
Straßb.
1512
/
3
):
Schwyg, das dich der ritten schitt!
Ebd.
41, 33
:
Das gott dem münch den ritten gebe!
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
nach dem Essen stieß in ein kleiner Ritten an, ein klein Feber.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Ach liebster vetter, hoͤr mein bit, | Bruch solche harte woͤrter nit: | Jch zitter, als mich der ritten schit.
Sudhoff, Paracelsus (
1527
):
wan ein arzt nichts mer kan, so rat er in das bat, und ist eben ein rat, als wan einer rit mit tanzen vertrib.
Ebd. (
1528
):
die komen aus dem venusberg und han [...] mit dem Dannheuser ein blutwurst gessen, können vih und leut gesund machen, es sei febrig oder rittig.
Fuchs, Murner. Geuchmat
299
(
Basel
1519
):
Do was ich so ein grosser gouch, | Das mich der geuchisch ritt sol schitten.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
207r, 11
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
enczianen gepúluert vff / ainer snitten [...] ist ouch fúr den / ritten guͦt.
Vetter, Schw. zu Töß (
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
Und unser her [...] nam der schwester den ritten als gantzlich ab das sy do zemal nie kainer krankhait me da von entpfand.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1463
):
als ettliche schwerent: boxsschnutt, dz schnallenduͥbel, den ritten, oder der glich uͥbeler schwuͤren.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1556
):
das die meyster ire knëcht vermanen, das sy khein maͤnig, ryttigs oder stürmigs veech [...] kouffind.
Wyss, Luz. Ostersp.
10257
(
Luzern
1545
):
stand vff, ich mein, dich schütt der ritt! | hörst diss tondren vndd erdbidmen nit?
Sappler, H. Kaufringer
25, 223
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der schüttler und der ritt. | der hat ainen pösen sitt: | er macht den menschen also vol, | das er nicht mag verdöwen wol.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
66, 18
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Hauswurcz wasser [...] ist auch gut fur den vierteglichen ritten. LAtich wasser ist gut, wer den haisen ritten hat, der trinck das wasser.
Dedekind/Scheidt. Grob.
137, 21
;
Froning, Alsf. Passionssp. ;
Bergmann, Ambr. Liederb. ;
Neumann, Rothe. Keuschh.
3639
;
3648
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. ;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
83, 13
;
Strauss, A. v. Villanova dt.
151v, 16
;
155v, 32
;
164v, 36
;
Keil, Peter v. Ulm
177
;
Williams u. a., a. a. O.
229, 14
;
Menge, Laufenb. Reg.
2658
;
4069
;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 186, 27
;
Bächtold, N. Manuel. Papst
78, 1247
; Zugabe H. R. Manuel
320, 433
;
326, 600
;
Barack, Zim. Chron. ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ; ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;