rip,
rieb,
das
,
–/-Ø
,
auch
rippe,
die
;
-Ø/-n, -Ø
.
1.
›Rippe, Rippenknochen; einer der schmalen, bogenförmig gekrümmten Knochen, der den Brustraum von Mensch und Tier schützend umschließt‹; auch ütr. auf den ganzen Menschen; speziell beim Fisch gelegentlich: ›Gräte‹.
Phraseme:
jm. / etw
. [einem Tier]
seine rippen zälen (mögen)
›jm., einem Tier ansehen, dass er / es abgemagert, ausgezehrt ist‹; als Aufforderung: ›jn., ein Tier kurz halten‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,
1
 6, ,  1, .
Syntagmen:
ein r. abbrechen
;
das r
. (Subj.)
ab, x schuh lang sein, die rippen den beinen zugeselt sein, jm. die rippen krachen, zerbrochen sein
;
einen spies durch die rippen hauen, etw
. (Subj.)
durch / zwischen die rippen gehen, eine gliedsucht
(Subj.)
in den rippen sein, (die) gebärung
(Subj.)
sich in den rippen erheben, der bauch wieder die rippen schlagen
;
das r. von dem riesen, die rippen in der seite, zu beiden seiten
;
das abgefallene r
.;
die sucht / zal der rippen
;
der stich durch das r., ein braten von x rippen
.
Wortbildungen:
ripbeinlein
›kleines Stück Rippenknochen‹,
ripbraten
,
ripsper
wohl ›(Schweine)rippchen‹,
ripstos
(dazu phras.:
einer sache einen ripstos geben
›einer Sache einen Rückschlag versetzen‹).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
39, 32
(
preuß.
,
1447
):
Fleyschsoller: [...] 34 spisse rintfleisch, item 5 spisse roͤckestuͤcke, item 5 spisse ribbesper.
Luther, WA (
1523
):
Zubrochen ist, als wenn eynem eyn beyn odder eyn rip entzwey bricht odder sunst wund ist.
Ebd. (
1527
):
so wolt ich die hosen auff nesteln und uber hin springen, das mir die rieben solten krachen.
Ebd. (
1529
):
mus man dem Esel das Futter hoͤher legen, das [...] man jm die Rieben zelen moͤge.
Ebd. (
1532
):
wollen dir widder ein gerumpel jm bauch anrichten und durch die rieben reissen, das du lieber soltest einen thurm, ia einen gantzen wald verschlungen haben.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
1524
):
diser artikel gibt erst Luthers sach ain ripstoß.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
da legt man den keser [...] ins loch: het den mausvalnmacher [...] mit eim sweinsspieß durch die rieb in der seiten zu tod gehawen.
Sachs (
Nürnb.
1552
):
Er ist dür, man zelt im sein rieb.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
Gat es aber zwischẽ die rip vñ doch nit in die hüle des libes so ist es eĩ cleine wũd / ob der artzet guͦt ist.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
schweinin Ripbraten.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
208v, 22
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Der den vikk hab, der nem [...] aines / hechten zen vnd sinú ripp vnd brenne / das ze puluer.
Sudhoff, Paracelsus (
1536
):
sind der ende und örter vil im leib, da sich soliche geperung erheben, als [...] in den rippen, in knoden und in allen articulis.
Ebd. (
1537
/
41
):
dergleichen glitsucht, es sei im leib wo es wöl, im ruckengrad oder rippen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
21, 3
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da ist noch ain ripp von dem selben ryßen, das ist viertzig schuͦch lang.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 182, 16
(
schwäb.
,
um 1522
):
Auch gab er im ein ripppeinlein von dem heiltum irer heiligen tochter sanct Katerina, waz wol einer span lang.
Niewöhner, Teichner
487, 82
(
oschwäb.
,
1368
):
halz und bruͦst daz ist sin recht. | so gedenckt er [jæger] spaut und fruͦ, | wie kæm noch daz rip dar zuͦ, | daz ir recht sich mern tuͦt.
Brandstetter, Wigoleis
215, 27
(
Augsb.
1493
):
sy riten ein soliche starcke thyost von der in beyden billich rugk vnd ripp zerbrochen waeren.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
diu selben pain in dem rucken sint gezalt nâch der zal der ripp.
Vgl. ferner s. v.
1
 11,  4, ,
1
 13,  1.
2.
›Rippe, Rippenknochen als Material, aus dem Gott (nach 1. Mose 2, 21f.) die Frau geschaffen hat‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
1
 6, , .
Gegensätze:
,  1.
Wortbildungen:
rippel
1 Schimpfwort für eine Frau.

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
Adam war ein erdenklos, und Eva ein rib, wie weit ist ein rib und schon frau von einander.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dâ von sprichet diu schrift gar wol, daz got die vrouwen næme von des mannes rippe und sîten, weder von dem houbete noch von vüezen.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
ich bin behafft mit liebes kraft, | mit Adams ripp durchschoßen.
Sachs (
Nürnb.
1548
):
Gott nembt die rib auß dem Adam unnd spricht: | Auß diesem bain so werde fleisch!
Fuchs, Murner. Geuchmat
145
(
Basel
1519
):
Jch weiß wol, was das Ripple kan, | Das vß der syten kam dem man!
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 2, 22
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Vgl. ferner s. v.
1
 6.
3.
›Gegenstand (unterschiedlichster Art), der als einer oder mehreren Rippen ähnlich gesehen wird bzw. ein Rippenmuster erkennen lässt‹; z. B.: ›schmales Brett, Holzlatte‹; ›Streifen (auf einem Tischtuch)‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , ,  1,  1.
Wortbildungen:
ripbarchent
eine Tuchart, ˹
riplocht
,
rippecht
,
rippet
(dazu bdv.: )˺ ›gerippt, unregelmäßig geformt, gewellt‹,
rippel
2 ›Blattrippe (z. B. des Brombeerblattes)‹; metonymisch: ›Pflanze mit stark hervortretenden Blattrippen‹ (z. B. Spitzwegerich, Plantago lanceolata;
Marzell
3, 809
f.); wohl auch ›Pflanze mit rippenähnlicher Anordnung der Blätter‹ (z. B. Schafgarbe, Achillea millefolium; 15. Jh.; vgl.
Marzell
1, 86
), ˹
rippelkraut
,
rippenwurz
(a. 1420)˺ ›Spitzwegerich, Plantago lanceolata‹.

Belegblock:

Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
382, 19
(
rib.
/
westf.
,
1583
):
die Niederlendische schipluide mit oeren pleiten und torffschippen, so plancken, krumholt, klabbreder, ribben etliche lassen faren.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1494
):
daß die ryppechten barchen mit dritzehen rieben und nit mehere gemacht und mit lynen und wollen gehalten sollen werden als bißhere.
Ebd. (
E. 16. Jh.
):
Erstlich, die rippbarchet belangt.
Sachs (
Nürnb.
1550
):
Schaw auch mein nasen lang und groß, | Bucklet, und in der mit gantz högret, | Vol engerling, rippet und knögret.
Peters, Schäden I,
26, 3
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
nim ein bronberblat vnd strich die rippel vnd die spiczel an dem leczen end nieder, das es glat wirt.
Ebd.
170, 3
:
nim [...] das krut rippel.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
256, 3
(
halem.
,
1395
):
daz er eim kind ein gippli schriet; daz ted er oͧch und waz der zwilchen nit mer dann ij eln und waz ripplocht und salwlocht.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
76r, 2
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
ein salb [...] pollitricum, ripplikrut, garwen, wëgrich, apij.
Scholz-Babisch, a. a. O.
403, 13
;
Bremer, Voc. opt.
50228
;
Schles. Wb.
2, 1126
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Lehmann, Rezeptb.
240
.
Vgl. ferner s. v. .