rinnen,
V., unr. abl.
1.
›wo oder wohin fließen, strömen‹ (von Flüssigkeiten, meist von Wasser, seltener von Blut, Tränen, Schweiß); in 1 Beleg auch mit Bezugsgrößenverschiebung: ›(mit Blut, Schweiß) überströmt, bedeckt sein‹; in 1 Beleg trans.: ›eine Flüssigkeit wohin leiten‹.Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B. der bach, das wasser
) [wo, wohin, wie] r., etw
. (Subj.) ab dem dach, durch alaun, die ganze welt, die pelze, die dürren orte, für das kloster, in der hitze, in den hof, das bad, die wiesen, mit blut, von dem brunnen, zu beiden seiten r., etw
. (Subj.) wie wasser r., das blut
(Subj.) auf die erde, auf js. wangen, in den adern, in die wasserflut r., der schweis über den leib, die tränen über die backen r., jm. das antliz
(Subj.) mit blut / schweis r
.; ein rinnendes wasser
.Belegblock:
Wenn der Regen / vnd kalter Wind / | Jhn durch die zarten Peltzlein rint.
kalt wazzer uz vrischem brunnen, | di in der hitze hant gerunnen, | ist uz verrem lande ein gut bote.
wart her Cone von Falkenstein gar sere geworfen, daz ime sin antlitze mit sweiße unde blude ran.
Marckair traff yne vff eyn achsel / das das blüt vff die erde ran.
La hin fließen lieb, la hin fließen leit, laß rinnen den Rein als ander wasser.
in vir tail es [wasser] sich von ain ander spelt | und rinnet durch die ganczen welt.
[Henman Trugsezzen wird]
gestattet [...], den brunnen in sein haws zu rynnen vnd hinfür darinn zu bleiben. sô schol man wizzen, daz dreierlai âdern sint in dem menschen. die êrsten sint runstâdern, dâ daz pluot inne rint und fleuzt von dem herzen.
Er verlos aus seinem her fünfzehenhundert man, und das wasser Garena ran bis an den dritten tag mit pluet.
man soll es [unflat] tragen in ain rinet wasser oder leibel.
2.
›in / mit einer Flüssigkeit (meist fließendem Wasser) treiben, schwimmen; von einer Flüssigkeit fortgetragen werden‹; in 1 Beleg trans. und ütr.: ›jn. treiben, zu etw. bewegen‹; speziell in Rechtstexten: ›in Schuld geraten‹; als Metonymie anschließbar an 1.Belegblock:
wo man an einem ort bindet, da rinnet es an andern zweyen orten.
Der da peiniget den armen, [...], der wirdt es geben dem reichern [...]. Diser spruch rint manchen unbarmhertzigen in büssen oder auffs wenigst seinen kindern.
ertrunkend ir vil in der Ill. Also runend iren etlich gen Veldkilch an den rechen.
alle die hoͤltzer, so obenn oder niden an vnnser schwelli oder mülinen komennt vnnd rünnent, die sollennt vnnser statt Bernn [...] verfallen sin.
wart vil daran verwuͦst und ran ouch vil holzes und laden dannen.
Wir sein in dem bach grunnen | Sam die toten mäuse.
si chomen selber auf einen stain, | [...] | der stain mit sampt in rann | zehant andas statt dann.
Ebd.
22066
: daz scheffel wider wazzers rann | an alle stewre.
Es söllen auch weder Geistlich Edl, noch vnedl [...] die vnsawberkhait, so an die Salzach geschutt werden soll, also in den hewsern vergiessen, vnd an die Gassen rynnen lassen.
3.
›hervorquellen, aus / von einem Ort entspringen‹ (von Flüssen); ütr.: ›keimen, aus dem Boden hervorwachsen‹ (von Pflanzen); generalisierend: ›hervorgehen, entstehen‹.Belegblock:
wie dri [personen] in einem wesen stan, | uß den die creature ran.
Dar zu wil ich dirs wider nuwen, | [...] | Mit rosenwaßer, daz zu stund | Uz mines hertzen grunt | Ist gefloßen und gerunnen.
O ursprung auß der gotheyt rinne, | Dar in all selig geyst sich tunt erlusten dick.
So spricht zuo im der buman: | Machtu guoten samen han? | Ja, wirff in in ain guot land, | Er errint
[Var.:
rynnet]
ietzo zuo hand. 4.
›aus e. S. heraustropfen, heraustriefen, herausfließen, herausströmen‹ (von Flüssigkeiten); auch mit Verschiebung der Bezugsgröße; dann im Einzelnen: ›lecken, auslaufen, durchlässig sein‹ (von Gefäßen; auch ütr.); ›nässen, eitern, bluten‹ (von Wunden); ›tränen‹ (vom Auge); ›laufen‹ (von der Nase); ›Auswurf haben‹ (aus dem Brustkorb).Syntagmen:
˹etw
. (Subj., z. B. unflat, das liegen
) nicht r
.; verschoben: etw
. (Subj., z. B. der boden / kasten, das fas
) r
.˺ (jeweils absolut); etw
. (Subj.) aus / von e. S
. (z. B. der unflat aus der wunde, der schmalz aus der arskerbe, pech von dem baum, bäche von js. leib
) r
.; verschoben: (e. P. / e. S.) die augen / nasenlöcher
(Subj.) r., j. um die brust r. (wollen)
; als part. Adj.: etw
. (Subj., z. B. der helm, das fas / schif
) rinnend werden, die beine rinnend sein
; eine rinnende kanne, rinnende augen / beine
›Beingeschwüre bzw. ,offene Beine‘‹ / geschwüre / schäden / wunden
.Belegblock:
Die Sorg vertrinckn / im Spiel gewinnen / | Biß faß / boden vnd kasten rinnen. | Vnd wird aussetzig alles bahr.
Darumb ist jetzt die Natur / eine alte beulende rinnende Kanne / die nichts koͤstliches fassen kan / biß sie in Gott zerlassen [...] wird.
Ward Jesus in seine seit, | Mit eim Spehr gestochen, | Dorauß Blut vnd wasser ran.
Daher komen die rynnenden trieffenden augen / schwacheit der glider.
Rinnende pein, ein bogen rucken, | Husten und reyßpern uber massen, | Böß drieffende augen und nasen, | Zitren, unlust, rewden und kretz.
Auch fand er
[für seine Verkleidung als
bettler]
alte lumpen do, | Darmit verband er seine beyn, | Sam wern sie rinnent und unreyn. Es ist ein sundere kunst zuͦ liegen, | Das es geheb
[›dicht‹]
sei und nit rin: | Liegen hat ein besundern sin. Ob du rinnen wellest vmb die brust: So súd / bolaẏen.
so leg dich auff die wunden, das der vnflat dar aus rinn.
Thue ims [pferdt], biß gesundt wirdt vnd im die naßlöcher anfachen zurinnen.
Ott-Voigtländer, a. a. O.
203r, 29
; Rohland, Schäden
503
; Weitz, a. a. O.
135, 13
; Voc. Teut.-Lat.
bb jv
; 5.
›rennen, schnell laufen (um Hilfe zu holen, jn. anzugreifen)‹.Belegblock:
Ich muest sicherlich van hynnen, | All seulde ich ouch uyss um hulpen rynnen.