ring,
der
;
-s/-e, -Ø
;
gelegentlich
die / das
;
im Diminutiv
ringel,
ringlein
.
1.
›von Menschenhand angefertigter ring- oder bogenförmiger Gegenstand unterschiedlichen Materials in vielfältigen Verwendungen‹ (generell); im Einzelnen z. B.: ›ringförmige Fassung‹ (z. B. eines Spiegels, einer Medaille); ›Glied in einer Kette‹; ›Ring als Aufhänge-, Haltevorrichtung; Scharnier‹; ›Tragring‹; ›ringförmiges Zierelement (an Kunstgegenständen, Kleidungsstücken)‹; ›Zielscheibe (beim Lanzenstechen)‹; ›ringförmiges Gebäck, Kringel, Brezel‹; ›(Nasen)ring für Tiere (z. B. für Bären, Schweine)‹; ›Bestandteil eines Kettenhemdes, Panzerring‹; ›Schlagring‹; ›Beschlagring (am Wagenrad)‹; ›Türring‹ (zur rechtlichen Dimension s. ); ›mit Brennmaterial getränkter Kranz‹; ›ringförmige Öffnung einer Öllampe‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): ,
1
 235,
1
 811, ,  1, ,  1, , , ; vgl.  5,  5,  1,  15,
1
 1,  1, ,  1,
1
(
der
3, .
Syntagmen:
ringe anlegen / backen / machen, dem bären einen r. in die nase binden
;
ein r
. (Subj.)
entzwei / helfenbeinen / klug / weis sein, ringe zerspringen, in die zunft der schmiede gehören
;
die schiffe an ringe binden, den bären bei dem r. (in der nase) füren, das blut
(Subj.)
durch die ringe fliessen, jn. mit ringlein wälen, nach / zu dem r. rennen, zu dem r. stechen
;
ein r. der kette, die ringe des leibroks
;
der r. aus / in der kette, in der nase, von gold / roshar, ringe in den mäulern, zu füssen / händen
›Fesseln‹,
zu karden / stegereifen, zu den rädern (zur müle) / weinen
›Weinfässern‹,
ringlein zum aufhenken
;
der angeheftete / ausgeteilte / beinerne / bleiene / calcedonene / geschnizte / grosse / hölzerne / kleine / messingene / nusbaumene / pechene / schöne / vergoldete r., die eisenen ringe
›Fesseln‹,
die liechten ringe
›Kettenhemd, Panzer‹;
der augenkristal in dem r., medaillen in ringen, x beschlagener
wohl eine Art ›Kolben‹
mit ringen, der kasten / schild mit den ringen, viel gestech um ringe
.
Wortbildungen:
1
ring
(Adj.) ›ringförmig‹ (hier in der Fügung
das ringe eisen
),
ringbrot
(dazu bdv.: ),
ringeleisen
(dazu bdv.: ; vgl. ,
das
, 4),
ringhalb
, ˹
ringharnisch
,
ringhose
,
ringkrage
˺ ›Rüstung, Rüstungsbestandteile aus Kettenringen‹ (dazu bdv.: vgl.  3, , ,  2, ),
ringharnischer
(a. 1452),
ringmacher
›Hersteller von Metallringen‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1407
):
1 m. 21 scot vor ringe und zappen zu den raden zur mole.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
9, 28
(
preuß.
,
1437
):
1 schogk ringke zcu futerseylen gut und argk, item 24 par ringke zcu gorten und stegereiffen gut und bosze.
Ders., Gr. Ämterb.
513, 32
(
preuß.
,
1450
):
1 par harnischhentzczken, item 2 par ringhoszen.
Ebd.
636, 13
(
1404
):
35 stucke ryncharnisch, des sint 9 hundeskogeln und 12 gehenge und 7 schorcze und 6 par grusener und eyn kolner.
Luther, WA (
1525
):
Gleich wie man dem hunde den knuͤttel und dem bern eynen rinck ynn die nasen [...] bindet, das sie nicht zu seer lauffen, beyssen und mutwillig seyen.
Ebd. (
1530
):
So hastu den ganczen glawben zu brochen wie ein rinck in der ketten.
Ebd. (
1544
):
Wenn der Ring an einem ort entzwey ist, so ist er nicht mehr ein Ring, helt nicht mehr.
Lau, Qu. Siegburg (
rib.
,
v. 1482
):
Is id ein haus, so sal he eme den rinck van der doren in sin hant geven.
Karnein, Salm. u. Morolf
361, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da leite ane der tegen schier | under sin cleider ein vil gut pantzer, | die ring warent wiß und klug.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
68, 22
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
etlich hundert beschlagenner mit zackenn vnnd ringenn flegel oder trischel genant; die dienenn zu dem schlagen.
Sachs (
Nürnb.
1555
):
Schenck, gesez und handwercksgewonheit der gesellen und junger der ringmacher
(Überschrift).
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
Och waren brottbecken, die hattend ringe
[dies zu
2
ring
, Adj., 1]
öflin, die sy uff karren fuͦrtend, darinn sy basteten, ring und brätschelen buͦchend.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Ringbrot / bretstelle [...]. kleiner Ring dẽ die weiber vff dz haupt legẽ / so sie etwz tragen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
383
(
Genf
1636
):
ring daran die Schiff gebunden werden.
Morrall, Mandev. Reiseb.
58, 1
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
von gold ain ring, da sind die zwoͤlff zaichen des hymels an.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1520
):
daraus dann ain ersamer rate nit mehr dann sechs personen [...] durch zwen geng mit ringlin wöhlen [...] soll.
Ebd. Anm. 1 (zu
1562
):
haben etliche junckherren, der röm. kön. mt. hofgesindt, ob dem Weinmarckt zum ringlin gerennet und gestochen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Derselbig knab hat uf ein zeit sein vater in einem ringkragen gesehen und darbei gemerkt, wie er den angethon.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
gênt die zwai clemern oben und unden zesamen und habent ringel, dâ mit man si zuo enander twingt.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
[er] vacht mit ritterleichem mŭt, | Daz maniger sach sein aigen plŭt | Durch lichte ringe vlizzen.
Deinhardt, Ross Artzney
58
(
oobd.
,
1598
):
Die unngerischen pferdt zu beschlagen
[Überschrift]
Item man mueß sich auf ringen eisen
[hier: ›ringförmiges, geschlossenes Hufeisen‹]
beschlagen vnd gar khainen stollen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
416
(
oobd.
,
1607
/
11
):
darin
[Truhe]
ligen 19 gefarbte allerley ringlein von roßhar gemacht.
Ebd.
435
:
1 indianisch rund [...] schälin, hat inmitten ein vergulten ring oder rosen.
Ebd.
528
:
1 calcetoniner ring wie man zum bogenschiessen braucht.
Ebd.
1317
:
Ein grosser runder [...] spiegel, [...], in schönem hiltzen geschnitzten vergulten ring oder ornament.
Ebd.
1596
:
Zwen [...] weiß silber gluthkessel oder pfannen, [...], an seitten mit zwen lewenkopf und ring in meülern beide.
Ebd.
1669
:
48 von metal schöne nach ordnung in iren schwartz bainern ringen in grienem kestlin [...] eingelegte medalien.
Ebd.
2235
:
Ein astronomischer messiner außgethailter ring, den man kan ausseinanderziehen und wider ineinander legen.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
[Er] pracht mit im die eiserein ring zw hennden und fueszen, darinn er gefangen gelegen was.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1605
):
schmal und brait stegreyffeysen, so leisten- und banteysen genendt wird, gättereysen, auch schäreysen, so man ringleysen haist.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1597
):
wie von alter hero, den armen menschen die hand auf den rucken mit dreien ringhalben pinten und uber den rain stossen.
Eis, Gottfr. Pelzb.
174, 25
(
öoobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Nimb [...] ein halm oder ain schmellen von ainem halm oder ain annders rings dingkh vnd bestreich das mit paumoͤll.
Zingerle, Inventare (
tir.
1490
):
Funf eysenpantt vnd etlich clain ring, gehörn zu dem zug.
Struck, Joh. Pfannstiel
187, 54
;
Buck, a. a. O. ;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
513, 37
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern ;
Wiessner, Wittenw. Ring
9179
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 150, 7
;
Bauer u. a., a. a. O.
405
;
792
;
1280
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Zingerle, a. a. O. ;
Rwb ff.; f.; f.;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v. ,
1
 3,
1
 1,
1
 8,
1
 1, (V.) 29, , .
2.
›ringförmiger (Körper)schmuck (häufig aus Gold, Silber)‹; meist: ›Fingerring‹ (z. B. als Trauring, Gabe, Zeichen für Amt und Würden, Siegelring, Zauberring); selten: ›Armreif‹; ›Ohrring‹; ›Spange‹; als Spezialisierung anschließbar an 1.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 855
ff.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , ,  1,  1, ,  1,  1, , (
das
2,  1, ,  7, , ,  1; vgl.  4.
Syntagmen:
ringe haben / machen / tragen, den r. abtun / anstecken, ab den fingern ziehen, an den fingern / oren tragen, an js. hand stossen, von seiner hand werfen, jm. einen r. schicken, zum zeugnis geben, zum pfand hinterlassen
;
der r. an einer halskette hängen, um den hals gelegt werden, nicht über x gulden gewicht treten
;
js. name
(Subj.)
an dem r. stehen, j. in ringen glorieren, einen smaragd in einem r. tragen
;
der r. des ingesiegels
;
ringe an den fäusten, an einem or, in den mäulern / oren, ein r. mit einem amatisten / saphir, mit einem stein geschmelzt / versezt
;
der goldene / schöne / silberne r
.;
ein probst mit ringen begabt, ein finger samt r
.
Wortbildungen:
1
ringeln
2 nur als part. Adj.
geringelt
1 belegt: ›beringt‹ (a. 1484/1531; dazu bdv.: ),
ringfutter
›Etui, Futteral für Schmuck, Fingerringe‹ (dazu bdv.: vgl.  1,  10,  1),
1
ringler
1 ›j., der
ringe
herstellt‹; 2 speziell: ›Handwerker, der Ringe oder Kügelchen für
paternoster
herstellt‹ (dazu bdv.: , ),
ringpetschaft
›Siegelstempel in Form eines Fingerrings‹ (a. 1537),
ringpitschier
›Siegelmuster des Siegelrings‹, ˹
ringsekret
(a. 1514),
ringsignet
(a. 1597)˺ ›Siegelring‹,
ringtruhe
›Behälter für Ringe‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1505
, Hs.
E. 16.
/
A. 17. Jh.
):
Der erste guldene Rinck soll uber sech Reynischer gulden gewicht [...] nicht treten.
Luther, WA (
1522
):
die rechte braut sagt: dich wil ich haben allein, du bist meyn, und nicht der rinck, die gabe, das geschenck.
Ebd. (
1530
/
1
):
und las mich das ringlein sein, da bey wir uns erkennen.
Ebd. (
1538
):
ehr tregt ein pfandt, einen rieng und pietzschafft, das ehr keinen zweiffel dran hat, Gott sei warhafftig.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
84, 1285
(
Magdeb.
1608
):
DArauff pfiff sie [Circe] in einen Ring / | Der an jhrer Halßketten hieng.
Jürges u. a., Waldecker Chron. (
wmd.
,
1546
):
Darnach man uß der schlaffcamern gangen, dieselbigen vernegelt und mit obwolgedachts meins gnedigen hern rinckpitzir versiegelt.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
M. 15. Jh.
):
Auch ensal kein geselle eynen ringk tragen vorn an denne fingern.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
176, 17
(
Frankf.
1535
):
Wer jn [Smaragdus] inn eim ring tregt / den kompt die fallend sucht nit an.
Perez, Dietzin
1, 133, 11
(
Frankf.
1626
):
dessen ich den Herrn meinen Ring vnd Trew zum pfand hinderlaß.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Um sinen hals wart im dar na | Geleit ein rinc guldin wit.
Jahr, H. v. Mügeln
181
(
omd.
, Hs.
1463
):
dink ane nam ist unbekant. | nam ist mins ingesigels rink, | damit gezeichent sint die dink.
Skála, Egerer Urgichtenb.
82, 16
(
nwböhm.
,
1571
):
(Er) wisse auch nit wo der Petzschier Ring hin khomben, dan er habe domals kein Ring bej (Im) gesehen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
ein ring trwhe / ein behaltnuß der ringe.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
ein probst mit bischoͤflichen zierden, infel, stab, ringen [...] begabt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ringler / Der ring machet. Annularius.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ringe an den feusten / vnd kein bereitter heller darzu / ist deß Teuffels arschwisch.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 147
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Maria, hilf, das uns geling | zu dem, des nam stet an dem ring.
Straus, Juden Regensb.
988, 259
(
oobd.
,
1518
):
das die herren von R. bey irem
[der Juden]
großen flaiß nit auch die drechsler, ringkler, paternostermacher, [...], und vil ander hantirer uber uns zuͦ clagen [...] bewegt.
Bauer u. a., Kunstk. Rud. v. 
2540
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein ringfutter, darin steckhen allerley von schlechten steinen ring
(Überschrift).
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
23, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
nam sy zue ir [...] ein ringlein taugen: | wenn sy das trueg zer hende, | so verschwand sy gar vor aller menschen augen.
Ebd.
104, 6
:
auch stiess sie [Medea] an sein hande | ein ringk, der was sollicher art, | das er [Jason] vor augen meniglich verschwande.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1484
):
ain guldeins ring mit ainem turckoschkeint. [...] ain guldeins ringl mit ainem zerprochẹn schmarägkl.
Qu. Brassó
4, 232, 35
(
siebenb.
,
1649
):
[ein junger Pursch] öffnet das Grab des verstorben Mäglein [...] und schnitt ihm ab einen Finger sampt einer guldenen Ring.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe ;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ;
Rupprich, Dürer ;
Roloff, Brant. Tsp.
501
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern ;
Fuchs, Murner. Geuchmat
3509
;
Klein, Oswald
18, 39
;
19, 53
;
Fichtner, a. a. O.
277, 5
;
Starzer, Qu. Wien ;
Zingerle, a. a. O. ;
Rwb f.; f.;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 495
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 242
.
Vgl. ferner s. v. , (
das
2.
3.
›ringförmiges Kennzeichen, Symbol; Kreis, Kranz‹ (meist mit Zeichenfunktion); im Einzelnen s. die Übersetzungsvorschläge in den Belegen.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): ,
1
 12, ; vgl. ,  1.
Wortbildungen
1
ringeln
3 nur als part. Adj. belegt:
geringelt
2 (a. 1530; dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
Das Koͤnig Pharao Joseph seinen Fingerring gab / das bedeut Franciscum / Denn Christus hat jm gegeben den Ring
[›kreisförmiges Wundmal‹]
/ das ist / die Stigmatisacion / Vnd Fuͤnff wunden.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
1593
/
4
):
daß alle juden, die in der stadt Trier sind [...], zum unterschied der christen gelbe ringe eines königs talers breit
[als ›vorschriftsmäßig zu tragendes kreisförmiges gelbes Kennzeichen‹]
vorn auf den mänteln oder kleidern offen und unverdeckt tragen sollen bei straf.
Jahr, H. v. Mügeln
2000
(
omd.
, Hs.
1463
):
durch frid sint worden alle dink, | des bin ich [Fride] aller tugnde rink
(›Krone; Auszeichnung‹).
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
16. Jh.
):
da stach man dem Grunperk und dem löffler die augen auß und prent sie paid durch paid packen: auf die einen seiten ain eß und auf die andern seiten ain ringlein
[›kreisförmiges Brandzeichen‹]
als ein püchs.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
scharphe dorne sú brachent, | Zesament sú die flachtent, | Ain ring
[›Dornenkrone‹]
fúr kúneges crone fin.
Morrall, Mandev. Reiseb.
123, 23
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Er [vogel] hett ain stern an die ougen gel und ainen rotten ring
(›ringförmige Färbung‹).
Jahr, a. a. O.
1406
;
Spanier, Murner. Narrenb.
67, 4
;
Vgl. ferner s. v. .
4.
›von außen begrenzter bzw. nach außen abgeschlossener (geschützter) Raum‹; auch: ›Kreis, Umkreis, Gebiet, Umgebung (e. P. / e. S.)‹; speziell mit zusätzlicher zeitlicher Dimension: ›Kreislauf, Umlauf‹; insbesondere in Texten religiösen Inhalts häufig ütr.: ›Einschluss, Einfassung einer als Gesamtheit gedachten Bezugsgröße‹; im Einzelnen s. die Übersetzungsvorschläge in den Belegen.
Phraseme:
zu ring (umher, hin um, um und um)
›ringsumher, rundherum, nach allen Seiten; ringförmig‹;
zu rings um
›ringsumher‹ (im Übergang zur Wbg.; s. ).
Bedeutungsverwandte:
 1, ,  4, ,
1
 125,  3, , ; vgl.
2
,  1, , ,  2,  23.
Wortbildungen:
ringwärts
›im Kreis, kreisförmig‹ (dazu bdv.: vgl. , ),
ringzaun
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz sî ir nî dikeine [vestin] | [...] | behîldin in der lande rinc
(›im ganzen Land‹).
Luther, WA (
1523
):
mitten dreyn macht er ein ring
[›Sphäre, Gewölbe‹;
Luther
1545, 1. Mose 1, 8:
feste
]
, den wir ein hymel heyssen.
Ebd. (
1524
/
7
):
Solches machet, das ich Gott fasse in ein Rinck
[›Einfassung‹]
und Circkel oder in ein Glas, darinnen ich in wil behalten.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ein meister sprichet: [...] allez daz got ist, daz ist ein wesen. Gott enbekennet niht dan aleine wesen, er enweiz niht dan wesen, wesen ist sîn rinc
(wohl: ›Gesamtheit‹).
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1515
):
Dair hant sy sich up beraeden [...] und eindrachtlich gesprochen, binnen dem rinkzoen, der umb dat dorp geit.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Alleine du des menschen ding | Verheles in dins herzen ring
(›im Inneren des Herzens‹).
Da van mac in des menschen ring
[›in der gesamten Menschheit‹]
| Nicht bestricken noch beslan, | So das er im [tuvel] sy undertan.
Gerhard, Hist. alde e
1564
(
omd.
,
um 1340
):
Do got wont ob alle ding | Boben al des himels ring
(›über dem Himmelsgewölbe‹).
Ebd.
5982
:
[Crist] einen jungeling | Irwelte van des todes ring
(›Bannkreis, Einflussbereich des Todes‹).
Jahr, H. v. Mügeln
6
(
omd.
, Hs.
1463
):
got erster urhap aller ding: | des himmels sterne, zirkel, ring
[›Sphären‹]
, | erd, engel, mer, nature.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2834
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
Isidorus spricht das: | her uber trete alle grune ding | di gegeben mag der werlde ring
(›das Erdenrund, die gesamte Welt‹).
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
stieß es [groß waßer] alle pruck und steg in der stat hin und daz slaghaus; es ging umb unser frawen kapeln zu ring hin umb.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Die dorn hecken, an den | Vill weiß und roter rosen sten | Und zu rings um den anger gen.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Im lufft ein grossen adalar, | Thet hoch ob irem hauffen schweben, | [...] | Umbflog iren hauffen ringwertz.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
got ist als ein cirkellicher ring
[›vollkommenes Gebilde‹]
, des ringes mitle punct allenthalb ist und sin umbswank niene.
Dar umbe usser dem grossen ringe
[›Wirkungskreis‹]
, der da betútet die ewigen gotheit, flússent us nah biltlicher glichnúst kleinú ringlú.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1526
):
das ob 21 personen uff der wallstat ze ring umbher tod bliben ligen.
Adomatis u. a., J. Murer. Nab.
690
(
Mühlh./E.
1556
):
Gang in der statt zring umb und umb | Ruͤff uß ein fast sag yederman | Daß [...].
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1397
):
Ouch stand unser [...] rechtung also, das nieman [...] in unser geselschaft gan, stan, loufen, noch riten sol in den invang des rings
[›Umkreises‹]
, da wir denn unser wonung und gesellschaft in hand.
Wiessner, Wittenw. Ring
8
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Ein puoch, daz ist „DER RING“
[dies zu
ring
,
der
, 2]
genant | (Mit einem edeln stain bechlait), | Wan es ze ring umb uns beschait | Der welte lauff.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1437
/
42
):
er ließ machen umb der stat ring
[›Gebiet‹]
| ein mur.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
so henkt man pretter an alle zinnen an der statmaur ze ring umb und umb und überall an der statmaur.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
48, 41
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
die andern zwelf / edelinge | in der werlde vier tailen gar ze ringe | verkünten sie den gemainen | drifeltigen und ainen.
Gereke, Seifrits Alex.
5049
(
oobd.
, Hs.
1466
):
das ist ein insel lankch und prait, | dar umb zu ring ain waser gat.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
6, 20
(
noobd.
,
1347
/
50
):
wolle wir sagen von den kraizzen und von den ringen
[›Umlauf, Kreislauf‹]
der planeten [...], und von der selben lauf.
Ebd.
19, 25
:
Der ringe
[›Himmelskreise; Laufkreise der Planeten‹]
oder der kraizze, darauz man dise gegenwertigen speram macht, sint etleich grozzer und etlich klainer, als uns ansihtig ist.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1310
/
2
):
suͤllen dann die vier pfleger [...] daz prot ze ring ainitzen beschawen und suͤllen daz puͦswirdig besunder auz schiessen.
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Rennefahrt, Recht Laupen ; ;
Vorarlb. Wb.
2, 734
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 120
.
5.
›Runde von Personen, (von Personen gebildeter) Kreis‹; speziell: ›Rundtanz‹; offen zu 6.
Phraseme:
zu ring
›im Kreis, im Bogen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4,  7,  1; vgl.  4,
1
 6.
Wortbildungen:
˹
ringeltanz
,
ringtanz
˺ ›ein kreisförmiger Tanz (Reigen)‹,
ringgesang
(dazu bdv.: ),
ringleute
›Zeugen eines Ehevertrags‹ (2. H. 14. Jh.; dazu bdv.: , s. v.  1).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1565
/
6
):
ihren einen haubtman [...] haben sie [knechte] mit gewalt [...] in den ringk gefüret und underwegen mit haken also zerstoßen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
247, 6272
(
Magdeb.
1608
):
Die Juͤngfrawen sungen den krantz / | Vnd hielten einen Ringel tantz.
Ebd.
438, 5509
:
Die Fuͤrsten / Grafen vnd Freyherren / | [...] | Beschlossen in dem See ein Ring | [...] | Darnach hielt der gemeine hauff / | Hinder jhnen an dem Vmblauff.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
in dem quinger stunden eyn wepener an dem andern zo ringe umme her.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
[ward] allen burgern [...] gesagt, [...] uff den markt in ring, der dann von rewtern und landsknechten gemacht was, zu komen.
der marggraf mitsampt Joachim marschalken, [...], auch fußknechten [...] zogen zu den herein geforderten pawrn, die daselbst versamelt warn, die alda auch in ain ring zu hawf oder zusamen gefordert wurden.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
so (sü) alsus worent ufgestanden zu ringe, [...], und vingent einen leis an zu singende.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1499
):
macht man ain gemaind zuͦ Furstenberg und ließ im ring ferruͦffen, das jederma gedechty, das er in der ordnug belib.
Ebd. (
1525
):
ging ainer in ring uß gehaiß, nam der von Triberg fenlin, macht ain knopff daran und stieß das issen in boden. Dem nach ferlass der schriber den artickelbrieff.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1507
):
Die jhenigen aber, so an reyen oder ringen, ouch in wirtshüseren oder sonst mit singen, gumpen und springen ergerlichen wandel fuͤrend, soͤllend für chorgricht beschickt [...] werden.
Wiessner, Wittenw. Ring
6287
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Hupfen, lupfen und ein zoppen | Hiet sich an dem ring derhaben.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sich in einen Ring stellen / Ein runde ordnung machen / das man allenthalbẽ haͤr dem feynd ins angesicht stande vnd empfahe.
Ringtanz (der) Jn waͤlschland bransle. Orbis saltatorius.
Glitsch u. a., Hofger. Rottw.
52, 15
(
schwäb.
,
um 1435
):
ains hiratz und ainer gemaͤhelschaft wegen, [...], da verhoͤret man die, die an dem ring
[hier: ›Kreis der Trauzeugen‹]
gestanden und mansnamen sind.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
):
hat alhie ain e. rat [...] verpieten lassen alle aubentdäntz, ring⸗ oder krentzelgesäng und aubentfeur.
Gereke, Seifrits Alex.
8846
(
oobd.
, Hs.
1466
):
die priester die des tempels phlagen, | zu ring umb die par lagen | und bewachten in die nacht.
Qu. Brassó
5, 571, 34
(
siebenb.
,
1616
):
wenn sie [Tauben] behangen blieben, so sein sie [Jungen] stracks hinzugelaufen, umb ein Ring gestanden und die Tauben freigemacht.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
6.
›kreisförmig abgegrenzter Gerichtsplatz‹; metonymisch: ›Gerichtsversammlung‹; als Spezialisierung anschließbar an 4.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
zu ding und ring
›vor Gericht‹.
Bedeutungsverwandte:
I, 4,
1
 3, ; vgl.  13,  5, , (
der
6.
Syntagmen:
einen r. machen, den r. schliessen, an x orten auftun
;
j. jn. ab dem r. nemen, etw. an den r. melden, eines redners an dem r. begeren, die schöffen
(Subj.)
im r. aufstehen, j. an / in dem r. stehen, bei / in dem r. reden, in dem r. sitzen, in den r. treten, jn. in den r. holen
;
der r. des gerichtes
;
der ganze / offene r
.;
die merere menge des ringes
;
ein fürsprecher aus dem r
.
Wortbildungen:
ringbuch
›Gerichtsbuch‹ (a. 1482; dazu bdv.: vgl. ),
ringman
›Repräsentant, Träger eines Amtes‹ (dazu bdv.:  1).

Belegblock:

Grimm, Weisth. (
els.
,
1532
/
44
):
vorträger [...], welcher solch gutt im dinckhoff jährlich als ein huober oder stulgenoss vertrette, und zu ding und ring gange.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1510
):
Daruff [...] gesprochen ward, das der ring an dryen orten uffgethan [...] werden solt.
Merz, Urk. Wildegg
85, 16
(
halem.
,
1524
):
Nach dem Urteil des Gerichts muß der Vogt sin vogtfrowen dristund vsser des gerichtz ring fuͤren vnd si zuͦ jedem mal insonders fragen [...], ob [...].
Enders, Eberlin (
Basel
,
1521
):
Wir houptleüt vnd ringk maͤnner des landts wolfaria thuͦnd kund [...].
Auer, Stadtr. München (
moobd.
,
um 1347
):
swer süst redet vor dem rechten in dem ring oder bey dem ring innerhalb der want, der geit dem richter vi pfenning.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
Wo [...] ainer der urtail nit wais ist, so mag er woll etlich ab dem ring nemen und der bezeugen und benemen, wohin er dingen wëll.
Leman, Kulm. Recht ;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Welti, Urk. Rheinfelden
878, 8
;
Rennefahrt, a. a. O. ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Mell, Steir. Weinbergr.
135, 6
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 734
.
Vgl. ferner s. v. .
7.
›abgesteckter Platz für den (ritterlichen) Zweikampf, für ein Turnier u. dgl.‹; ütr.: ›Ort der Bewährung‹; als Spezialisierung anschließbar an 4.
Älteres und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1,  2,
1
 3, , .
Syntagmen:
j. an einem r. mit schwertern schirmen, auf dem r. stechen / turnieren, in einem r. stehen, etw. mit kämpfen beherten, in den r. gehen / reiten / treten
;
der r. des geistlichen streites, der ritterlichen festigkeit
.

Belegblock:

Luther, WA (
1531
):
da wir nicht anders sind denn als der jnn einem ringe stehen muͤste, da alle schwert und spies auff jn zileten.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Dar umbe tuͦ hin dines herzen kleinheit und tritte zuͦ mir in den ring ritterlicher vestekeit, wan dem kneht gezimt nit wol zartheit.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
46, 1
(
moobd.
,
1473
/
8
):
In ainen ringk vil weytten | sy paid verwapent ritten.
Ebd.
56, 1
:
Dort sunder an aim ringe | sach er schirmen mit schwerten / zwen stoltze jüngelinge.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
der nicht gelaubt dise ding, | der tret zu mıͤr in einen ring, | dem wil ich machen champhes puͦs.
Koppitz, Trojanerkr. ;
Niewöhner, Teichner
377, 14
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v.  3,  5.
8.
›ringförmiger, ein Zentrum einschließender, nach außen abgegrenzter Bezirk, Platz mit unterschiedlicher Funktion‹; meist speziell: ›freier öffentlicher Platz, Marktplatz in der Mitte einer Stadt‹; als Spezialisierung anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte:
 1,
1
 3, ; vgl.  2,  1.
Wortbildungen:
˹
ringfreiheit
(a. 1606),
ringhaus
(a. 1481),
ringherre
(a. 1586)˺ in ungarischen Städten jeweils bezogen auf den Inhaber des Privilegs, am
ring
Wein zu verkaufen.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Desselben jars do ließ künig Laßla dem jungen Hunigenisch sein haubt auf eim stock ab hawen an offem ring zu Ofen in der stat.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
73, 10
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
mitten jn dem platz sol der furst ligenn; [...]. Jtem ann der nechsten zeil ann dem ring [...] solnn liegen die grauen, freyenn, ritter vnnd edelnn.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
ist doch im gʼmain brauch der Lateiner, haist ein ,ring‘, das ist ein plaz und markt, wie man in Poln und Saxen redt, da der gʼmain man an zam kompt, miteinander ir notdurft reden und handeln.
Schles. Wb.
2, 1123
.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
9.
Raummaß für Holz.

Belegblock:

Rwb. (a. 
1423
).