1
rieme,
der
;
–/-n
;
zu
mhd.
rieme
,
ahd.
riomo
›Band, Riemen, Gürtel‹
(
Kluge/S.
2011, 767
).
›schmaler Streifen aus Leder unterschiedlichster Funktion, überwiegend zur Befestigung, Fixierung von Gegenständen‹; im Einzelnen z. B.: ›Gurt‹; ›Gürtel‹; ›Schuhriemen, Schnürsenkel‹; ›Helmbefestigung‹; ›Schulterriemen‹ (als Tragehilfe für Taschen, Beutel, Waffen u. Ä.); ›Schnur am Geldsäckchen‹; ›Teil des Pferdegeschirrs (z. B.: Zügel, Halfter)‹; ›Türverschluss‹; ›Fessel‹; speziell: ›Band zur Fixierung von Fingern, die vom Henker abgeschlagen werden‹; ›Peitsche‹; als Mengenangabe: ›Streifen, Scheibe Fleisch‹; speziell bei peinlichen Strafen: ›Hautstreifen, der dem Delinquenten aus dem Körper geschnitten wird‹ (vgl. ); mit Bezug auf den Binderiemen für den einfachen Bauernschuh vereinzelt metonymisch für: ›Bauernaufstand, Meuterei, Empörung‹ (vgl.  12).
Phraseme:
riemen schneiden
›aus etw. einen Vorteil ziehen‹;
den riemen überkommen
›den Widerstand aufgeben‹;
es
(unpersönlich, Subj.)
jm. an die riemen gehen
›es jm. ans Leder gehen, für jn. gefährlich werden‹;
etw
. (Subj.)
die riemen gelten
›ernst werden‹;
jn. / sich in / zu riemen hauen / schneiden
›jn., sich auf grausame Weise töten‹;
dem säckel die riemen ziehen
›großzügig sein‹;
dem beutel den riemen strecken
›sparen‹;
der tasche alle riemen ziehen
›(jn.) gänzlich ausplündern‹.
Bedeutungsverwandte:
,  1, ,  12,  2,
1
 13, ,  2, .
Syntagmen:
den r. angürten / aufziehen / ausreissen / lösen / schaffen
›besorgen‹
/ schneiden
, [wo]
anmachen, an den daumen legen, aus dem leib / rücken schneiden, um etw. schlagen, die riemen an der butte suchen
;
j. schweinsdarm gefüge als die riemen schneiden
;
die riemen
(Subj.)
gleich lang sein, der pforte vorhängen, in die müle, zu dem radkasten gehören
;
die büchse an einen r. gebunden sein, jm. mit dem r. den stein um den hals gürten, den leib mit riemen schmieren
;
der r. des schuhes, der geisel
(vgl.
2
)
/ hose / pforte, des fleisches / schildes
;
der r. aus js. schuhen, um das schwert, zu dem gürtel, x riemen unter den armen, zu den statschlüsseln
;
x r. rindfleisch
;
der bunte / ganze / hirschene / lederne / rote / schmale / starke / ungarische r
.;
die armbrust ane riemen, das eisen an / mit den riemen, x schot für riemen, schuhe / bundschuhe mit riemen
.
Wortbildungen:
riemen
(Adj.) ›aus Riemen bestehend‹,
riemenmacher
›Riemenschneider‹ (a. 1488),
riemenwerk
›Treibriemen einer Mühle, die die Kraft vom Antrieb auf den Mühlstein übertragen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dô dî schar | was kumin an daz burgetor, | der pfortin rime hînc hin vor.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1400
):
8 scot vor rymen zu beslon zu den selbigen helm.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
61, 20
(
preuß.
,
1414
/
22
):
26 nuwe armborste ane stegereif, rymen und seuwlen.
Luther, WA (
1523
):
den ich mit meinem verstand die riemen der schuech auffzuloͤsen nicht vermoͤcht.
Ebd. (
1529
/
32
):
Nu sihet noch hoͤret der arm Apostata nicht vor untugendt, so es yme an die riemen gehet.
Struck, Joh. Pfannstiel
55, 44
(
mosfrk.
,
1526
):
88 rymen rintfleyß kleyn und groß.
Hajek, Guͦte spise
21
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Nim gesotene swins darme [...], dar nach snidez gefuͤge als die riemen.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
zwen schuch mit schmalen ryemen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Die gselln, die [...] | [...] jr Messer wetzen, | Damit sie zwifach Riemen schneiden.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. (
osächs.
,
1343
):
des ich niht wirdic bin, daz ich lôse den rîmen
[
Froschauer
1531 /
Luther
1545:
Schuchriemen
]
sînes geschuͦedis.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
152, 28
(
osächs.
,
1570
/
7
):
stricke, riemen und alle andere noturft, was zu dem radekasten und in die mühle gehöret, sollen die müller selbst zu schaffen [...] schüldig sein.
Ebd.
155, 31
:
das der müller den vierten pfennig an aller schmiedekost, beuteltuch, riemwerk [...] bezahle.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
schreiben die juden daz Got [...] trag ein büchsen an ein rymen gebunden.
Bell, G. Hager
508, 2, 6
(
nobd.
,
1607
):
[Die Münch] sprachen: das jst ein remlein [...] | Aus sanct Gut mans schuhen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
[der Heydnisch Richter] Ließ jhrn Jungfraͤwlichen Leib, | Gantz nackend [...] außfuͤhren, | Mit Rutten vnd Riemen schmieren.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
das ich nit nim von dem faden des webens vntz zuͦ dem reimen
[Var. 1475
2
–1518:
ryemen
;
Eck
1537:
riemen der stifel
;
Froschauer
1531 /
Luther
1545, 1. Mose 14, 23:
schuchrimen
]
der hosen von allen den dingen die dein sint.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Doch moͤchtst den riemen vberkumen, | Das würd dir ewig bringen frumen.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
204v, 24
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Nim ainen hirsinen riemen vnd bind in bi dem arm.
Ukena, Zuger Trag.
3138
(
halem.
,
1598
):
[Der Fähnrich:]
Mein fendlin gib ich nicht von mir, | [...] | Man thete mich ihn riemen schneyden.
Fuchs, Murner. Geuchmat
4116
(
Basel
1519
):
Den hußradt nemmens mit der eschen, | All riemen ziehend sy der deschen.
Sappler, H. Kaufringer
11, 462
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er graif an die hoden sein. | er wont, da hieng ain pütenlein; | das wolt er geoffnet han. | er suochet zwen riemen daran.
Rauwolf. Raiß
32, 17
([
Lauingen
]
1582
):
auch werden die schalen der früchten [...] genom̃en / vnd oben an jhre Neper gestecket / die sie darbey zuͦhalten pflegen / wann sie es mit dem riemen darumb geschlagen / ziehen.
Bastian, Runtingerb.
2, 420, 33
(
oobd.
,
1404
):
10 R. fur ain riem zu ainer gurdel meiner frawen.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Nu het der [...] graf Ekhart puntschuech an mit roten ryemen.
Gereke, Seifrits Alex.
2218
(
oobd.
, Hs.
1466
):
wann er mir wirt gesandt, | so han ich mir des gedacht | das ich im den rukchen sein | mit ainer gaisel riemein | ser lan behawen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
323
(
oobd.
,
1607
/
11
):
5 underschidlihe riemen, fueßbender oder gürtl wie sy die Indianer angürtten.
Ebd.
2313
:
Ein vergult wesen mit einem lidern riemen, wie mans pflegt anzugürtten und ein weegweiserinstrumentlin daran zu machen, damit einer wissen kan, wievil schritt [...] er gegangen.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
6, 26
;
ders., Gr. Ämterb.
134, 14
;
267, 20
;
Loesch, Kölner Zunfturk. ;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
160, 13
;
Lippert, UB Lübben
2, 121a, 19
;
Schmitt, Ordo rerum
209, 34
;
Weber, Füetrer. Poyt.
44, 4
;
Voc. Teut.-Lat.
aa viijv
;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 99
.