richtung,
die
;
-Ø/-en
.
1.
›Ausrichtung auf etw.; Vorgabe‹; ütr.: ›Orientierung an e. S.‹;
vgl. 2; 5.
Bedeutungsverwandte:
, 8; 10.

Belegblock:

Luther, WA (
1535
):
so nur die heuptmaur nach dem mas und bley zutrifft und jnn der richtung bleibt.
Eggers, Psalter
220, 14
(
thür.
,
1378
):
Al vmme in sint wolken vn̄ vinsternisse; recht vn̄ vrteil ist richtunge sines stules.
Gille u. a., M. Beheim
74, 36
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dy richtung ist umb chainen, | Nur darumb, das wir sillen | gen himel chomen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Richtung (die) Directio.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
68, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Aber die tugende, wan die craft unde die bewegung der andern glider unde die rihtunge in iren geteten, daz ist [...].
Ebd.
90, 27
:
Aber nu enhielte er [Christus] nihtes niht unordenlich in siner rihtung sines lebens.
Rot
305
(
Augsb.
1571
):
Direction, Ordnung / Richtung.
2.
›Gerichtsurteil, Gerichtsentscheidung‹; häufig speziell: ›Schiedsspruch‹ und daraus folgend: ›Beilegung, Schlichtung eines Streits‹ als Wiederherstellung der
richtigen
Ordnung; generalisierend: ›Urteil, Entscheidung‹; vereinzelt: ›Gerichtstag, Tag der Entscheidung‹; in den Belegen nicht immer klar abgrenzbar gegen 3 und 4, soweit sich aus einem Schiedsspruch eine rechtliche Verpflichtung oder Vereinbarung ergibt;
vgl. 12.
Bedeutungsverwandte:
2, (
der
) 11, ; vgl. 1, 8, 7, 4, I, 6, , 5, 5.
Syntagmen:
eine r. annemen / brechen / erlangen / finden / halten / machen / tun, an jm. tun
;
eine r
. (Subj.)
machtlos / volbracht sein
;
j. der r
. (Dat.obj.)
gehorsam sein
;
etw
. (Subj.)
ane alle r. sein, j. bei einer r. bleiben, nach einer r. die busse ausrichten, etw. über eine r. anden, sich um eine r. annemen, von einer r. wegen reden / teidigen, einen tag von einer r. wegen haben
;
die r. des krieges
(gen. objectivus),
die r. des rats
(gen. subjectivus);
die böse / endliche / freundliche / ganzliche / gnädige / stete r
.;
die bestätigung einer r
.

Belegblock:

Koller, Reichsreg. Albr. II.
185, 15
(
1438
/
9
):
wann vormals [...] keyser Sigmund [...] zu fruntlicher richtung ettwas zu Eger furgenomen hat.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat si hern Lodewich Jueden tuxnen ind castien woulden ind sulche richtunge an eme doin.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
hat Nickel die richtung, die der erbherre seins bruders kinderen an dem gut getan hat, in jare und tag widersprochen, so ist die richtung machtlos.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1483
):
dass wir zwischen dem [...] abte [...] unsers closters zu Camencz eines und den bergleuten und gewercken zum Reichinstein [...] des anderen teils von wegen der hütten [...] eine richtung [...] gemacht.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
umb gnad zu bitten, auch damit wir dester ain gnedigere richtung erlangen.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
do kam der herzoge von Oͤsterich gein Bergheim und besante hern Brunnen von Roppoltzstein und die stat von Strosburg für sich, und mahte eine rihtunge, das die von Strosburg wider heim zogetent.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1504
):
die puren [...] gabend den luten melchkuͦg fergebens bis uff ain richteng.
Boner, Urk. Aarau
265, 6
(
halem.
,
1405
):
Von der stoͤß wegen [...], vmb die selben stoͤß du vnd Uͤlrich Summer, vnser schultheis, ein richtung gemachet vnd einen spruch getan haͤnt.
Dierauer, Chron. Zürich
48, 3
(
halem.
,
1415
/
20
):
ê das si ir buͦß vollaistet hettent, die in gegeben was nach der richtung und ouch dem usspruch únsers gnaͤdigen herren kaisers.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1405
):
sy all fuͥnf von ainer rihtung wegen zwischent uns ze baider sitt gerett und getaͤdinget hand.
Niewöhner, Teichner
620, 29
(
moobd.
,
1469
):
hiet sich yempt des genumen an | umb ein richtung czwischen in paiden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
43, 27
(
mslow. inseldt.
,
1499
):
Jśt geśchen ein entliche vnnd gantzlich richtung [...] von wegen der Erblichen güetter.
3.
›rechtliche Übereinkunft unterschiedlicher Art (z. B. Erb- und Familienverträge, finanzielle Vereinbarungen u. Ä.)‹; speziell: ›Friedensvertrag, Friedensschluss‹; als Ergebnis solcher Übereinkünfte auch: ›Versöhnung, Ausgleich‹;
vgl. 9.
Omd. / obd.
Gegensätze:
1
1; 2, .
Syntagmen:
eine r. ausrufen / begeren / beschliessen / gebieten / gefestnen / halten / lesen / machen / schaffen / schöpfen / suchen / teidingen / treffen / verkünden / versichern
;
die r
. (Subj.)
machtlos sein, beschehen, zwischen jm. geschehen
;
der r
. (Gen.obj.)
begeren / empfinden
;
j. bei einer r. bleiben, etw. in (eine) gute r. einsetzen, etw
. (Subj.)
in einer r. stehen, j. sich um eine r. müen, von einer r. sagen hören, zu einer r. geneigt sein, kommen
;
die beständige / ewige / faule / freundliche / ganze / gute / gütliche / löbliche / schändliche / unerbare / vorgenante r
.;
die copie der r
.

Belegblock:

Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Also wart do eyne richtunge geteydinget.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
185, 31
(
thür.
,
1474
):
habin dy teter unde volgere darnach gebetin daz gerichte zcu vorgunnen, zcu vorsuchen, ap sy met den clegern zcu eyner guttlichin richtunge mochten komen.
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
3, 17
(
nböhm.
,
1546
):
einen vortragk vnde richtung tzwischen ihnen zu machen.
Ebd.
101, 9
(
1556
):
vnd haben aldo vor vns ein offentlich mittel, richtung vnd kauff vmb irens angeerbtte vetterlich vnnd mütterlich theil, [...] getroffen.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica (
schles. inseldt.
,
1461
):
wÿ das zÿ eyn bestendige richtunge gemacht habin czweschin Jockesch Wberman vnde zeynen stiffkyndern.
Pyritz, Minneburg
3068
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
So wollen wir danne besehen | Obe kein richtunge moge geschehen | Zwischen uch beyden.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1420
/
41
):
kaiser Sigmunt [...] undiet der Hußerey und setzet es alles wider ein in gutte richtung mit allen dingen.
Ebd. (
1452
):
ich suld [...] versuchen, ob ich durch mich selb icht erfaren mocht, ob dy von Nurberg und ander stet zu der richtung geneigt sind.
Ebd. (
15. Jh.
):
Und ist ein richtunge da selbst zwischen den von Leyningen troffen, das sie und etlich ir floße nimer wider die pfaltze tun sollent.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1411
):
Als graͧff Herman von Sultz die vorgenant richtung nit hilt, und in die von Basel darumbe angriffen.
Ebd. (
1513
):
seyten im mit kurtzen worten: das sy von keiner verein oder richtung nüt wolten hoͤren sagen.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
des bitt ich dich mit ganzem fliß: | mich zuͦ dir, lieb, also bind | das ich der richtung ganz enpfind.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1491
):
versprechen wissentlich hie mit, dis richtung [...] stete, vest und unverbrochenlich ze halten.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1499
):
Und ob das folck von dem Pund zuͦ samend kam, do begerten die Schwitzer ainer riechtung, und ward geriecht und ward ferbriefft und fersiglett.
Schib, Urk. Laufenb.
128, 6
(
halem.
,
1443
):
daß wir da befohlen haben [...] täding und richtung ze suchen.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1451
):
Klage der Saaner, daß die von Bern mit denen von Wallis
ein richtung und geding
gemacht hätten,
das sy die von Wallas solten sicher und fridlich halten ein genampt zit.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 384, 18
(
halem.
,
1489
):
Er hett ouch gesagt, das der engelisch künig ein vereinung und bericht mit einandern gemacht [...], und hette die richtung gehört zum ersten zu Urtrich in der kilchen ußruͤffen.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 302, 28
(
schwäb.
,
1451
):
dwyle dann in der richtunge (von Bamberg) nit stet, daz hertzog Albrecht von Osterrich den stetten vor uns (den pfälz. Räten) wider gerecht werden soll.
Ebd.
319, 6
(
1454
):
sie hetten zwar solche richtung gern eher verkündt, [...].
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
und ee die richtung gar gevestnet ward, do zoch hertzog Steffan der jung von Bairn uber den Wald und pranten da ainen tag.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
mann muet sich zw payden seyten vast umb frydt und richtung.
Die copey der richtung ist zu Metz [...] abcopirt worden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
42, 6
(
mslow. inseldt.
,
1497
):
Geśchehen iśt ein gäntzlich richtung vnnd willkore, Zwiśchen [...].
Dierauer, Chron. Zürich
52, 23
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 35, 10
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ; ;
Vorarlb. Wb.
2, 720
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 287
;
Schmid, R. Cysat
6, 73
.
4.
›Entschädigung, Wiedergutmachung, Genugtuung‹ (aufgrund eines Gerichtsurteils oder Schiedsspruches); speziell: ›Entschädigungszahlung‹;
vgl. 10.
Älteres Frnhd.; gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
7,
1
2, 2, 2; vgl. , 2, 1.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1397
):
sal darzo deme wederparte richtinge ind bescheit danaf doin, as dat die veir meistere zo rechte eme zowijsent.
Ebd. (
1400
/
45
):
wurde dan also einich doeche verloeren, dae en sall ein rait vuran, vort hallmeister, peichter, wirt, stricher of knechte geine richtonge af schuldich sin.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1368
):
Dise suͤne und rihtuͤnge beschach und wart dirre brief gegeben an dem nehsten dunrstag.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1340
):
Wir haben och me in der richtung und suͦn beredt, daz die vorgenanten burgere von Berne schaffen sunt hern Johans von Wissemburg.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1376
):
welh pene oder buͦzze sich denne der rat dar uͥber bedenkt, oder welh richtung, dez suͥllen si ze baider sit gevolgig und gehoͤrsam sin.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1381
):
der richtung was also: schad gen schad, tod gen dod und daz diu stat Venedig ewigen zins dienen sol dem küng von Ungern.
5.
›Entrichtung einer Abgabe; Begleichung einer Schuld‹; auch ›Lösegeldzahlung‹;
vgl. 11.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
(
die
) 2, 4, , ; vgl. 1, 3, 1.

Belegblock:

Schmidt, St. Kastorst.
2, 472, 41
(
mosfrk.
,
1465
):
so fugen wir uch zu wissen, das derselben canonich eyner, Johann Suyrborn genant, [...] eynen froneboden, doe er richtunge uff eyn huyß zu Covelentz nach wischen unser scheffene daselbs tun wolte, mit gewalt darvon gedrungen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
wie dicke die herren richtunge mit om nomen unde om gelt unde pherde gabin, sso bleip die sune cleyne weile.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
als vnder vnsern voͤgten uff dem land von stoͤßen vnd richtungen wegen digk vnd vil vrsetz werdent gemachet durch des willen, das soͤlich richtungen desterbas werden gehalten, [...], da haben wir geordnet vnd gesetzt, das von dishin alle vrsetzze [...] vnser gemeinen stat zuͦvallen.
UB Zug
555, 7, 3
(
halem.
,
1416
):
Was stoͤßen uffluffen in dem twing ze Húnenberg [...] und die selben stoͤß verricht wurdin [...], die selbe richtung sol ouch also beliben.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1485
):
Ain gemein regel und recht von allen richtungen der güt uf dem landi.
6.
›Hinrichtung, Exekution‹;
vgl. 13.
Bedeutungsverwandte:
vgl. I, 8, , 1.

Belegblock:

Lau, Qu. Neuß (
rib.
,
um 1480
):
Ind ist saiche, der angegriffen minsch [...] zom doede gericht wird, wat geldz ind gudz der burgermeister vurs. dan van im untfangen hait, sal man keren zor richtongen des missdedigen, den scharprichter ind des darzu gehoirt uiszorichten.
7.
›Rechtfertigung (durch Gott)‹;
vgl. 12.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. 2; 3.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat.
bb jv
(
Nürnb.
1482
):
Richtung rechtmachung. rectificatio.
8.
›Ebnung, Aufrichtung‹; ütr.: ›Besserung‹; anschließbar an 2;
vgl. 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , II, 2.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ein ieglich berg vnd búchel [wirt] gedemútigt. Vnd die krancken ding werdent in die richtung
[
Froschauer
1531 /
Eck
1537 /
Luther
1545, Lk. 3, 5:
was krum ist / sol richtig werden
]
vnd die scharpffen in die eben weg.
Brett-Evans, Bonaventuras Leg. S. Francisci
138, 8
(
önalem.
,
v. 1478
):
daz sine
[Franziskus]
hohe heilikeit [...] zuͦ richtunge der sitten der welt kunt was worden.