3
reuter,
der
;
wmd. und wobd. auch
1
ruter,
rüter,
der
;
-s/-Ø
;
etymologische Nähe zu
mlat.
rutarius, ruptarius
›Wegelagerer‹
(
Niermeyer
2002, 2, 1206
) und
frz.
routier
›Soldat, Söldner; Mitglied einer Bande berittener Straßenräuber‹
; dies zu
afrz.
rote
›Truppe; Heeresteil‹
(vgl.
Robert, Dictionnaire [...] de la langue française.
2000, 1983
sowie
1
rotte
); vgl. ferner
nd.
ruten
›plündern, rauben‹
().
1.
›Person, die sich ohne eine aus Stand und Herkunft abgeleitete Dienstverpflichtung (vgl. 4) von einer Obrigkeit gegen Sold, Provision für eine begrenzte Zeit zum Kriegsdienst oder als Wachschutz anwerben lässt‹; im Zuge der zunehmenden Ökonomisierung des Krieges in der Frühen Neuzeit sich ausbildender ›Kriegertyp, der durch besondere Mobilität sowie ein professionelles Verhältnis zur Gewalt (mit damit einhergehender Spezialisierung in Waffentechnik und Waffengebrauch) definiert ist, das keiner ethischen oder politischen Legitimation bedarf‹; geographische und soziale Herkunft spielen für den (für alle sozialen Stände bzw. Milieus einschließlich des niederen Adels zunehmend an Attraktivität gewinnenden) Soldkrieger ebenso wenig eine Rolle wie persönliche Beziehungen zum Kriegsherrn (Loyalität); im Einzelnen (mit unscharfen Übergängen): ›berittener Kriegsknecht‹; ›Söldner‹; ›Landsknecht‹; ›Mitglied einer städtischen, bürgerlichen Miliz‹; ›(Berufs)soldat‹; pluralisch auch: ›Kriegstrupp, Gefolge‹; um ihren Lebensunterhalt auch in Friedenszeiten zu sichern, schlossen sich Krieger dieses Typs zunehmend zu lose organisierten Trupps zusammen, die aufgrund ihrer auch gegen die Bevölkerung gerichteten Gewaltbereitschaft weniger als Angehörige des Militärs wie als ›Straßenräuber, Wegelagerer‹ wahrgenommen wurden.
Zur Sache:
Sikora, Söldner (2003
), 210-238;
Lex. d. Mal.
5, 1679
;
6, 626
;
7, 2030
f.
Gehäuft mittleres und späteres Frnhd.; oft Chroniken.
Gegensätze:
4.
Syntagmen:
den r. annemen / armieren / aufbringen / ausklauben / berichten / fangen / köpfen / lesen
›auswählen‹
/ verwunden, x reuter erschiessen, dem keiser x reuter leihen, j. x reuter am hof haben, auf die strasse bestellen, mit sich bringen, mit dem schif übersetzen, unter sich haben
;
j. den räuber r. nennen
;
der r
. (Subj.)
ausreiter werden, js. feind sein, arbeit / far / mühe auf sich laden, die reuter
(Subj.)
ausfallen / ausrennen / ringen / schiessen / schlagen / stechen / stossen, gesellen sein, ein- und ausziehen, schaden tun,
[wo]
lauern, etw. weren, jn. ansprechen / erstechen / fangen, jm. begegnen, die feinde jagen, in einem rit / ruk / zulauf treffen, sonderliche kleidung haben, wagen mit gütern aufhauen / davonfüren, sich im stegreif, mit (dem) reisdienen ernären
;
dem r
. (Dat.obj.)
x pfeile beigeben, den kopf abschlagen, das pferd wunden, den reutern befelen, urlaub, keine speise geben
;
j. jm. mit den reutern hilfe tun, sich um die reuter bewerben, die hure
(Subj.)
unter reuter schliefen
›schlüpfen‹;
die reuter des herzogs
;
die reuter zur landesdefension
;
der berümte / böse / eigene / gemeine / ritterliche / schwarze / unerkante / wolgewapnete r
.;
x haufen der reuter
;
der oberste über die reuter, die ratsgesandten mit iren reutern
.
Wortbildungen:
reuterisch
1 ›kriegerisch‹ (dazu bdv.: vgl. ); 2 negativ konnotiert: ›räuberisch‹ (dazu bdv.: vgl. 1, ).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
[etzliche ihrer Burger], welche zum theile von des Hertzogen reutern, die uff der straße gehalten, angesprochen mit befragung, wem sie angehörten.
Ebd. (
1550
/
1
):
Mitwochs nach Dato seindt der Magdenburger reutter etliche außgeranndt, der feinde wach von der Staingruben bis an die Neustat gejagt.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Reuter reisiger.
Luther, WA (
1524
):
On das er da durch zuverstehen gibt, das die reutter geringer reuber sind denn die kauffleut, Syntemal die kauffleut teglich die gantze wellt rauben, wo eyn reutter ym jar eyn mal odder zwey eynen odder zween beraubt.
Ebd. (
1530
):
Also thut jm auch Reuter, der gibt sich dahin jnn krieg, da so viel spiesse, helleparten und buchsen auff ihn gericht sind.
Ebd. (
1532
):
jugulantes homines die feinen Reuter und strauchdieb.
Ebd. (
1544
):
Jm Bapstumb war es ein seer gemein ding, das alte Reuter, Krieger, Juristen [...] wurden München oder Kleußner.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
346, 2707
(
Magdeb.
1608
):
Jch fiel ins Hauß / | Da frembde Gaͤste ziehen ein vnd auß / | Herrn vnd Frawen / Jungkherrn vnd Reuter
[im Kontext ist die Rede von einem
reuterlager
]
/ | Fuhrleut / Kaͤrner / Landsknecht / Freybeuter.
Ebd.
638, 4132
:
Jn einem ruck / ritt / vnd zulauff / | Traffen Schuͤtzn / vnd Reuter zuhauff / | Schossen / stiessen / stachn / schlugen / rungen.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1583
):
Von stunt (sin) sine herrn edelleut in die stat gerant mit veir benden ruter und 17 fendlin franzoser knecht.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
99
(
Köln
1476
):
Jch syen dye burgonsche ruter wall, | Sy dryngent an myt machten!
Chron. Köln (
Köln
1499
):
he [der vurß greve] hedde in sime lande gefangen ein rouver ind ein boesen ruiter ind ein landverderver.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
die rutter hayn ich gar lieb! | he sij reuber ader diep, | ire konde gestellen ader gemorden, | ßo hayn ich sie gerne in mynem orden!
Alberus (
Frankf.
1540
):
Magister stabuli. marstaller / stallmeister / der oͤberst über die reutter / hauptman / feldmarschalck.
Ulner (
Frankf.
1577
):
Kriegßvolck auffbringen. Reuter vnd Knecht annemen [...] ein Heer zusammen bringen.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
uff den fritagk dar noch bestalten dy hern zu missen fele rutere uff dy strosse, dy do werten, das [...].
Mylius (
Görlitz
1577
):
Equites Reuter / Reisigergezeug.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
den reutern gab man kain speise.
Ebd. (
15. Jh.
):
die von Nuͤrmberg lehen dem kaiser 300 man zu fussen und 20 reuter.
Ebd. (
1502
):
da beriht man einen reuter von Wirtzburk, ein rauber, den ließ bischof von Wirtzpurk hie köpfen.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
ich sach in eim tieffen thal | Volckes ein uber-grosse zal | [...] | Burger, handwercker und bawren, | Reutter und landsknecht sah ich lawren.
wenn ein hur | Ist in der schnurr lang umbgeloffen, | Unter mönnich und pfaffen gschloffen
[›hat sich unter ihnen aufgehalten, bewegt‹],
| Unter reutter und die landsknecht.
Schib, H. Stockar
110, 9
(
halem.
,
1520
/
9
):
als wier gegen der statt Herenber(g) zugend [...], da hattend wier nit witt von uns 5 huffen rüder vor uns [...], und warend der rasigen by 13 hundert wider uns.
Ebd.
150, 30
:
und mustend ettlichen mir heren buren der rütter erweren, sy hettentz sy sust ouch gefang und erstochen.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wie vast si, von ruͤtern umgeben und ingeton, mit emsigem gschuͤz und mit spizigen fuchschwaͤnzen wurden genoͤt, so wartend si sich doch mit spiessen, buͤchsen und steinen so riterlich, dass die riterlichen ruͤter [...] si ussliessen und mit spot und verlust abzugend.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1581
):
der durchreisenden personen [...] gar niemandts zolfry halten söllind, dann unsere rhatsgesandten mit iren rütteren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1475
):
eemalen aber dise reyterische metzger auff den raub außritten.
Ebd. (zu
1561
):
adj. 12. maii seind bei Memingen von etlichen reutern zwen wägen mit guetern, darein vil gelt eingeschlagen gewesen, [...] darvon gefuert worden.
und haben sich die von Nürnberg umb vil landtsknecht und hagkenschützen, hergegen der bischof von Wirtzburg umb vil reuter beworben.
Ebd. Anm. 3 (o. J.):
Dieser ertzhertzog Philipp hatte 400 burgundische reutter mit sich hieher gebracht, welche ain sondere kleydung gehabt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Wie sie aber durch den waldt [...] gangen, sein zwen schwarz reuter ir begegnet.
Es hett der kaiser ain Ilsing bei sich zu hof, war ain fürnem, reuterisch man und hoch bei allen adelsstenden angesehen.
Rauwolf. Raiß
40, 12
([
Lauingen
]
1582
):
Statthalter / deren einer etlich hundert Reüter vnder sich hat.
Memminger Chron. Chr. (
Ulm
1660
):
An vnser Frawen Tag / schickte man von hier / 18. zu Fuß mit Buͤchsen / vnd Armbrost vnd 20. Reutter / eitel Soͤldner.
Chron. baier. Städte.
231, 31
(
moobd.
,
1552
):
Dise reutter thetten khein sondrn schaden, waren nach glegenhayt züchtig.
Schottenloher, Flugschrr.
54, 13
(
Landshut
1523
):
derselbig tregt dy person der armen hȧylosen verdorben Reüter, dy sich allain im Stegraif [...] und mit Raißdienen erneren.
Ebd.
101, 7
(
Bamb.
1523
):
die rauber, so man hoflich reütter nennet.
Peil, a. a. O.
525, 578
;
657, 4730
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
179, 5
;
Kurz, Murner. Luth. Narr ;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 9, 29
;
Barack, a. a. O. ; ;
Vorarlb. Wb.
2, 705
.
‒
Vgl. ferner s. v. 8, 3, 3,
1
1, 1.
2.
zur Determination substantivischer Grundwörter: ›Soldaten-, Militär-‹.
Mittleres und späteres Frnhd.
Wortbildungen:
˹
reuterbestallung
(a. 1567),
reutergeld
(a. 1487)˺ ›Entlohnung, Ausrüstung von Soldaten‹,
reuterdienst
,
reuterleben
,
reuterliedlein
,
reuterrecht
›Militärgesetzgebung‹ (a. 1472),
reutersknabe
,
reutersmäre
,
reutersmesse
,
reuterspiel
›kriegerische Auseinandersetzung‹,
reutervater
›j., der ein Söldnerheer mit Verantwortungsgefühl für seine Soldaten führt und unterhält‹; vgl. ff. mit weiteren Belegen.

Belegblock:

Zu
reuterdienst
:

Luther, WA (
1540
):
Ein Reuter thut einem mordbrenner grossen Reuterdienst, das er jm hilffet auff der strassen rauben.

Zu
reuterleben
:

Schottenloher, Flugschrr.
52, 8
(
Landshut
1523
):
Sein nam ist Schnaphan, [...] | Fuͤrt eyn armes reüter leben.

Zu
reuterliedlein
:

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
andre [melodeyen] aber klingen all zu frisch vnnd etwas liederlich, den weltlichen Reuter: Oder bulenliedlein nit fast vngleich.

Zu
reutersknabe
:

Sachs (
Nürnb.
1557
):
Zu feld ich ein heerleger fand, | Da sich fußknecht unnd reutters-knaben | Hetten verschantzet.

Zu
reutersmäre
:

Sachs (
Nürnb.
1562
):
dapffer gute reuttersmär
(hier im Sinne von: ›haarsträubende Räuberpistolen‹).

Zu
reutermesse
:

Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1563
):
saget darumb zuͦ seinem capellan, er solt ein reuter oder jägermeß lesen, das ist es kurtz und guͤt machen.

Zu
reuterspiel
:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1542
):
Ir gesellen, dort ziehen vil reuter im grunt. | Gehören sie nicht zu unserm frides bunt, | So werden sie uns weidelich sprechen an | Und ein reuterspil mit uns wollen han.
Schottenloher, Flugschrr.
87, 14
(
Würzb.
1523
):
So hast du
[Franz von Sickingen]
darzu dinstgelt vil, | Gib urlaub nu dem rewter spil! | Dann obß dir schon byßhere hat gluckt, | Offt uber nacht sichs anders schickt.

Zu
reutervater
:

Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
Hertzog Otto war ein rewͦtervatter. der fürst half margkgraf Albrecht von Brandenburg [...] einen herten krig treiben wider die von Nürmberg und ander reichstet.