reizung,
die
.
1.
›Anregung, Antrieb (nach etw. zu streben, eine Handlung auszuführen usw.)‹; speziell: ›Ansporn, Anreiz‹;
zu (V.) 1.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ; vgl.  3,  9.
Syntagmen:
j. r. haben
;
etw. als r. vor sich haben, der sele etw. als r. zueignen
;
die r
. (Subj.)
an dem evangelio sein
;
etw
. (Subj.)
eine r. sein
;
aus r. von etw. fallen
;
die r. seiner selbst
;
die r. zu dem glauben / guten, zu den tugenden
;
um der r. willen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Das erst stuck ist nichts anders geweszen denn eyn ermanung und reytzung zu dem glauben.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
dye historien synt gelych als luchtende fackelen vnd reytzung off stu̇ppung zu den doegenden
(›Tugenden‹).
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1294
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
si [deu heiligen] scholten schreiben, | daz uns deu selben mere | ain raizunge wern.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Man allß [was an trifft vernunffte] der sel zu eyget | Allß reyczung zu dem guten.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dis sol úns ain lere und ain raitzung sin daz och wir gerne und flisseklich sont betten.
Strauch, Par. anime int.
132, 22
;
Vgl. ferner s. v.  2.
2.
›vom Teufel, von der Konstitution des Menschen, auch vom
freien willen
ausgehende sündhafte Verführung, Verlockung‹;
zu (V.) 2.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 12,
1
 3, ; vgl.  1.
Syntagmen:
die r. fliehen / fülen
;
die r
. (Subj.)
beschehen, jn. in die armut treiben
;
j. der r. folgen / wiederstehen
;
aus der r. eine sünde werden
;
jm. mit der r. schaden
;
die r. des fleisches / teufels, der sünden
;
die anfechtige / fleischliche r
.;
die r. durch den müssiggang, in der armut, zu unglauben / untugend
.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
wo er solcher reitzung seines fleisches folget, so ist er schon wider durch jrthum in verdamnis gefuͤret des alten Menschen.
wenn du deinen gedancken und des Teuffels reitzungen, welche dir alle ander schoͤner und lieblicher machen denn deine, folgest, so hastu dir schon solchen schatz [...] verderbet.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5403
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wan der tuvel godes meiden unnd knechten | nicht kan geschaden mit ane fechten | der unkuscheid unnd liblicher wollust | unnd mit ander reissunge alsust | [...] | so muss her ein ander wise vinden.
Franck, Klagbr.
228, 25
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
O wie ein vnzalberen hauffen treibt dise schlipfferig wollust vnd raitzung (durch den muͤssiggang) in die hoͤchst armuͦt.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
207, 38
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Dye sechst hilff ist, das man fliech dye vrsach vnd rayczung der sünden vnd ir gegenwürff.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Wann fleischliche raytzung bedachtlich beschiecht, alszdenn wirt daraus ain laesliche sünd, beschiecht sy aber williklich, alszdenn wirt daraus ain todsünd von wegen des freyen willenns.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›Provokation, Verärgerung; Aufwieglung‹;
zu (V.) 3.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2.

Belegblock:

Luther, WA (
1536
):
faret nicht so jech zu, ob man euch schaden oder schande anlegt [...], das jr euch bald entruͤsten lasset [...], Sondern sehet zu, das jr die reitzung uberwindet und nicht bewilliget.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
fingen an, daß die hantwerk aigen trinkstuben, tentz und zusamenberueffung wolten haben, wann sie merkten, daß solichs Ludwicus [...] dem volk zu gefallen und zu raitzung wider die gewaltigen [...] het laßen beschehen.
Voc. Teut.-Lat.
aa iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Raytzung zu zorn. taminatio. [...]. Raytzung. [...] betrubung oder belaydigung.