reissend,
part. Adj.
1.
›bissig, wild, angriffslustig, raubgierig, wütend‹ (von Tieren, überwiegend vom
wolf
gesagt); auch ütr., dann z. B.: ›ungestüm, reißend‹ (von einem Wasser); zu (V.) 1.
Bedeutungsverwandte:
1, , , ; vgl. 2, 3.

Belegblock:

Luther, WA (
1537
):
der Teuffel schickt Reissende wolffe in Schaffskleidern.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 22, 14
(
Wittenb.
1545
):
Jren Rachen sperren sie auff wider mich / Wie ein brüllender vnd reissender
[
Mentel
1466:
zuckend
]
Lewe.
Böhme, Morg.R.
153, 19
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
das suͤsse quellwasser ward gar dicke und stinckicht / und die bittere qualitaͤt ward gar wuͤtende / reissende und tobende.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
so
[wenn er sich wütend von Gott abwendet]
ist der mensche nút ein mensche, er ist alse ein zornig hunt oder ein reissender wolf.
Jörg, Salat. Reformationschr.
77, 28
(
halem.
,
1534
/
5
):
[Martin Luther]
namm erstlich zuͦ handen ein schafcleidung über sin ryssenden wolff / tratt har jn siner schwartzen augustiner kutten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
O du getrewer ainfältiger künig! Wie bevilchst du dem reissenden schalckhaftigen wolf [der ungetrew wicht] dein allerliebstes unschuldiges lämlein
(d. i. seine Tochter).
Peil, Rollenhagen. Froschm.
21, 7
.
Vgl. ferner s. v. 2.
2.
›starke stechende, krampfartige Schmerzen verursachend‹; subst.: ›stechender, krampfartiger Schmerz‹; zu (V.) 1.
Phraseme:
reissender stein
›Harnstein, Blasenstein, der Schmerzen bereitet‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 4, 2, (V.) 8.

Belegblock:

Keil, Peter v. Ulm
240
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Für den reißenden stein vnd für die harn-winden.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Zu dem
[gesundheitlichen Problemen]
kame der reisent stain user der lenden und blater darzu.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
75, 26
(
oobd.
,
15. Jh.
):
Wegreich chravt wasser Ist guet für das reyssund in dem pauch.
Ebd.
77, 3
.