reisen,
V., unr. abl.;
Präteritalformen teils noch mit grammatischem Wechsel; 1.
›von oben nach unten fallen‹; im Einzelnen z. B.: ›ausfallen‹ (z. B. von Haaren); ›rieseln‹ (z. B. von Sand); ›nach unten tropfen, regnen‹ (z. B. von Wasser, Regen, Tränen); dies speziell subst. auch: ›Starkregen‹; ›bröckeln, nachgeben, einstürzen‹ (z. B. von Gemäuer); ›(tot) niederfallen‹ (von Personen); ütr.: ›vergehen, ablaufen‹ (von Zeiteinheiten); ›über jn. hereinbrechen‹.Gehäuft obd.
Phraseme
(die) reisende ur
›Sanduhr‹; etw. reisen lassen
›etw. fahren lassen, aufgeben‹; ein reisendes säckel haben
›großzügig sein‹.Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B. der regen / sand / stein
›Harnstein‹, das gemäuer / laub / obst, himmel und erde, die menge der blätter, eicheln / früchte
) r
. (absolut); der bart
(Subj.) jm. r
., etw
. (Subj.) [woher, wohin] (z. B. der same auf das tuch, die sünde, das korn auf jn., der regen des blutes aus den wunden, der blutige schweis bis an das erdreich, die federn in das nest, die ringe
[einer Rüstung] in dem plan, die späne jm. in die augen, der tau über die blumen, das har vom haupt, die brosamen von den tischen, die trauben von unzeitigem regen
) r
., die heiden
(Subj.) vor dem man r
., die königin
(Subj.) die gnade auf jn. r. lassen
; subst.: das süsse reisen
.Wortbildungen:
Belegblock:
wenn sich ein gewissen auff seine werck sol setzen und bawen, so sitzt es auff einem losen sande, der reitet und rieset jmer fort.
Schon von Bäumen kompt gerisen | Starcke meng der Bletter fahl.
Die heiden sach man risen vor dem künen man. | daz schuf daz edel isin.
so hebet sich sußes rießen | und ain wainnen minnenklich, | in dez heiligen waßer sich | deu haiß peger erkulet.
In dem plutiger sweiß vil schir | Von ym pis in das ertrich rir.
Ein reysend ur von glas muß sein, | Dar in manig sant kornelein, | Die mit der stund hin reysen.
So [...] wirdt der sam herausser vallen vnd reysen auff das tuch.
das kein man nie gedocht, mit hagelsteinen und regen, das das rissen und hagel so tieff fiel als einer starken spanne dige.
daz enwas nút wesenliche Got, sunder ir gefuͤlen das waz ein krang fundamente und ein risende sant.
und was der swere groß huffe kornes allzuͦmole uff si gerisen, in dem si allein on alle ander not billich erstickt [...] sin solten.
die sezt er [der himel] leichter dan das blatt am felberbaum und leichter dan die reiser am lerchenbaum, die für und für reislen und abfallen.
und wollen, das nun hinfüro die urtailer alwegen zu gericht, ee dann die aufgesetzten reissent stund ausgeloffen ist, perschonlich erscheinen.
ist auch, daz ain man beraubet wirt seiner gezeuglein, sô reiset im der part.
die storch [...] lâzent ir aigen federn reisen in ir nest, wenne si prüetent, dar umb, daz diu kindel sanft sitzen.
O künigin, dein gnad auf mich lass reysen, | an deinem hoff mich ewigklichen speyse!
Ein reis oder sanduhr, mit gar vil zierd von ebano und helffenbain.
und hat auch so chlugen list | daz er wol ein menschen weisot | daz chain sund auf in nicht reyset.
Der regen ist dem duͤrren erdreich nucz, zimleich vnd geneͣm, der in taubweis chluͤgleich reiset vnd velt.
Das sy auch die hindl speysen | Von den prossen, die da reisen | Von den tischen yerer herren.
Quint, Md. Karl u. Eleg.
1758
; Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 25
; Thiele, Minner. II,
14, 95
; Ott-Voigtländer, Rezeptar
204r, 1
; Voc. Teut.-Lat.
bb jv
; 2.
›aufsteigen, sich erheben, entstehen‹; ›mächtiger werden‹ (z. B. von den Russen
gesagt); in 1 Beleg trans., wohl: ›einen Wasserlauf stauen, um den Wasserstand anzuheben‹; ütr.: ›offenbar werden, sich zeigen‹.Älteres Frnhd.
Wortbildungen:
Belegblock:
alse de Russen hebben riisen dem gemenen kopmanne tu groten vorderfliken schaden.
und wurde unsir herre irfaren, das das korn reisinge wurde nemen und uffslaen, her hette seyne stete bey der handt.
So man bedacht groyssz vngemach, | Dat dar vyssz soulde rysen.
Den fursichtign | hast [Jesus] es [dein taugenhaitt] verswign | und nicht lon reisen.
Demnach sol niemant dem bachmeister sine kärst nemen und den bach darmit anderßwo reysen oder abschlachen.
Ich haun die hochvart recht bedaucht, | daz sy ist ain suͦnder baucht | da nit guͦtz riset von.
also han ich dich beweiset | daz der schad von sunden reyset.
das ist allen fuͤrsten ain wisen | das sy ir uͤbel liesen risen | gen den jenen die guͤttig waren.