2
reisen
I
V.;
zu
mhd.
reisen
›reisen, ins Feld ziehen; plündern‹
().
1.
›in kriegerischer Absicht (mit einem Heer, Gefolge) ausziehen, ausrücken‹; ›sich zur Austragung eines bewaffneten Konflikts (z. B. einer Fehde) wohin begeben‹; ›auf einen Kriegszug gehen‹ (aus der Perspektive des Anführers einer bewaffneten Truppe unterschiedlicher Größe, eines [adligen] Heerführers oder einer Befehlsgewalt besitzenden Institution gesagt); häufig mit präpositionalem Anschluss mit
an, auf, gegen
: ›gegen jn. zu Feld ziehen, Krieg führen, jn. angreifen‹;
vgl.
2
1.
Syntagmen:
j
. (z. B.
Alexander, Stefan Weyda, der burggraf / könig, die stat Nürnberg
)
r
. (absolut);
j. an die feinde, ane wissen und rat der gemeine, auf die von Rotenburg, gegen den könig, in die Türkei, mit dem her, mit dem / seinem kriegsvolk / zug, mit grosser herschaft, von sich selbst wegen, wieder den Tassilo, zur schirmung des vaterlands r
.;
jm. reisen helfen
; subst.:
reisen
(Subj.)
ein müsamer gebrauch, eine grosse irrung sein
;
die zeit des reisens
›Kriegszeit‹.
Wortbildungen:
˹
2
reisung
1,
2
reiswerk
˺ ›kriegerische Unternehmung‹ (dazu bdv.: vgl.
2
1,
2
1).

Belegblock:

Gerhard, Hist. alde e
3760
(
omd.
,
um 1340
):
[Der kung] Ein groz her zusamne brachte | Und mit dem reisen gedachte | Durch Judeam mit heldes hant | Ken dem kunge van Syrenlant.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1420
/
41
):
da raiset der purggraff mit vil großer herschaft [...] auf dy von Rotenburg.
Ebd. (
15. Jh.
):
1444 jar da raiset die stat Nuͤrmberg fur Liechtenburg bei dem Hoff.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
114, 1
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wo du reyst mit eim zeuck, er sey klein oder groß, so los dich nit beduncken, das man dich so vbel forcht [...], das dier nimandt nicht thon doͤrff.
Bell, G. Hager
436, 1, 1
(
nobd.
,
1595
):
Als alexander reisen det | in jndia das lande | [...] | [...] | mit seim kriegs volck zu hande.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Der kayser sprach zu ir: O fraw, | Du sichst, das ich wegfertig bin, | Zu raysen an die feinde hin.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1438
):
Wurd es sich in dheinem zit allso machen, das iro richter von sich selbs wegen reisen wurd und hilff bedoͤrffte, denne sol imm das hantwerck ze hilff kommen, ze roß und ze fuͦß, dry vierzechen tag helffen reyßen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1559
):
und habent si von Roschach gwalt, in zit des reisens irem gnädigen herren stür anzuͦlegen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
so ist sonst auch alhie in diser statt mit ausziehung der krieg und raisen ain ser große irrung und miesamer geprauch gewesen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der maister und der orden | [...] | Danchten dem von Osterreich, | Daz er so rechte zuchtichleich | Geraist het mit irm her.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Wider den Tassilonem rayset Gripho, Pipini pruder, in Bayrenlant.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
pald darnach ist der Steffan weyda aus der Waldaw uber die Tonnaw inn die Turckhey gerayst und hat den Turckhen grossen schaden tan.
von erst gibt der kunig von Franckreich dem kunig von Engllandt fur sein raysung hunderttawsent gulden kron.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1403
):
das mon nicht raysen sol von der stat gemainlichen ân der gemain wissen und rat.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
Der pfalzgraf Ruprecht Adolf raist auf den herzogen von Sachsen und zoch im in sein land.
2.
›als Teil eines Gefolges, einer Armee in den Krieg ziehen, Heeresfolge leisten‹ (aus der Perspektive der Untergebenen, der kämpfenden Krieger gesagt); ›über einen begrenzten Zeitraum (als Söldner) in einer Armee dienen‹; ›auf js. Befehl kämpfen‹; auch: ›marschieren, sich im Tross voranbewegen‹; aus der Perspektive einer in einem Abhängigkeitsverhältnis stehenden rechtlich definierten Verwaltungseinheit oder Körperschaft auch: ›eine militärische Unternehmung finanziell, materiell und / oder personell, z. B. durch Stellung von Truppenkontingenten, unterstützen (im Sinne einer rechtlichen Verpflichtung)‹; häufig in Verbindungen mit Hilfsverben (
sollen, müssen
), die das im Lemmawort ausgedrückte Handeln als notwendig, zwangsläufig oder auch unfreiwillig konturieren; trans.: ›jn. zum Militärdienst einziehen‹; häufig subst. (im Einzelnen schwer abgrenzbar gegen flektierte Formen von
2
reise
3): ›Heeresfolge, Kriegsdienst‹; komplementär: ›Verfahren der Rekrutierung‹: vgl.
2
2; 3.
Bedeutungsverwandte:
10, , 1, 1, 3; vgl. 4, 3.
Syntagmen:
j. r
. (absolut);
jn. r
.;
j
. [wie] (z. B.
hart / ritterlich / streng, als hofman / untertan, weltlicher untersasse, eingesessener bürger
)
r
.,
j. auf eigenen sold, im gebirge, x jare lang, mit / nach jm., unter js. banner, von landes not wegen r
.;
j. zu r. gebunden / schuldig sein, gemant / genötigt werden
; subst.:
j. des reisens erlassen sein, jn. des reisens frei lassen
;
dem reich mit reisen dienst tun
.
Wortbildungen:
reisbar
1 ›zum Kriegsdienst verpflichtet‹ (dazu bdv. bzw. Orientierungsfeld: , , Adj., ); 2 ›wehrfähig, im wehrfähigen Alter‹ (dazu bdv.: vgl.
3
).

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
las deinen Welltlichen oͤberherrn kriegen. Unter desselbigen panier und namen soltu reisen als ein weltlicher untersass nach dem leibe.
Ebd.
182, 23
:
Sperrstu dich aber und wilt nicht geben noch reisen, Wolan, so wird dichs der Tuͤrcke wol lernen, Wenn er yns land koͤmpt.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Kor. 9, 7
(
Wittenb.
1545
):
WElcher reiset
[
Mentel
1466:
ritterschafte
; Var. 1475
2
–1518:
treybet ritterschafft
]
jemals auff seinen eigen Sold?
Kollnig, Weist. Schriesh.
131, 15
(
rhfrk.
,
1525
):
Zum ersten seind wir, ein arme gemeind zu Hemspach, nit pflichtig, unserm gnedigen herrn pfalzgraven zu reisen, zu fronen, noch einichs zu tun schuldig onhe wissen und willen unsers gnedigen herrn zu Wormbs.
Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1556
):
zu raisen seind die inwoner zu Mospron junker Hansen vom Hirschorn schuldig, ausgenomen was sie der zent halben pflichtig.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
112, 22
(
nobd.
,
15. Jh.
):
ob es sich begebe, daz man in dem ampt zu Lantzperg angreift, [...], so sal ein ieglicher, der burger oder an daz gericht geschworen hat, nachzihen und reisen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
waz aber nicht verbrant was, daz het im gehuldet und musten mit im raisen.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
71, 27
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die dreyhundert wegenn sol man streckenn jn das veldt, die sechs zeil hin vber das veldt, als man reissenn wil.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
Auch bitt ain gemaind, man wöll pfaffen, munchen, nonnen darzuhalten, das sie raisen, wachen und stewrn, wie ain gemainer burger.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
er hört lieber ein kandel schmatzen, | Denn fewerschlagendt büchssen spratzen, | Frewt in baß, denn raysen und streitten.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1445
):
wer zuͦ ros oder zuͦ fuͦs was im feld gewesen, den wart bútung. dovon reistent die zúnft und oͧch ander; den uns wart ob 60 guldin ec.
Ebd. (
1525
):
Ouch ob es sach wurde sein, das mann solt reisen, soll mann den uberigen theil [von den zehenden] an die reysz geben, damit dem armen nit ein schatzung uffgeleit werde.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1527
):
wan ainer erwelt ward, er wer rich oder arm, so muͦst (er) mit in raysen, es were im lieb oder laid.
Argovia (
halem.
,
1421
):
vnd sollent im ouch die êgenannten lütte dienen jecklicher mit einem sper oder alz er gewonlich mag reisen in dem lande.
Schib, Urk. Laufenb.
223, 9
(
halem.
,
1537
):
so wir von unser gnedgen herschafft von Osterrich zue schirmung des vatterlands zue reisen gemant werden.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1539
):
wann wir mit unserm venly [...] vier reyßbar man dargeben und schicken sollind.
Maaler (
Zürich
1561
):
Reißbar / Zeytig vnd alt gnuͦg in krieg.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1363
):
von manickvaltigen diensten die wir dem hailigen römischen reich und dem fride mit raisen, mit botscheften und mit andern sachen [...] getan haben.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 350, 13
(
schwäb.
,
1580
):
das ir dem edlen und gestrengen herren [...] wellend gerichtbar, bottbar, rayßbar und gehorsam sein.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Sich wolt der helt nicht sparn | Und rait gen Preuzzen auf der vart, | Da ritterleich geraiset wart.
Gereke, Seifrits Alex.
7751
(
oobd.
, Hs.
1466
):
wann sy ganczer suben jar | geraiset hetten und gestritten | und nott und aribait gelitten.
Niewöhner, Teichner
417, 45
(
moobd.
,
1360
/
70
):
weil er
[der Kaiser]
waz in armuͦt, | do wolt nieman nach im raisen.
Qu. Brassó
5, 439, 21
(
siebenb.
,
n. 1646
):
Man hat von Haus zu Haus mussen Brod aufheben und Proviant hinausschicken, denn sie woren im Gebirg streng gereist und ausgehungert.
Anderson u. a., Flugschrr.
21, 6, 4
;
Enders, Eberlin ;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern ;
ders., Recht Laupen ;
Winter, Nöst. Weist. ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Rwb ff.;
Vgl. ferner s. v. 2.
3.
›sich (während eines Feldzuges) auf Kosten der ansässigen Bevölkerung versorgen‹; in der Regel durch den (kriegerischen) Anlass oder durch explizite Anweisung der Obrigkeit legitimiert oder zumindest geduldet; negativ bewertet aus Sicht von Sprechern, die materiellen oder körperlichen Schaden dabei erleiden: ›jn., einen Ort Beute machend, brandschatzend überfallen, ausplündern‹; ›marodierend über Land ziehen‹; dies als typisch geltendes Verhalten umherziehender Söldnertrupps, die auf diese Weise in Friedenszeiten für ihren Unterhalt sorgen; bildlich und ütr.: ›über jn. herfallen‹;
vgl.
2
1.
Obd.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
445, 73
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sa raisen sy nur vor der tür | auff arm leut, die sie neren, | und helffen den paswichten für, | den sie dann salten weren.
Dierauer, Chron. Zürich
91, 13
(
halem.
,
1415
/
20
):
do erfand sich, das [...] sin [herzog Lúpoltz] ritter und sin knecht und sin diener [...] in den ziten uf úns geraiset hatten.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wo, und als dik wir firbasshin zugen, iemand zuͦ bekriegen, oder zuͦ reisen kommen, was dan guͦts, gelts oder brandschaͤtz [...] von uns erobret wurden, dass [...].
Leisi, Thurg. UB
8, 444, 28
(
Bischofszell
1399
):
Und sol inen daran nútz schad sin hagel, wind, regen, krieg, raysen, ungewaͤhst noch dehainerlay ander lantprest, der ufstan moͤht.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe N. Manuel
402, 331
(
Zürich
1523
/
6
):
Wo ʼs gelt so vil bim man vermag, | Dasss er mit roub, brand und todschlag, | Darzuͦ mit sinem reisen | Macht vil armer witwen und weisen.
Ukena, St. Jörg
1464
(
oschwäb.
/
tir.
,
1486
/
n. 1520
):
[Ich will] schirmen wittwen vnde waissen | Verbietten rauben prennen vnd raisen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ist daz den peinen honigs geprist in irm vaz, sô raisent si mit grôzer ungestüemikait auf die næhsten und die selben stellent sich zuo wer und streitent mit enander.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das das volg an den ennden, da sy lagen, den kunigischen das raisen wertten.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Leisi, Thurg. UB
7, 143, 21
.
4.
›(reisend) einen langen Weg zurücklegen, eine größere Distanz überwinden‹; ›auf der Reise sein‹; häufig mit präpositionalem Anschluss: ›sich wohin (z. B. zu einem bestimmten Ort, Ziel, zu einer Institution, Person oder Personengruppe) begeben‹; ›wohin fahren, gehen, reisen‹; ›sich von einem Ort, einer Gruppe, Institution weg begeben‹; auch bildlich und ütr.; speziell: ›eine Reise, Expedition unternehmen‹; ›in Diensten einer Obrigkeit (z. B. als Diplomat, Gesandter) unterwegs sein‹; ›herumziehen, umherziehen‹ (dies auch als Gegensatz zur Sesshaftigkeit);
vgl.
2
4; 5.
Phraseme:
das gemüt
(Subj.)
reisen
›mit den Gedanken anderswo sein‹;
zur helle reisen
›zur Hölle fahren, untergehen‹;
jm. etw. zu herzen reisen
›jm. etw. zu Herzen gehen‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 6; 7, 1; 2; 3, (V., unr. abl.) 1, , , ; vgl.
1
1,
1
1; 10.
Gegensätze:
(V.) 1.
Syntagmen:
j. r
. (absolut);
j. einen fernen weg r
.;
j
. [wo, wohin] (z. B.
auf dem land, durch die wildnis, durch viele länder, gegen Lisabona, in beides Indien, in eine andere welt, nach Jersusalem, über land, über das mer, von den höfen, zu jm., zu hof, zum keiser
)
r
.,
der heilige geist in die jungfrau r
.,
engel und teufel in die kirche r
.,
j
. [zu welchem Zweck] (z. B.
in legationen, von der stat wegen
) [wohin]
r
., [mit wem] (z. B.
mit einander, mit mönchen / pfaffen
)
r
.,
bei der nacht r
.;
sich müde r
.; subst.:
die unlust des reisens
.
Wortbildungen:
2
reisung
2 (dazu bdv.: , , , ).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1631
):
Er lässet Andre reisen in beides Indien und bringen Gold für Eisen.
Mieder, Lehmann. Flor.
691, 9
(
Lübeck
1639
):
Wer reiset durch viel Leut vnd Land / der wird an vielen Orten bekand / er forscht der Voͤlcker Recht vnd Weiß.
Ebd.
692, 6
:
Ein Cardinal / der in seinen̄ Legationen durch Franckreich / Engelland vnnd Spanien gereist [...].
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
sî mûstin alle reisin | in tôtlîchin vreisin | nâch iren hergesellin | ân undirlaz zur hellin.
Luther, WA (
1522
):
laß raisen wer da wil, bleib du dahaim.
da soll sein heiliger Engel bey uns sein, Ja, auch wenn wir sterben unnd in eine andere Welt reysen.
Ebd. (
1537
/
40
):
Jch durffte nicht die welt durchziehen und zu S. Jacob gehen oder zum heiligen lande gehn Hierusalem reisen.
Lau, Qu. Neuß (
rib.
,
um 1480
):
Wanne man van der stat wegen reist uiswendlich, so sal der burgermeister vam raede dat gelt verwaren ind uisgeven.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Leipzig
1537
):
Herodes auch gantz zornig wardt, | Vff die edlen drey weisen, | Das sie nit in der wyderfardt, | Zu ihm haͤtten woln reysen.
Opitz. Poeterey
15, 2
(
Breslau
1624
):
Die Vornemsten Griechen sind in Egypten / Jndien vnd Franckreich gereiset / die weißheit zue erlernen.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Dein ander wird waß, jungfraw zart, | Daz du vom heiling geiste | Enpfingst wider naturlich art, | Der in dich kam gereiste.
Wickram
4, 30, 4
(
Straßb.
1556
):
Der selbig herr hett im auch gon Lisabona zuͦ raisen für genumen.
Thiele, Minner. II,
9, 136
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
wem solch leid zuherczen reys, | vorwar unnd der muß drurig sin.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
dann es sonderlichen kurzweulig uff dem mör ist, mütt münch und pfaffen zu reysen.
Rauwolf. Raiß ijv,
6
([
Lauingen
]
1582
):
denen seye kein ferre des wegs zuͦ Winter oder Sommers zeiten [...] zuͦ raysen beschwerlich.
Rot
337
(
Augsb.
1571
):
Peregrination, Wanderschafft / reysung / vberland ziehung / fart / Kirchfart.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dâ von ist ez gar tœrleich, wer über lant raist und iegleich wazzer versuocht
(bezogen auf die potentielle Verseuchung des Wassers).
Chron. baier. Städte. Regensb. (
noobd.
,
1533
):
Jn der wochen vor weinachten hub sich ein grimme kelten an, das vil leut auffn land raisend erfruren.
Niewöhner, Teichner
7, 61
(
moobd.
,
1360
/
70
):
ob in ein chirich chaͤm geraist | engel und teuffel und alle gaist, | waz in himel, in helle sei, | ez waer so geraum da pei | daz uns daucht di chirch als laͤr | sam ob nieman drin waer.
Ebd.
505, 30
(
oschwäb.
,
1368
):
wau man nu ze hoff raist, | so spricht nieman ditz noch daz: | ,und habt ir truͦncken oder gauzz?‘
(Kritik an der mangelnden Gastfreundschaft der Fürsten).
Ebd.
39
:
man derbot in
[den Rittern]
wird und er, | daz sy heten guͦtz mer, | wann sy von den hoͤfen raisten.
Moscouia
C 4r, 11
(
Wien
1557
):
dem beualch der Fürst zu Kayser Maximilian/ec. in potschafft zuraisen.
Qu. Brassó
5, 437, 6
(
siebenb.
,
n. 1646
):
Bei der Nacht hat niemand resen können von wegen vieler wilder Tier.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
92, 8
;
Franck, Decl.
335, 14
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 264, 25
;
Haszler, a. a. O. ; ;
Voc. Teut.-Lat.
aa vijr
;
Rot
336
;
5.
›sich längerfristig im Ausland, in der Fremde aufhalten‹.
Belege ab M. 17. Jh.

Belegblock:

Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Reisen. Ausser Lands leben.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
das sein Bruder wegen seines ruhigen Wesens deß Hofflebens noch reysens nicht gewohnet.