reinigung,
die
;
-Ø/–
.
1.
s.  1.
2.
›Entschlackung, Entgiftung des Körpers‹; auch: ›Menstruation‹; ›Stuhlgang‹; ›Einlauf‹; in 1 Beleg ütr. auf Christi Kreuzestod als Reinigung des Menschen von der Sündenschuld;
zu  2.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; vgl. ,  1,  1.
Wortbildungen:
reinigungstrank
›Abführmittel‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Menge, Laufenb. Reg.
3458
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
so sint vil mere | Reingung vnd clystere | Do mitte man [...] | [...] gebresten mag veriagen.
Ebd.
3466
:
so rate ich zware | Das Iegliches zem yore | Zwúrnent sol erzöigen sich | Einem artzot sunderlich | [...] | Obe yme ein reingung nutze sy.
Sudhoff, Paracelsus (
um 1520
):
also hat das sperma kein reinigung nicht, alein es sei das durch das obiect ein anzündung in ime beschehe.
Ebd. (
1531
/
5
):
die matrix nichts anders ist dan microcosma. nun sie sol geberen, so muß sie rein darzu sein; das ist die reinigung, das aller unflat zu dem gang gehet.
Ruh, Bonaventura
341, 1
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
sündlich schuld ist geoffnet durch das crútz Cristi, wie die zefliehen sey, wann ze ablaß sy bedorfft [...] als größer raingung, als schwär ertzny, als fast das sy got [...] muͦst gnuͦg thuͦn fur die hoffart Adam.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 229
.
Vgl. ferner s. v.  13.
3.
›rituelle Waschung, Reinigungsritual‹; überwiegend in Bibelübersetzungen mit Bezug auf entsprechende Riten des Judentums; hier speziell: ›Jordantaufe‹ sowie ›Reinigungsritual, 40 bzw. 80 Tage nach der Geburt eines Kindes‹; ›das (darauf Bezug nehmende) christliche Fest Mariä Lichtmess
(purificatio sanctae Mariae Virginis)
‹;
zu  2.
Zur Sache:
LThK
8, 1150
f.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Luther, WA (
1528
):
Es waren aber alda sechs steinern wasser kruͤge gesetzt nach der weise der Juͤdischen reinigung.
Ders. Hl. Schrifft.
Apg. 21, 26
(
Wittenb.
1545
):
[Paulus] gieng in den Tempel / vnd lies sich sehen / wie er aushielte die tage der Reinigung
[
Mentel
1466:
gereinigung
; nd. Bibel um 1478:
gereyninge
].
Feudel, Evangelistar
95, 1
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
In der czit waz eyne frage gewest von Johannes jungeren mit den Juden von der reynegunge.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
dô irfullit sint di tage irre
[Marias]
reinegunge nâch der êe Moysi, dô truͦgen si en
[Jesuskind]
in Jêrusalêm.
Ebd. Joh. .:
dâ wâren sehs steinenne crûge gesatzt nâh der reinegunge der Juden.
Voc. Teut.-Lat.
aa iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Raynigung odʼ liechtmeß. purificatio.
Wyss, Luz. Ostersp. vor
3596
(
Luzern
1571
):
Die Engell singend, bis Joseph gerüst sin mag zuͦ der reinigung Mariæ, nach dem gsatz mitt iren in Tempel zuͦ gan mitt Jesu.
4.
›Erlösung des Menschen, Befreiung von der (Erb)sünde‹;
zu  3.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  1,  6,  2,  1,
1
 2, (
der
4, ,
1
 7.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Sin blut zu irlosunge, | Wazzer zu reinigunge | Von alder erbe sunde | Adams.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
14. Jh.
):
Man sol sú [brut] weschen [...]. Daz weschen [...] daz verstent ir wol: daz ist ein reinigunge von súnden und gebresten.
Ruh, Bonaventura
324, 8
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Der erst synn [...] der geschrifft lernet raynigung des menschenn.
5.
›korrigierende Wiederherstellung der ursprünglichen Lehre, ihre Befreiung von späteren Zusätzen‹;
vgl.  1; (Adj.) 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Nu sind zweierley wunderwerck, damit die Kirche erhalten wird. Leiblicher schutz und Reinigung der Lere.
6.
s.  4.