reinigen,
V.
1.
›etw. zu einem bestimmten Zweck von einer in je spezifischer Weise negativ bewerteten Bezugsgröße befreien‹; im Einzelnen: ›etw. / sich waschen, säubern, sauber halten, von Schmutz, Rückständen befreien‹; ›Metall läutern, veredeln, von nicht zugehörigen Stoffen reinigen‹; ›etw. (z. B. einen Raum) aufräumen, putzen‹; ›Bäume, Pflanzen beschneiden (um das Wachstum zu fördern)‹; ›Felder, Äcker von Unkraut befreien und für die Aussaat vorbereiten‹; in spezieller Ütr.: ›den Geist, das Herz klären, von schlechten Einflüssen, von falschen Maßstäben befreien‹; vereinzelt mit Bezugsgrößenverschiebung auf die negative Bezugsgröße: ›etw. (z. B. die Sünde) tilgen‹; Phraseme:
jm. die taschen und beutel reinigen
›jn. bestehlen‹.Syntagmen:
j. / etw
. (Subj.) etw
. (z. B. den bauch / tempel (des herzens), die betrachtung / luft / sünde, das gemüt / getreide / haus / kind, die äcker / füsse / kleider / zäne / zweige, das inwendige am becher
) (von e. S.) r., die erkentnis
(Subj.) das gemüt r., Christus
(Subj.) den menschen von schaden / unflat r
., die weiber
(Subj.) sich nicht r
.; das silber
(Subj.) siebenfältig gereinigt sein, j. von auswendigen dingen gereinigt sein
; subst.: die schornsteine reinigens bedürfen
.Wortbildungen
reinigung
Belegblock:
Denn er [Christus] kompt nicht allein den Leib zu wasschen oder baden, sondern den gantzen Menschen zu reinigen von allem unflat und schaden, der uns von Adam angeborn ist.
Und was ist des Menschen Leib [...], darin der unfletige, stinckender Heilige sitzet (der Bauch), den er teglich tragen und leiden mus, ja auch jn fuͤllen und neeren, dazu schmuͤcken und reinigen mus.
Dese louge is van also harder art | Dat geyne sunde en mach sijn so hart, | [...] | Leget man sij dar yn, si wirt gereynget.
Iscultos ist ein steyn gleich dem saffron [...]. Wann mann von jm ein kleyd macht / so verbrennt es nit / sunder auß dem feur wirt es ie mer gereynigt
(›veredelt‹).
Die Abwaschung oder Reinigung. Ein lieblicher Platzregen faͤllt | [...] Vnd waͤschet ab [...] | Vnsre Leiber.
also hat mich mein liebe Mutter [...] vnterrichtet [...] den Gaͤsten die Beutel vnnd Taschen zu reinigen.
Alle dy czwyge dy nicht frucht [...] brengen dy nemet her uf, unde alle dy frucht brengen dy reyneget her uf daz sy me frucht brengen.
Es ist auch gutt, das, wann man das getreydicht aufschütten will, es man zuvorn wohl reinige.
Ebd.
255, 4
: Man reiniget die ecker vom queckgrase und farren durch stete ackerung, ausegung und zusammenrechung derselben.
Darumb auch der Son Gottes sich selbs einem Schmeltzer vergleicht [...] anzuzeigen / wie er in seiner Kirchen / als in der rechten Schmelzhuͤtten der Menschen Lere vnd Leben schmeltzet / leutert vnd reiniget.
Die erkantnuß sein selbs, die reynigt [...] seinen ursprunck, das ist das gemuͤt, und die betrachtung.
Raynigung des goldes oder eins yglichen metals. scropulus.
das silber durchs feur probieret, von der erden geschieden, sibenfeltig gereiniget.
Do zwischent wandelte eine erbere frowe zuͦ ime die sine kleider reinite.
du solt reinigen den tempel deines herzens und aus demselben werfen die bösen bilder.
Alchumei, [...] ein kunst zu reynigen alle ding damit sie von jhrer jrdischheit außgezogen / zu der Artzney desto tauglicher werden.
wenne [...] si
[Sonne]
des âbendes rôt scheint, sô bedäut ez den andern tag schœn. daz ist dar umb, daz si des âbendes durch die wolken scheinet, die si mit ir under hât gezogen von unserm luft und hât den gerainget. die störch tœtent iriu weip, diu êbrecherinn sint und sich niht gereinget habent in den wazzern nâch irr pôshait.
Zu den hochczeiten [...] sol auch der chelnär chêren. das refent / das slafhaus. vnd das haus des klosters [...] ze raynigen.
Wenn du recht gerainiget wërest von allen ausbenndigen
[sic!]
dingen, so würden dir alle ding czue guet kchömen.2.
›heilen, medizinisch wirken‹ (von Heilmitteln gesagt); überwiegend trans.: ›jn. von einem Leiden, von einer Krankheit heilen‹; speziell mit Bezug auf die Wunderheilungen Christi (vgl. Mt. 8, 2; 11, 5): ›jn. vom Aussatz befreien‹; ›eine Wunde von Eiter, nekrotischem Gewebe u. Ä. säubern (z. B. durch Ausbrennen, Auswaschen, Verätzen)‹; mit Bezug auf die Vier-Säfte-Lehre: ›jn. / sich bzw. einen Körperteil (durch Einnahme einer Arznei) von schädlichen Körpersäften befreien, entschlacken‹; mit Bezugsgrößenverschiebung: ›Stuhlgang haben‹; ›schädliche Stoffe, Körpersäfte (aus dem Körper) abführen‹; Oft Fachtexte.
Syntagmen:
die salbe
(Subj.) r
. (absolut); j. den leib, die wunden r., Christus die aussätzigen r
., etw
. (Subj.) etw
. (z. B. knoblauch die brust, salmiak die feuchtigkeit, der wein die mutter
›Gebärmutter‹, die fürbung den magen, die salbe die nerven, die nägel das gesicht, die rote salbe das böse fleisch, der saft von der wurzel den magen
) r
., etw
. (Subj.) die feuchtigkeit des aussetzigen menschen r., den menschen durch den harn / stulgang r., j. sich von der überflüssigkeit r., die kuh sich nach dem kalben r
.; die frau
(Subj.) nach der geburt gereinigt sein, der mensch
(Subj.) von der aussätzigkeit, von den gebrechen, das gedärm von unflat gereinigt werden
; als part. Adj.: das reinigende pulver
.Belegblock:
Also sind auch seine Werck den Blinden die Augen auffthun, die Aussetzigen reinigen, die Krancken heilen, die Todten aufferwecken.
ein Aussetziger kam [...] vnd sprach / HErr so du wilt / kanstu mich wol reinigen
[
gereinigenMentel
1466: ].
knoblauch [...] benỹmet den alten husten vñ reiniget die brust dem sie erkaltet ist.
Ebd.
82, 22
: Auch mit grossen klompen in der kost Vrsachen halben daz solichs [...] den menschen von solicher materien reyniget durch den harn vnd stuͦllgang.
Ebd.
83, 23
: Den safft von der wuͦrtzel in genõmen reyniget den magen.
hie [godes son] machet die blynden alle sehen, | [...] | hye reynniget die maledigen!
Es [Salmiac] benimpt vnd reynigt die grob feuchtigkeit.
her [...] rurte en unde sprach: ,ich wil dich gesunt machen‘, unde czu hant wart her gereyneget.
Di blinden sehin, di lamen wanderen, di ûzsetzigen werden gereiniget
[
werden reinLuther
1545: ].
Wan sich eine kue nachm kalben nicht rainigen will.
Eyn iegelich mensche, der gesunt wil bliben, der sol eyn gut stunde vor dem inbiße und vor dem nacht maße, so der liep gereyniget ist, alzo daz der mensche ist tzu stul gangen [...] sich vben mit seynem libe.
Ebd.
170r, 29
: zwo adern yn beyden enckeln ynwenig [...] ist sunderlichen frauwen nuͤtz, dy da nicht gereyniget sint noch der geburt.
Vngentum fuscum die ist gut zu den wunten, der sie dorauf leget, vnd reiniget vnd heilet vnd macht flaisch wachssen.
Ebd.
68
: Ein rot salben zu reinigen pöß flaisch uberflussigen auß den wunden.
wisse das [...] | Nach diner spyse blybe | Ettwas úberflússigkeit | [...] | Wonn sölte es belyben | Das man sich reinget nit dauon | So mochte wol gebresten kon.
Ir muossend ain guot fürbung han; | Das rainget üch die brust und den magen.
ein salb uff die dritten form, das reiniget die neruos.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
228r, 21
; Perez, Dietzin
1, 410, 6
; Keil, a. a. O.
65
; Voc. Teut.-Lat.
aa iiijr
; 3.
›läutern‹ (als eine einer metaphysischen Instanz, einem Ritual per se zukommende Handlungsweise); trans.: ›jn. / sich (auch: die sele
, das herz
) läutern, von Sünde befreien und damit für Gott den Glauben öffnen‹; häufig in Bezug auf die Taufe als das Sakrament, das den Menschen von der Erbsünde befreit und damit die Voraussetzung für seine Erlösbarkeit schafft; auch mit verschobener Bezugsgröße: ›etw. von jm. / sich abwaschen‹; Ütr. von 2; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
˹die beschneidung, die engel
˺ (Subj.) r
. (absolut); j. sein herz r., got
(Subj.) die herzen durch den glauben r., jn. mit der heiligkeit r., j. seine missetat, seine sünden r., etw
. (Subj., z. B. das liecht, das blut Christi, das heilige öl
) jn. r., die gnade
(Subj.) die unreine sele r., der heilige geist jn. durch den glauben, durch vergebung r., got, der herre den menschen von den (heimlichen) sünden r
., j. sich r., sich (geistlich) mit der taufe, mit beichten, von der befleckung, von den lastern / sünden / übertretungen r
; j. gereinigt sein, die sele
(Subj.) in dem purgatorium gereinigt werden
.Belegblock:
Wesche mich wol vonn meiner missethat und reinige mich von meiner sünd.
Gott zeugete uber sie [Heiden] und gab yhn den heiligen geist, gleich auch wie uns und unterschied nichts zwischen uns und yhnen und reinigete yhre hertzen durch den glawben.
So mus er seine liebe erstlich und am hoͤchsten hie mit erzeigen, das er seine reinigkeit und heiligkeit an jre suͤnde und verdamnis wende und sie damit reinige und heilige.
lasset vns von aller befleckung des fleischs vnd des geistes vns reinigen.
Ein meister und sanctus Dyonisius sprechen von den engeln, welch ir werk sein. Daz si reinigen und irleuchten und volbringen.
[Here] von meynnen heymlichen | sunden reinige mich.
wan der mensche getauft wirt, daz her gereinegit wirt fon allin sinen sunden.
Erleücht mich, licht der warhait fron, | anczund mich, rainig mich vil schon | nach deinem wolgevalle!
Ebd.
122b, 134
: Aber yecz in der newen e, | seit Kristus die tauff furbaz me | auff saczet [...] | Rainigt die peschneidung nit mer.
Rayniger. colatorius. oder fegfewer.
Der heilig Geist muß es endern / vnnd reinigen durch den glauben.
daz vns got ein bizeichen gebe daz wir vns geistlichen reinigen solten von allen vnseren súnden.
darumb heißt es ein purgatorium. nit daß die seelen darinnen gereiniget werden durch ir selbst genugtueung, sonder aus bewegen götlicher barmherzigkeit.
Zü dem funfften male so rainiget die gnad die vnrainen sele.
Das sibent
[Sakrament]
das ist das heilig öl, das uns rainigt und ain wegweiß ist zu dem ewigen leben. dieweil die Türcken [...] nach jrem Machometischen gesetz offt baden / sich von jhren vilfaltigen vbertrettungen vnd sünden [...] abzuwaschen vnd zuͦ rainigen.
es ist [...] pesser, wir rainigen vnsre sünden vnd missetat in diser welt.
Wortbildungen:
reinigung
reinigungseid
Belegblock:
das alsdan derselb verkeuffer [...] sich mit dem eyde, der tat unschuldig zu sein, reynigen und entschuldigen sol.
So aber die clagend partey etwaß [...] ungenuogsam fürbrecht [...]. so soll der antwurter auf seinen geschwornen rainigungsayd sollicher clag ledig erkendt werden.
Ebd.
709, 11
: wellicher [...] den andern antaschet oder schmeht, [...] und er [...] sich dero nit [...] vor [...] gericht rainigt, dem ist der ander fürter darauf zu antwurten nit mehr schuldig.