2
rein,
der
;
-(e)s/-e(n)
.
1.
›rechtlich festgelegte und meist durch einen ungenutzten, begehbaren Grenzstreifen markierte Trennung zwischen zwei Grundbesitztümern, überwiegend zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen (Äckern, Gärten), seltener zwischen größeren Herrschaftsräumen oder Rechtsgebieten‹; mehrfach metonymisch: ›Grenzmarkierung (z. B. in Form eines Steines, Walles, einer Erderhebung, eines Abhangs, Grabens u. Ä.)‹;
zu
2
 1.
Überwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
rein und stein
›Feldgrenze bzw. deren Markierung‹;
jm. über den rein grasen
›jm. einen Schaden zufügen‹.
Bedeutungsverwandte:
,  2,  1, II, 3, II, .
Syntagmen:
den r. absondern / aren / brechen / erkennen / gebrauchen / hinschlagen / merken / messen / schmälern / umreissen / verwenden, jm. den r. abhinhacken / abnemen / ausgraben / ausstechen / auswerfen / hinackern / hinhauen / hinlegen / umhauen
;
der r
. (Subj.)
an das feld stossen
;
etw
. (Subj.)
am r. liegen, j. auf dem r. gehen, auf die reine achtung geben, jm. seine güter in den reinen verkaufen, etw
. (Subj., z. B.
der grund / hof, das gut / haus
)
an dem r. befangen sein, in den reinen liegen, das weichbild
(Subj.)
in seinen reinen gelegen sein, etw
. (Subj.)
inwendig der reine beschehen, der grund
(Subj.)
mit reinen ausgemerkt sein, j. das gut mit allen reinen geben, jn. über den r. schirmen, jm. das seine über r. abhauen / abmähen / abschneiden, jm. um r. helfen, etw
. (Subj., z. B.
der schacht, die heimlichkeit
›Abtritt‹)
fern von dem r. stehen
,
etw
. (Subj., [hier: Grundstücke])
aneinander zu r. liegen
;
der r. am acker
;
der bairische / ungarische r., die alten reine
.
Wortbildungen:
reinbaum
›Baum als Markierung einer Grenze‹ (dazu bdv.: vgl.  2,  3, , ),
reinbrief
›Urkunde über den Grenzverlauf‹,
reinbuche
›Buche als Grenzbaum‹ (dazu bdv.: ; vgl. ,
1
),
reingenosse
(dazu bdv.:  1), ˹
reinmal
(a. 1571),
reinstein
,
reinzeichen
˺ ›Grenzmarkierung‹ (dazu bdv.: II; vgl. ,  1, ,
1
 2,  2),
reintag
›Tag der gerichtlichen Grenzbeschauung‹,
reinzaun
,
reinzäunen
›die Grenze mit einem Zaun versehen‹.

Belegblock:

Koller, Reichsreg. Albr. II.
137, 29
(
1438
/
9
):
alsferre dieselben grunt [...] mit marchem und reynen uszgemerckt ist.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
Von schechten und heymlicheit zcu sencken, wy ferre dy von deme reyne sal sten.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
2, 8
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
lautmere, was dir leides von uns widerfaren sei, [...] und wir vormals doch manigen [...] mechtigen und heftigen leuten sere über den rein haben gegraset.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
9, 6
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Bestellung eines forwergsvorwalters [...]. Der soll [...] Auf die grenitzen und reine gut achtung geben.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
20, 13
(
schles.
,
1341
):
so sal dy selbe stat [...] daz wichbilde [...] also iz gelegin ist yn synen gemercken vnde synen reynen, czu vorsicht czu yn haben.
Schnelbögl, Salb. Karls IV.
124, 26
(
nobd.
,
1366
/
8
):
wir
[Kaiser Karl IV.]
[...] sullen niemant [...] richten umb dheine sache [...], die in denselben lantgerichten und inwendige irer gemerke und rayen geschehen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
33, 5
(
nobd.
,
v. 1498
):
Auch hat er [mein herr] zu helfen umb rein, stein und alle sachen, die wandelpar sind.
Dertsch, Urk. Kaufb.
1048
(
schwäb.
,
1467
):
Zum andern haben wir gemarcket [...] by den zwain grossen velwen [...] und da dannen denselben rain, so an das gestrengt velde stousset.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 182, 6
(
moobd.
,
1375
):
nach beschawuͤng vnserr næchsten nachpawrn vnd raingnoͤzzen.
Ebd.
374, 3
(
1419
):
[die Grundstücke]
sind gelegen [...] gen der stat wartz, vnd ligent aneinander zuͦ rain.
Ebd.
503, 41
(
1464
):
Das ich [...] potten hab, das er den zawn [...] setzt [...], das ein menknecht neben des zawns vnd des acker auff dem rain [...] woll gen muͤg.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
16. Jh.
):
ist an sant Eseprechts tag ain gebner raintag.
Ebd. (
E. 15. Jh.
):
das holz geht auf unz an die reinpuhen.
Ebd. (
1433
/Hs.
17. Jh.
):
wer ainem seinen rain hinakert und verwendt, derselb ist zu wandl zwölf schilling 2 ₰.
Ebd. (
E. 15. Jh.
):
wann der selbing alle vordrung der herschaft ausgericht hat, so sol man in dann schermen über den rain.
wer [...] rainpaum [...] abhakchät [...], der ist verfalln 5 tal.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
am baierischen rain ligen: Landsperg, Fridperg, Rain.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1537
):
Ob ainer dem andern ainen marchstain, rainstain oder sunst ain march oder rain ausgrueb, auswurf.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
wie der Fridwerger landgricht inhalt: Von erstn hab außgmündt an den hungrischen rain.
Das jetweder [...] rainzaichen macht, damit keiner dem andern überrainen kan und die alten rain [...] erkent werden möchten.
Ebd. (
1579
, Hs.
1851
):
Dieweilen dan herr probst Peter [...] der burgerschaft einen neuen rainbrief versprochen hat.
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
51, 19
(
nböhm.
,
1556
):
Hans Mennichen [...] seine gutter, hauß vnd hoff, wie das ehr das zuuor erkauft, allenthalben in seinen reyhnen, rechten sampt grentzen [...] dem erbaren Jochim Vllrichen erplichen vorkauft habe.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
118, 15
(
mslow. inseldt.
,
1523
):
Hanns Zyger [...] hat [...] bewaiśt [...], das Er [...] śolchen Rain oder Weg ZugePrauchen nie gewehret hat.
Mollay, Ofner Stadtr.
332, 2
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Der eynen rein ader denn frid pricht zwisschen ÿm vnnd den nachpern [...], der vorfelt dem nachparn.
Bindewald, a. a. O.
36, 15
;
Schmitt, Ordo rerum
48, 11
;
Lau, Qu. Siegburg ;
Bischoff u. a., a. a. O. ;
Mell, Steir. Weinbergr.
138, 13
;
König-Beyer, a. a. O.
39, 5
;
Schles. Wb.
2, 1067
.
Vgl. ferner s. v. ,  1, (V.) 11,  1,  3,  2,  3.
2.
›(bewachsener) Hang, Böschung, Streifen Land‹; speziell: ›Erlebnisraum (als Teil weiträumiger Natur)‹; auch: ›Begrenzung, Aufschüttung am, im Wasser; Ufer‹.
Mehrfach literarische Texte gebundener Form.
Bedeutungsverwandte:
1
 4, .
Wortbildungen:
reinfarn
›Rainfarn, Wurmkraut; Tanacetum vulgare‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1406
):
8 scot zum Sthume, reynfar zu snyden.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1566
):
[soll auch] kein fischer [...] gegen der stat zu, ainichen rain im Main umb seine reußen nit machen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Am morgen fruͤh kamen sie baldt | Auff eine Wysen [...] | [...] | Gleich in der mitten war ein reyn | Vnd daselben ein Hecken klein.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Sein fal was in ein weyten mermelsteine, | Dar in die fisch um schussen [...] | Ob yn ein grosßer reyne, | Dar an ein wuneclicher wallt.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
74, 30
(
nobd.
,
1523
):
doch soll erʼs
[der Müller das
reisig
]
uff ein rein legen und nichts lassen hinwegfliessen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
ach ir lebenden stein, ir wilden rein, ir liehten oͮwen!
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
we mir [...] | wez heldet daz schiff alleine | by dises werdes reyne?
Schib, H. Stockar
111, 13
(
halem.
,
1520
/
9
):
als wier ain büsen graben hattend [...] und ain hochen ran uff zu stigend [...] do schugend wier die 3 fendlin in flucht.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wol tawsent man man raumen sach | Durch di hecken in der wild, | Man scheuchte [...] | Tieffen wazzer, pruͤch, noch ran.
Niewöhner, Teichner
204, 27
(
moobd.
,
1360
/
70
):
waͤr ich recht, ich wurd geswellet | alsmer in einem wilden rain | sam im freythoff under eim stain.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica (
schles. inseldt.
,
1466
):
do habin dÿ scheppin [...] gesaheen eyn spat [...] bei dem strawche an dem nÿderstÿn reÿne.