1
reif,
1
reifen,
der
;
-(e)s/-e(n)
;
in 2 sprachgeographisch (rib.) bedingt auch
repe
;
zu
mhd.
reif
›Seil, Fessel; Reif; Kreis‹
().
1.
›Kreis, Kreislinie‹; ›Bogen, Umlauf‹; auch: ›kreisförmiger bzw. ringförmiger Streifen, Halo‹.
Bedeutungsverwandte:
,
1
 1, .
Wortbildungen:
reiftanz
›Reigentanz‹ (dazu bdv.: vgl.  1).

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Das ist der welt lauff ynn yhrem reyff und kreis und der menschen art.
Gille u. a., M. Beheim
331, 28
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
da sah ich aber mir | in adelicher zir | ain edlen valken streben, | hach in den lufften sweben | in rundem zirkels raiff.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
freitag nach pfingsten zu mittag da was ein großer raif umb die sunnen.
Sachs (
Nürnb.
1540
):
Viel thörichter freud und abweiß, | Die umb mich Faßnacht allzeyt klingen | Mit [...] | [...] | Schwerd-tentz, rayff-tentz ist man auch fro.
Sudhoff, Paracelsus (
1527
):
So under dem gürtel ein roter reuf entspreng, demnach gelbe bleterlin, uber lang hernach fallen löcher ein im selbigen reuf mit brennen und röte und fast drucken, so sag das zinzilla sei.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ain mermünch [...] hât ainen swarzen raif umb daz haupt ob den ôrn, reht als der reif ist von dem hâr, den die rehten münch habent.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
die andern all umbgent, | der siben man planeten nent, | der ieder seinen lauf volent | in seiner model raiffen.
Niewöhner, Teichner
370, 71
(
moobd.
,
1360
/
70
):
daz himelreich ist in der wag | als ein umb gender raiff.
Ebd.
370, 79
:
leuff man tausent jar lanch | umb den raif hin und dan, | man fund idoch chain end dran, | wann der raiff hat nicht begin.
Ebd.
370, 93
;
96
;
2.
›Seil, Strick, Tau‹.
Nrddt. und wmd.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , (
das
).
Wortbildungen
reifschläger
›Seiler, der Schiffstaue anfertigt‹ (dazu bdv.: ),
repträger
›Seilträger‹.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 867, 13
(
nrddt.
,
1405
/
06
):
XVIII ore vor repe und linen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dô er traf den stadin | und man ûzgewarf den reif, | der trugenêr zuhant begreif | daz schif und hîld iz vaste.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 687, 10
(
preuß.
,
1521
):
Von seylern adir reyffschleger.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
12508
(
rib.
,
1444
):
Dat [schiff] was mit reiffen gebunden.
Lau, Qu. Siegburg (
rib.
,
1516
/
31
):
Ein roet meite kanne sal gelden 4 wispenninck Colsch [...] ind den schurgeren ind reptreger de groisse meit 5 wispenninck.
Blümcke, Hans. Gesandtsch. ;
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
102, 8
;
213, 19
;
Rwb ff.;
Preuss. Wb. (F)
2, 223
.
3.
›(aus einem Edelmetall gefertigtes) ringförmiges Schmuckstück‹, v. a.: ›Fingerring‹; auch: ›(meist aus Edelmetall gefertigtes) Zierband um einen Gegenstand‹, z. B.: ›Hutring‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
2.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
331, 34
(
preuß.
,
1437
):
1 virkant glas mit eynem silbern reyfen dorunder ist heiligethum.
Karnein, Salm. u. Morolf
304, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da stieß er [Morolff] under den gurtel sin | mit silberin reiffen ein wol beslagen barillin.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
36, 5
(
omd.
,
1487
):
dÿ weÿber wollen gemeinlich tantzen und bülen Schone hawben, hembde, badekappen schnüre guldene reÿffe ec vorschenken.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3529
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
den reiff stecke an dins hertzen finger!
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
er waz och begúrtet mit ainem guldin raife zuͦ den brústen.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1549
):
Der hutt ist auch schwartz sametten gewessenn mytt um raeyfflein von geschlagnem gold.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
hertzog Maximilian [...] trueg auff seinem haubt ein ertzhertzogshuettl [...] und mittn uber das huettel ain guldeiner rayff.
Bastian u. a., Regensb. UB
325, 52
.
4.
›ringförmiges Band (meist aus Eisen oder Holz) zum Binden, Stabilisieren von Fässern, Truhen, Balken u. Ä.; Fassreif‹; bildlich auch: ›Gott als Band, das die gesamte Schöpfung zusammenhält‹; speziell: ›außen an einer Gastwirtschaft, Schankstube aufgehängter (Fass)reif oder Kranz, der symbolisch auf die Schankerlaubnis verweist‹; ferner zur Bezeichnung von ringförmigen Nutzgegenständen unterschiedlicher Funktion, im Einzelnen z. B.: ›runde Form‹ (z. B., um Käse zu formen); ›ringförmige Verzierung an einer Säule‹; ›Schneeschuh aus gebogenem Holz‹; ›Halsring, Fessel‹; dies ütr.: ›Gefangensein (z. B. in
traurigkeit
1 /
schwermütigkeit
)‹.
Phraseme:
den reif ausstecken
›eine geöffnete Schankwirtschaft anzeigen‹;
unter dem reifen
›fassweise‹ (bezogen auf den Verkauf von Wein und Bier in Schankstuben).
Bedeutungsverwandte:
1
 8, ,  1,  1, , ; vgl. .
Syntagmen:
j. reifen hergeben / machen / verkaufen, an die stange hängen, für das wirtshaus stecken, in rechter weite halten, jm. einen r. um den kopf legen, um den hals schmieden
;
etw
. (Subj.)
den reifen schaden
;
j. auf reifen durch den schne waten, j. den käse im r. gestalten, die fässer in einen r. machen, einen grünen ast in den r. flechten, etw. mit reifen beschlagen / binden, j. mit reifen gebunden sein
;
der r. aller creatur, die reifen der müle
;
die notdurft an reifen, der verkauf unter dem r
.;
der eiserne / geflochtene / köstliche / stälene r
.;
die ansteckung des reifs
.
Wortbildungen
reifband
›Böttcherholz zur Herstellung von Reifen‹ (dazu bdv.: ),
reifenöl
,
reifholz
›Holz für Fassreifen‹,
reifmesser
›gebogenes Schnitzmessser der Böttcher‹ (a. 1624), ˹
reifstab
,
reifstange
,
reifstecke
˺ ›Holz, das zu einem Reifen gebogen wird‹ (a. 1480),
reiftreiben
›Verschieben der Fassreifen zu Betrugszwecken‹,
reifwein
›Fasswein‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1403
):
1 m. und 8 scot vor die balgen zu beslon mit oren und reyfen und hoken.
Luther, WA (
1521
):
Jch wurd eynen buͤttiger bestellen, der dir ein reyff odder tzween umb den kopff legt, das er nit fur grosser voller unsynnickeyt zurspruͤnge.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Kön. 7, 17
(
Wittenb.
1545
):
es waren an jglichem Knauff oben auff der seulen sieben geflochten Reiffe
[
Mentel
1466 / nd. Bibel 1522 /
Eck
1537, 3. Kön. 7, 17:
einer gestalt eins neczes vnd keten
; nd. Bibel um 1478:
gestricket neett
]
/ wie keten.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
das alle creaturen habint, das hat got alzemale in ime. Er ist der boden, der reif aller creaturen.
Struck, Joh. Pfannstiel
166, 37
(
mosfrk.
,
1545
):
kosten die faß zu beinden und etliche nawe bodem laissen machen mitsampt reiffen und weyden dem bender in seynem kostenn 1 fl. 3 alb.
Spanier, Murner. Schelmenz.
29, 2
(
Frankf.
1512
):
Ein reyff vßstecken. Der steckt den reiff vergebens auß, | Der keyn weyn hat in seym hauß.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
um 1450
):
so sullen die pender alle fas [...] yn einen reiff machin und sullen darczu ouch nemen gut und bestendigk holcz.
Lippert, UB Lübben
2, 231a, 33
(
osächs.
,
1525
):
1 ar. g. zum seiger vor reiffenoell gegeben.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
186, 11
(
nobd.
,
1480
):
Nachdem uns in clage hat angelangt, das sie die vaß nicht aufrecht, als anderßwoe sit ist, sunder welgeßweiß schrotten sollen, das dann merklichen schadet, reiffen und auch den vassen, setzen und orden wir, das [...].
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
owe, die da vor swarlich gelestet und gebunden waren mit stehlinen reifen in trurkeit und swermuͦtekeit der strafenden gewússne.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
630, 6
(
els.
,
1362
):
Es waz eine frowe, die hette ire swester mit eime steine erworfen. Vmb die súnde wart ir ein iserin reif vmb iren hals gesmidet.
Thiele, Minner. II,
13, 189
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
so wutt ich durch den schne, | als in dem gebirg manig jeger thut uff reiffen
(›Schneeschuhen‹).
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Von vier raiffen kostlich | Waz daz vass wunne klich | Gebunden.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1457
):
sy sollent ouch die reiff oder zargen der muͥlli in rechter wyti halten.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1666
):
Das
reifftreiben
wird
als ein stuck des offenen betrugs
bei Verlust des Lohnes verboten.
Maaler
330r (Zürich 1561):
Reiff vnd form darinn man die kaͤß gestaltet.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1466
):
hopfwein und tramynner sol man halb ungelt vom aimer wiener geben, aber von vaͤlteliner reifwein und der gelich wein sol gantz ungelt geben werden.
Ders., Welthandelsbr.
300, 4
(
schwäb.
,
1514
/
5
):
der beslagen pipen muessen sein 20 mit 7 eisen raifen yede.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
gieng eben hiemit zu, wie man sprücht, das kein würt von áins gasts wegen ain raif usssteck.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
E. 15. Jh.
):
die pinter mugen auch reifstangen aus dem panwald nemen, darfur sollen si dem hern die alten vas pinden.
Ebd. (Hs.
E. 16. Jh.
):
die so wein hinein kaufen und widerumben undern raifen aus dem markt geben
[›ausschenken‹],
denen soll es ungewerth sein.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
199, 6
(
moobd.
,
1524
):
Welicher aber wein hett, der mag dieselben in ainer jeden zeitt im jar under den rayffen [...] seinem gefallen nach verkauffen.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1638
):
die undertonen [...] zu abbündung der startin [...] schuldig seind die noturft an raiffen und pant herzgeben.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
Bei hocher straff ist verpoten das niemand sich der abschneid- und abmaissung des kuef- und obmaissung des kuef- und reifpands zum kerbl und reischen zeinen gebrauche.
Wopfner, Bauernkr. Tirol (
tir.
,
1525
):
von wegen reyffholtz [...], so wil die herrschafft wider alt herkomen darvon haben ain phŭnd pheffer.
Stolz, Zollwesen
104, 32
(
Rovereto
1560
):
Von 100 groß Pottich, Raiffstäben 6 kr., von 100 Raiff der großen Pottich 3 kr.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 10, 8
;
Rennefahrt, a. a. O. ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 392, 3
;
Rwb ff.;
Schles. Wb.
2, 1104
;
Vorarlb. Wb.
2, 697
;
Öst. Wb.
2, 189
;
Schmid, R. Cysat
6, 72
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 228
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 238
.
5.
›Teil des Pferdegeschirrs, Kummetriemen‹; anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .

Belegblock:

Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
in der stallung die peren, reiffen und rechen zu den settelen (und) zeumen pesseren.
6.
›Maß(instrument) zum Messen von Tuchen und Leinwand‹; metonymisch: ›Eichrecht für Stoff- und Leinwandmaße‹; anschließbar an 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
 12,
1
 1.
Wortbildungen:
reifer
›Leinwandmesser‹ (M. 15. Jh.).

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1400
/
45
):
die stricher sullent mallich dat sin geven mit dem reifen up ire eide dem burger as dem gaste und dem koufman.
Kammerer u. a., Urk. Isny
28, 2
(
schwäb.
,
1440
):
Jacob Truchseß zu Waltpurg [...] belehnt Rudolf Mesnang [...] mit dem Kornzoll, dem Kornmarkt, dem
„raif“
und dem Stabe [...] zu Frauen- und Mannlehen.
Müller
, Stadtr. Ravensb. 108, 8 (oschwäb., 1347):
er [burgermaister] sol ouch den raif [...] verlichen mit des rates wisshende.
Schmoller, Straßb. Tucher- u. Weberzunft ;
7.
›Hohlmaß für Lebensmittel‹; anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,
1
 6,
2
,  2.

Belegblock:

Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
490, 22
(
rib.
/
westf.
,
1609
):
Stockfisch funffzig reyf.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1433
):
der rat hat verboden, daß keyn bender [...] keyne reuffe [...] mit steynen besweren [...] sollen.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1624
):
gibt man mauth von ainem „raiff“ klainer stockvisch, der da helt 300 visch, je vom 100 2 kr. 12 pf.