reie
, gelegentlich verkürzt zu
1
reige, der
;-n/-n
;rei
, rey
; 1.
›fröhlicher (Rund)tanz, bei dem man sich singend begleitet‹; bildlich im Übergang zur Ütr.: ›Aufruhr, Kampf, Tumult‹; metonymisch: ›Formation von Tanzenden‹; generalisierend: ›Gemeinschaft, Gruppe von Personen, deren Zusammenhalt unterschiedlich begründet ist‹.Phraseme:
an den reien müssen
›sich einer unangenehmen Sache nicht entziehen können‹ (speziell als Metapher für das Sterben; vgl. f. mit weiteren Belegen); den reien ganz machen
›zum Zug kommen‹; js. reien springen / tanzen (müssen)
›nach js. Pfeife tanzen (müssen); jm. gehorchen‹; js. reien fürchten
›den Kampf mit jm. scheuen‹; zu dem reien genötet werden
›zum Kampf gezwungen werden‹; am lezten reien tanzen
›der Letzte bei e. S. sein‹; nach den alten reien springen
›Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen sein‹.Syntagmen
(teils ansatzweise phrasematisiert): j. den reien anfahen / aufmachen / füren / haben / lernen / springen / tanzen / verderben, ganz machen, im gras halten, in der stube tun, um das goldene kalb anstellen, mit Christus den reien füren / treten, jm. einen reien geben
; der r. js. sein, jm. verdries tun
; etw
. (Subj.) ein r. sein
; j. an den reien gehören, der blasebalg
(Subj.) an den reien läuten, j. an dem reien gehen / singen, den tanz an dem reien füren, sich an dem reien verhändeln, j. in einem reien tanzen, mit reien umschwenzen, freude / kurzweil mit einem reien haben, von reien viel freuden pflegen; der bestalte
›organisierte‹ / fröliche / kluge / schöne / singende / zünftige r
.; die schar des reien
.Wortbildungen:
reientanz
reitag
Belegblock:
Dornach sind sie wider in das Paulercloster gelawffen, doselbst dy bilde von den altarien [...] abegerissen [...], vorsehen uns auch, das es ein bestalter reyen gewest seyn soll.
Troͤste dich aber des, das du auch mit an den Reien gehörest dere, so in gemeinschafft des leidens mit dir gewest.
Sie
[Frösche]
koͤnnen sich auch nicht verzeihen / | Das sie im Graß nicht hielten reyen. Dis blaesbalch deit luden an den reyen.
Sie wurden alle auss der pfarre vor den rath geheischet; [...] der reyen thate dem volcke verdriss.
in dem meÿ, | [...] | mit singen furt man manchen clugen reÿ.
Die weiber uns entgegen giengen | Mit harpffen, paucken, thetten singen | An dem rheyen.
trieben aller kürtzweyl viel, | [...] | Etlich hetten reyen und täntz.
Wil gehn am marckt, nach einer [frawen] schawen, | Ob ich den reyen möcht machen gantz, | Villeicht geredt mir noch ein schantz.
Christus sprach: | Tü von dir venien und betten, | Du müst mit mir den raygen tretten.
Thuͦn ich vergifften iung vnd alt | Münch, pfaffen vnd auch leyen, | Das sie all springen minen reyen.
eben als het er ein geding mit got durch den ablaß gemacht [...], das er vff ein news mag anfahen den vorigen raien.
Tysbe, die muss an diesen Reyen | Will sie mit grossem Leyd erfrewen.
Stimmet euer Instrument zu Sammen | unnd macht auff einen frölichen Rëyen.
Costentz [...] | [...] | Bin Eidgnossen dorst nit bliben im veld, | Du forchtest iren reien.
Es ist ietz leider darzuͦ kon, | dass fast die ganz tütsch nation | muͦss danzen iren reien.
kain junger gesell soll kain frawenbild zu hochzeit oder raytagen zum wein fürn.
gebieten darumb den selben jungen ledigen gesellen [...] das die an dem tantz nit fraͤvelich schrien [...], auch ir dehainer deß der ray ist, us dem tantz faren, sonder beschaidenlich nach ain ander tantzen.
Gemanet mich vast daran, als [...] graf Gotfridt [...] im ussern schlosshof [...] den jungen leuten zuliess den raien zu springen.
Auf sontag [...] hat ain e. rat [...] verpieten lassen die abendtäntz, raienlieder [...] und alles spil.
nach dem essen haben sie ain klains dentzlin gethon, gar wenig raien, in der stuben.
Wer ist, die vor an dem raien fürt den tanz | [...]?
wolgezierter mai, | dein süss geschrai | pringt freuden mangerlai, | besunderlich wo zwai | an ainem schönem rai | sich mütiklich verhendelt hän.
,recht wie ich den menschen vind, | also richt ich fuͤr sich dar.‘ | stirbt er an dez raien schar, | so vint in got in uͤber muͤt.
muesten die leut allerlai tänz und lieder lernen, den drotter, fierltanz und raien.
Opitz. Poeterey
10, 17
; Adomatis u. a., J. Murer. Hest.
845
; Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
166, 1
; Voc. Teut.-Lat.
aa vijr
; Schweiz. Id. ff.
2.
›Tanzlied‹; auch allgemein: ›fröhliches Lied, Gesang‹; metonymisch zu 1.Phraseme:
js. reien singen
›nach js. Pfeife tanzen‹.Syntagmen:
den reien aufmachen / pfeifen / singen / vorsingen, auf dem seitenspiel machen
; der geistliche / himmelische / neue / vielstimmige r
., der beste r. in der welt
.Belegblock:
Diese Miriam, Moses schwester [...] singet dem Herrn auch ein dancklied mit paucken und Reigen zur danckbarkeit.
Singn auch jhr vielstimmige Reyen / | Jn Pfeiffen / Zithern / Lauten / Geygen / | Fein kunstreich nach der Musen arth.
ein monich von den barfußen orden [...] machte di beste lide unde reien in der wernde von gedichte unde von melodien.
Sie gehn zu dem Altar, Singen ein lied gegen einander oder einen Reyen.
ein jünger himelischer knab [...] hat [...] ein süsses seittenspil in seiner hant [...], und do machet er auf ein geistlichen reien.
wer hie mit leiden wirt gepeint, | des stimm in ewigkait erclingt, | ainen neuwen raien er vorsingt.
Peil, a. a. O.
664, 4952
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