reichtum,
der / die / das
;
-s/-Ø
oder
-er
+ Uml.
1.
›Wohlstand; großer (über den Durchschnitt hinausgehender) materieller Besitz, der mit einer sozial herausgehobenen Stellung einhergeht‹; auch: ›Reichhaltigkeit, Fülle, Überfluss‹;
der materielle Reichtum wird häufig als Gegensatz zum religiösen Reichtum (vgl. 2) gesehen; vgl. (Adj.) 4,
2
.
Bedeutungsverwandte:
(
das
1,
1
 1,  1,  1,
1
 1, ,  3, ,  1,  5, .
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
(den) r. ausdäuen / begeren / betrachten / erlangen (mit stelen) / erwerben / haben / meren / tragen / verachten / verschlinden, nicht ansehen / kennen, (jm.) mitteilen
;
(der) r. jm. zufallen, alles können, das wort ersticken, r. dum / krum, bein / grat, eine dürftigkeit, gabe gottes, gleich dem faulen holz, ursache zur sünde sein, r. wie das mos sein
;
dem r. dienen
;
j. sich ab r. gros achten, an r. abgehen / aufnemen / gedenken, auf r. sehen, etw
. (Subj.)
aus r. entspringen, j. durch r. zu dem reich gottes eilen, etw. für r. achten, in r. hoffen / leben / schweben / zunemen, sich in r. erheben / erhöhen, mit r. behaftet / behalten sein, nach r. streben, schinderei um r. treiben, von / wieder r. predigen, etw
. (Subj., z. B.
stätte
)
von r., von wegen des reichtums sein, j. zu r. aufkommen / kommen
;
die reichtümer der natur / welt
;
der eigene / ewige / grosse / kleine / überflüssige / unerhörte / ungerechte / unvergängliche / vergängliche / vorgehabte / zeitliche r
.;
der r. an geld / gold
;
die ansehung / begierde / betrachtung des reichtums, der got der reichtümer, die rede voller r
.;
die begierde zu r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1518
):
Man lißt, das sanct Paulus [...] selb von sich rumet, das seyne rede [...] voller reychtumbs aller kunst der weißheit erfunden.
Ebd. (
1519
):
Behuͤt uns vor dem grossen laster des geytzs und begirden der reichtummer diser welt.
armuͦt ist wie ein fincklin fewrs und das reychtumb wie das moͤr.
Ebd. (
1531
):
Ich bin nicht ein parteckenprediger, der do von dem bettelstab als von zeitlichem Reichtumb [...] predigte.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
206, 4968
(
Magdeb.
1608
):
Die andern ohn alle gefahr / | Jn Reichthumb leben all jhr Jahr.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der [hund] ist sînem herren alsô getriuwe [...] und er ensihet nicht an rîchtuom noch armuot.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
8, 18
(
Frankf./M.
1568
):
jenen / die in allerley pracht vnd zeitlichem Reichthumb schweben.
Ralegh. America ijr, (
Frankf.
1599
):
in betrachtung deß vnerhoͤrtẽ / grossen Reichthumbs an Goldt / so dieses Koͤnigreich [...] in sich hat.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Dz in der Natur viel dings verborgen liege / so sich endlich mit Verwunderung deren so die Reichthumb vnd den Schatz der Natur nicht kennen / zu Tage thun.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
41, 25
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
stete, di sint von grozem richtum und koufinschacz.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
das uns nach abgange der zeeitlichen
[sic!]
und vergenglichen die unvergenglichen und ewigen guter und richtümer mittegeteilt werden.
Opitz. Poeterey
55, 38
(
Breslau
1624
):
die in ansehung jhres reichthumbs vnnd vermeineter vberfluͤssigkeit aller notdurfft jhren stand weit vber den vnserigen erheben.
Reichert, Gesamtausl. Messe
27, 15
(
Nürnb.
um 1480
):
in allen unsernn eren, gewaldt und reichtuemernn sollen wir uns keynest erhoechen.
Sachs (
Nürnb.
1531
):
Plutus, der got, | Der ein got aller reichthumb ist.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
60, 29
(
els.
,
1362
):
Do huͦb sant Iohans an vnd prediete wider richtuͦm.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Gott vnd dem reichtum
[nd. Bibel um 1478:
schatte
;
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537 /
Luther
1545, Matth. 6, 24:
Mammon
]
múgt ir nit gedienen.
Goldammer, Paracelsus
5, 180, 21
(
1530
):
daß ir all euer reichtumb, gut, gelt, land, ehr ec mit stelen erlangt habt.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
wir wol ermessen moͤgen / das [...] dem gemeinen guͦt vorteil vnd merũg / gar wol daruß entstan mag / so die angehoͤrigen vnderthonen / in rychtumb vnd zitlichen guͤtern / mit eren zuͦ nemen.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Do gedachtend sy an die groß rychtuom, von deren sy vertriben und verjagt wărend.
Sappler, H. Kaufringer
19, 61
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
also ist der mensch behaft | mit reichtum und mit großem gwalt, | mit weltlichem lust manigfalt.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Ir veter die sahen an, das man mit reichtüm nicht pehalten werden mag; sie stunden von allem gut.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Die armut ist from̃ / die reichthumb dum̃ vnd krum̃.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die reichtüem, die si [vogel] verslunden habent, die habent si auz gedäut.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Sy wolten jn selbs zynns gesaczt haben zw reichthumb ires pundes.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
11, 17
(
tir.
,
1464
):
er hat nicht gehoft in die reichtum, aber er war gestërkhet in der krëfft des herren.
Ebd.
28, 22
:
Die menschen die irren in dem wëg, die da eilen zu dem reich gottes durch die reichtum vnd wolüst.
v. Tscharner, a. a. O.
47, 25
;
Reichert, a. a. O.
30, 4
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Heydn. maister
85, 20
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 162, 30
;
253, 2
;
265, 22
;
Bauer, Imitatio Haller
77, 17
;
Vgl. ferner s. v.  16,  1,
1
 1, ,  2.
2.
als
reichtum
metaphorisierte Überfülle von
gnade, huld, minne, weisheit, wissenheit
als Seins- und Wesensqualitäten Gottes; dem Menschen über diese Qualitäten zuteilwerdende Gnadengaben wie
ewiges leben, ewige seligkeit / freude
, auch
tugend
, verstanden als
geistlicher reichtum
; teils gehen die dem Menschen zugewandten Qualitäten Gottes und die von Menschen empfangenen Gaben ineinander über.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2, ,  3.

Belegblock:

sihe nu, wilch eyn ubirschwencklich reychtumb habe der Christlich glawbe, wilchem alle diße werck und leyden Christi zu eygen werden geben.
Ebd. (
1526
):
Das unser reichtum ynn gotts wort wol moͤcht ein meer heyssen gegen eym troͤpfflin, das sie [Propheten, Apostel] gehabt haben.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der sprichet aller schœneste von gote, der von der vülle des inwendigen rîchtuomes allermeist kan von im geswîgen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
256
(
pfälz.
,
1436
):
du armer mensch, dinen bettelsagk mach durch demütikeit breyt gegen got, jn dem alle richtüme ist.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
17, 15
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wo sint sie hin [...], die mit gote redeten, an im genade, hulde, auch reichtum erwurben?
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1355
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
wan swen deu sele den reichtum siht, | so urtailet si sich selber ze niht | und hot sich swecher den ain paht | ze / disem reichtum geaht.
Gille u. a., M. Beheim
111, 492
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Daz er uns mit armut dar umb | verdient den himlischen reichtumb.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Von einer Wund zur andern geh, | Die Reichthumb Gottes da beseh.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
[ware minne] git staͤtekait der tugend, ewiges leben, ewig saͤlikait, ewig vroͤde, rihtuͦm âne gebresten, minneklich geselleschaft.
Bauer, Geiler. Pred.
94, 3
(
Augsb.
1508
):
So er die ungrüntliche tieffe der reichtum / der weißhait / und wyssenhait gottes [...] betrachtet.
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 63
(
moobd.
,
15. Jh.
):
Die gnad pringt geistlichen reichtum. Der reichtum stet jn czwein dingen: zum ersten jn außsliessung der sund, zum andern jn allen tugenten vnd in allem güt, das got geben mag.
Jostes, Eckhart
89, 19
;
Quint, Eckharts Pred. .