regierer,
regnierer,
der
;
–/-Ø
.
1.
›Herrscher, Machthaber, Oberhaupt (eines Territoriums, eines Reiches, über jn.)‹; auch: ›Statthalter eines Herrschers‹; auch ütr. auf Gott bzw. speziell auf als (Ab)götter gedachte Himmelskörper wie
sonne, mond
: ›das gesamte Leben auf der Erde (insbesondere den Menschen) bestimmende, kontrollierende, lenkende Instanz‹;
Syntagmen:
got jm. r
. (Pl.)
geben
;
Paulus
(Subj.)
die teufel regierer (der finsternis) nennen
;
j. r. sein / werden, ein herre ein r. sein, j. als ein r. wachen, ein priester ein r. genant werden
;
jn. zu einem r. setzen
;
ein r. der finsternis / welt, des Burgunderlandes / volkes, der gotteshausleute / untertanen, der himmel und erden
(gen. objectivus),
ein r. des liechten glaubens
(gen. objectivus);
ein fürsichtiger r., die üblen regierer
;
der krieg der regierer
.
Wortbildungen:
regiererin
1 ›Herrscherin‹; auch als Prädikation der Jungfrau Maria (dazu bdv.: , 1; 2, ).

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
die weyl nit ein yeglich kind vom Adel Erbs besitzer und regierer sein sol [...], in den selben stifften
[die zu diesem Zweck gestiftet wurden]
mocht vorsorgt werden, und al da got frey dienen.
gleych wie Christus eyn herr und regirer ist des liechten glawbens, alßo nennett S. Paulus Eph. 6. die teuffell regirer dißer finsternisse.
also soͤl sich der fuͤrst vor den selben Rethen huͤten die do woͤllen, man sal in vertrawen. Dan sie woͤllen regirer sein.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Behude uns vor der helle; | Dann du bist dieser welt regiererynne | Und des hiemels ordeniererynne.
Gille u. a., M. Beheim
453, 90
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
man spricht, da der kaiser gieng ab, | Würd der Severus keiser, | regnierer und auss weiser.
Reichert, Gesamtausl. Messe
17, 15
(
Nürnb.
um 1480
):
Ein priester wirt genent durch sanctum Paulum ein kuenig, ein regirer und vorganger des volckes, von seiner heiligen erwirdikeyt wegen.
Sachs (
Nürnb.
1539
):
Wo das volck sey inn sünden lebn, | Thu in got böß obrigkeyt gebn, | Dem volck zu straff, ubel regierer, | Wütrichen unnd thyrannisierer.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
233, 13
(
Nürnb.
1548
):
Aber diser Herr [...] der ein zeytlang dem Teuffel / vnnd der blinden welt zusihet / das sie rumoren [...] der heyst Herr Zebaoth / das ist ein Herr der gantzen Creatur / vnd schoͤpffer / regierer / vnd fuͤrer / alles das odem hat / vnnd lebt im himmel vnd auff erden.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
7, 6, 9
(
Straßb.
1520
):
es nit guͦt sei wo fil herren seint / darumb ein herr sein sol ein fürst vnd regierer der himmel vnd erden.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
frau Margreten, die ain döchter kayser Maximilianus gewesen ist und ain regiererin des gantzen Niderlands.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Es ist lanng die gemain red gewesen, das [...] die grossenn pistumb und mechtigen stifft mit krieg der regirer und obristen vast geswecht und verdorbn sein.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1363
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Die sind vnselig vnd ir hoffenung ist vnder den toten die da wänten die regirer der werlt, als die sunne, der mon vnd dï sterne wërn ir götter.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Künig Arnulph het in Welschland zu ainem regierer und haubtman gesetzt seinen veter, herzog Beringer.
Dierauer, Chron. Zürich
270, 22
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Voc. Teut.-Lat.
aa vijr
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 472
.
2.
›j., der die (administrative) Leitung, Führung (z. B. einer Institution, einer Stadt) innehat, ausübt‹; speziell auch: ›Anführer, Vorsteher (einer Gruppe von Menschen)‹; dies auch auf religiöse Gemeinschaften bezogen und dann mit Tendenz zu: ›Lehrer, Anweiser‹; negativ konnotiert: ›Rädelsführer‹; anschließbar an 1;
vgl. 2.
Bedeutungsverwandte:
2, , ,
2
2, 3, ; vgl. 1, 1.
Gegensätze:
1.
Wortbildungen:
regiererin
2 ›Hausherrin, Vorsteherin des Haushaltes‹ (dazu bdv.: , ); 3 ›Lenkerin; Kontrollinstanz‹ (bezogen auf die
sele
; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
Da sihe nu, was das fur tolle lerer und regirer sind, die das iunge volck hyn und her ynn kloͤster zur keuscheyt zwingen.
Ebd. (
1525
):
wers mit gesetzen erzwinget von den unwilligen, der ist schon keyn Christlicher prediger noch regierer, sondern eyn weltlicher stockmeyster.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Dine sele ist also eine fuererynne | Dins libes und eine regiererynne: | Sij yn fuͤret, sij yn dreget.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
[Peter von Premen und Hainrich Trub] solich den burgermaistern und alten burgermaistern als den vordersten regierern diser statt merern mals anzaigten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1524
):
also waren irer etliche
[der Aufrührer]
regirer zum wein gewesen und hatten auch solcher sachen halben geredt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 155, 29
([
Augsb.
]
1548
):
die fraw soll wirtin sein und Regiererin / die magt aber gehorsamen.
Vgl. ferner s. v. 2.