1
regen,
V.;
zu
mhd.
regen
›sich regen‹
().
1.
›etw. (z. B. einen Körperteil) / jn. (physisch) in Bewegung versetzen‹; ›etw. / jn. bewegen, (zu etw.) antreiben, anregen‹; vereinzelt speziell: ›jn. berühren (mit der Hand)‹ (von Jesus Christus gesagt); ütr.: ›etw. erregen, hervorrufen; zu etw. führen‹.
Phraseme:
das maul regen
›sprechen, sich äußern‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 2; 6; 12, 3, , ; vgl. 1.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Sô grôz was daz ertbibben dô, | welch gebûde dâ was hô, | daz wart alsô geregit | und wankinde bewegit.
Luther, WA (
1528
):
das wort Gottes, wenn es gestrafft und verdammet wird, sollen wir verteydigen, auch mit gefahr leibes und lebens, die weil wir das maul regen kuͤnnen.
Ders., WA Bibel (
1524
):
Jch beschwere euch toͤchter Jerusalem [...], das yhr meyne freundyn nicht auffweckt noch regt
[
Mentel
1466, Hld. 3, 5:
macht zewachen
;
Dietenberger
1534:
wacker macht
;
Eck
1537:
machen entwachen
],
bis das yhr selbst gefellt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
82, 1216
(
Magdeb.
1608
):
Ein bunte Katz / zween kleine Hund / | Regten den schwantz / leckten den Mund.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
EJN altes Weib, die het viel Megd, | Die sie stets zu der arbeit regt.
Strauch, Par. anime int.
112, 35
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz erste [zeichin] daz di sele nidervellic wirdit an urin untugindin, alse ein alt gebuwe nider vellit alse man ez regit.
Opitz. Poeterey
48, 22
(
Breslau
1624
):
Das fewer pflegt die lufft zue regen | Durch hitzʼ auff jhren angetrieb.
Gille u. a., M. Beheim
44, 47
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wan ungesundr | wenig dar undr, | mit seiner hende | Was er [Jesus] sy regn | und macht sy gsunt.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
der nu lützel beine
[›Knochen‹]
duͦt in einen sag und in reget unde schüttelt, so toͤnet es me denne der in vol erden stiesse.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
kein Glied noch geleych kondte er bewegen oder regen, sonderen scheinete, als ob ein scheit Holtz mit kleideren angethan vmbher gienge.
Sappler, H. Kaufringer
30, 128
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
sie [die frawen] gnappent fast hin und herwider. | sie regent den ars und alle glider
(beim Tanz
gnapper
).
Henisch (
Augsb.
1616
):
wañ er [Affterreder] ein stücklein weist von jemand / so tregt ers in alle winckel / kutzelt sich damit / vnd thut jhm wol / das er mag eines andern vnlust regen / vñ vor den leuthen zuschanden machẽ.
Niewöhner, Teichner
434, 126
(˹Hs.
moobd.
,
1360
/
70
˺):
aber lug hintz hell regent | und ist hie der werlt unmaͤr.
Peil, a. a. O.
214, 5197
;
Barack, Teufels Netz ;
Vgl. ferner s. v. 5, .
2.
›sich (physisch) in Bewegung setzen; sich bewegen, rühren‹ (vorwiegend von Personen, auch von Tieren und teils von Gewässern gesagt); vereinzelt intrans. gebraucht; ütr. von abstrakten Bezugsgrößen: ›(verstärkt) zum Vorschein kommen, sich bemerkbar machen‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 1,
2
, 16; vgl. 1,
3
1.
Gegensätze:
.
Wortbildungen:
regen
(
das
) ›Bewegung (des Körpers)‹ (dazu bdv.: vgl. 1).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Daz regin sulchin smerz im bôt, | daz als sîn lîb vorsêrit wart | als er mit dornin wêr zuzart.
Dâmit der tûvil ouch vorswein | und Heinrîch dâ bleib allein, | der sich ouch nindirt regen | getorste noch bewegen.
Luther, WA (
1544
):
Hieraus solten wir doch auch lernen unserm unglauben feind werden [...], der sich allzeit in noͤten und fahr regt und bald an allem trost und huͤlffe verzweiveln wil.
Ebd. (
1536
):
wenn jr fuͤlet, das sich der zorn jnn euch reget [...], so sundigt nicht, sondern gehet jnn ewer kemerlin.
Ebd. (
1544
):
was seuffzet, sehnet, das lebt noch, was sich nicht regt, ist todt, wie Bapst, Mentz todt ist.
Ders. Hl. Schrifft. 
3. Mose 11, 21
(
Wittenb.
1545
):
das solt jr essen von Vogeln / das sich reget vnd gehet auff vier Füssen / vnd nicht mit zweien Beinen auff erden hüpffet.
Ebd. Röm. Vorr.
2265, 3
:
DArnach streichet er weiter aus die art der Sünde vnd des Gesetzes / wie durch das Gesetz die sünde sich nu recht reget und gewaltig wird.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
14, 8
(
Magdeb.
1608
):
Rands Aw bedeutet ein Aw vnd orth / | So am Rand vnd Vfer gelegen / | Da sich die fruchtbar Wasser regen.
Ebd.
677, 5349
:
[Er wolt] jhnen den paß verlegen / | Vnd alles was sich wuͤrde regen / | Fuͤr sich gentzlich allein erschlagen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
130, 2
(
Frankf.
1535
):
Sein [Trachenstein] krafft ist mechtig [...] so man jn nimpt vß dem drachen dieweil er sich noch regt.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Die Haußmagd war von stund bereit, | Wo sich die Spinn zu weben regt, | Mit einem Besem sies wegfegt.
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 10
(
Frankf./M.
1559
):
[Brissonetus] mocht [...] das selbig angeborn Adelich gemuͤt vnd hertz / so sich in jm regete / nit lenger hinderhalten.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Walvische, Got lobet nu | Und swaz sich in wazzer reit!
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1584
):
er kam gen Jerusalem, | Des regt sich die gantze gemehn, | Auff das gieng Er ins GOttes hauß, | treib wechßler vnd handthirer aus.
Pyritz, Minneburg
4394
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Mich dunket ez sy ein groß untat, | Wo ein mensche sin truwe hin legt, | Ob sich niht truwen wider regt | In yenes menschen synne.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
2, 21
(
Coburg
1626
):
er [ein Vogel] regt vnd schlegt in die leichte Lufft / treibt vnd zutheilet sie mit seinen schwebenden Fluͤgeln.
Bauer, Geiler. Pred.
469, 26
(
Augsb.
1508
):
die weil ain mensch allain ist / das er nymans umb yn hat so ligen diße fliegen still und regend sich nit.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3728
;
Barack, Zim. Chron. ;
Gereke, Seifrits Alex.
6654
;
Vgl. ferner s. v. 1.
3.
›etw. (vor)zeigen; aufdecken, ans Licht bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2.

Belegblock:

Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Wenn aber die jhenigen, die die pfenner von meins herren gnade gebracht haben [...] hervor gezogen wurden, wer die sindt, so mochte der rechte grundt etwas gereget werden.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
103, 6
(
schles.
,
1529
):
Gestanden hat in gehegtem dinge [...] der Ersam her Andreas fogeler, prister [...] vnd hat gereget einen volstendigen alden Scheppenbrieff ober fumff margk zcynss.
4.
›etw. gerichtlich geltend machen, vor Gericht bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 8, 3.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
vor dem [legat] dô brûdir Conrât | der lantmeistir regete | und in clage legete | daz unrecht.