redlichkeit,
die
;
-Ø/–
.
1.
›Anstand, Tugend(haftigkeit), Sittsamkeit‹ (als positiv konnotierte Charaktereigenschaft, die den gesellschaflichen Konventionen entspricht und so die Gesellschaft stützt; von diversen Bezugsgrößen gesagt); im Einzelnen: ›Bescheidenheit; Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit; Rechtschaffenheit‹ (vom Gemüt, vom Menschen allgemein); ›(Pflicht)treue‹ (von Untergebenen); ›Keuschheit‹ (von Frauen); ›Ordnung, Frieden; Beständigkeit‹ (von Gesellschaften);
vgl.  13.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. die r. gebrauchen / lieben / suchen, jm. r. wollen
;
die r
. (Subj.)
eine grundfeste des hauses, eine behaglichkeit der sele sein, jm. lieb sein
, [von wo]
fliehen, sich
[wann]
verwandeln, etw. machen / zeigen
;
j. der r
. (Gen.obj.)
dürfen / gebrauchen, gewis sein
;
das tier
(Subj.)
ane r. leben, j. ane r. sein, sich auf die r. verstehen, got durch r. loben, etw. durch r. erhalten, in r. leben, um die r. geschacht
›beraubt‹
sein, um seine r. jm. etw
. (Subj.)
geschehen, j. etw. wieder die r. tun, jn. wieder die r. verlassen, zu r. geschikt werden
;
die r. des gemütes, der diener
;
die alte / deutsche r
.;
frau r
. (Personifikation);
der weg der r
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
121, 22
(
Lübeck
1639
):
Der Diener Trew vnd Redligkeit ist eines Haus vnd Lands grundfest.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
17.
/
18. Jh.
):
weme also vil lude sint befolen zu regiren geistlichen oder werntlichen, der darf wol guder sinne unde redelicheit.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5179
(
rib.
,
1444
):
ich [...] hain vernomen | Dat vrowe Redelicheit quam dae her, | Der ich hadde sere grois beger.
Neumann, Rothe. Keuschh.
421
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wer aber zu unkuscheit gebet sich, | der wirt eime tyre glich, | daz ane redelickeit lebet.
Thür. Chron.
12v, 27
(
Mühlh.
1599
):
Aber nach seinem [Christus] Absterben verwandelt sich bald alle Redligkeit.
Gille u. a., M. Beheim
129, 79
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
den sy [frawn und hern] auch also wellen | Schnellikait, sterk und jugend | wal gesprech und ach gesunthait, | redlichait, resch, geredikait | und alles gucz vermugend.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
13, 15
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
so vindet er [...] das er sein czeit ubel vercert habe [...], sunder layder aller gerechtikeit, aller redlikeit, gleicheit, warheit und tugenten [...] ist gewesen.
Schorer, Sprach-Verd.
10, 6
(
wobd.
,
1643
):
Eines jeden Freundschafft zu erhalten ist vnmuͤglich / dieweil nicht ein jeder recht hat / noch die Warheit vnd Redligkeit liebet.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Aber die minnende kraft die muͦs wol ston in einem turste, aber die bescheidenheit und die redelicheit die fliehent dannan ab.
Behrend, Spangenb. Anbindbr. (
Straßb.
1611
):
Weiber nemen macht kein Mann: | Alter und Redlichkeit solchs kan.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
gunst, lieb, befürderung, vnnd alles, was mann zu Hoff von Glück zu hoffen hat, ehe durch ein zierliches Kleid als durch Redligkeit kan erhalten werden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1555
/
61
):
wer sein obrigkait liebt hadt, | Dem mittailt Got täglich sein gnadt, | Als graf Otto von Wittelspach | Umb sein redlichkait auch geschach.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 332, 20
;
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 723, 9
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
122, 2461
;
Neumann, a. a. O.
2091
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
324, 7
;
Wagner, a. a. O.
17, 43
;
Vetter, a. a. O. ;
Eichler, Ruusbr. steen
955
;
Moscherosch. a. a. O., Vorr. 8;
2.
›Rechtmäßigkeit; Gesetzmäßigkeit‹; auch: ›Recht, Gesetzgebung‹; metonymisch: ›Abgabe‹ (als per Gesetz festgelegter Tribut);
zu  4.
Bedeutungsverwandte:
, ,  2,  4,  4; vgl.
1
 2.
Syntagmen:
j. die r. niederschlagen
;
die r
. (Subj.)
abgetragen werden, dem streit geschehen
;
j. jm ane r. entsagen, in keiner r. gehen wollen, jn. mit r. halten, nach r. gestraft werden, etw. nach r. gebrauchen / haben / kaufen, sich um etw. mit dem rat nach r. verrichten
.

Belegblock:

Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
135, 22
(
preuß.
,
1437
/
8
):
do ist keyn dinst noch reddelichkeit geschen sind dem strythe.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
so sullen sy [...] bewisen, das der man ane ire wissenschafft entgangen sey, [...], unde sullen sich denne noch redelichkeit mit deme rate umb ir gelobde vorrichten.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Do sie das ie vernamen, das sie in keine redtlikeit nicht gehen wolten, do [...].
und die knechte ym thale arbeitende von yrer sole auch nach redeligkeit yren verdinst gehaben mogen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
Hat aber der stiffater des guts nicht nach redligkeit und nach dem, als das gelden mocht, nicht gekauft.
3.
›Vernunft, Verstand, Geisteskraft‹; speziell: ›Verstand des Menschen als Schlüssel zur (religiösen) Erkenntnis‹;
zu  7.
Älteres und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
j. (nicht mer) r. haben
;
die r
. (Subj.)
etw. beweisen, jm. zugeteilt werden
;
die idea
(Subj.)
eine r. geheissen sein
;
die wunderung nicht ane r. sein (mögen), j. zu r. kommen
;
die r. des witzes, der sinne
;
das liecht / werk der r
.

Belegblock:

Jahr, H. v. Mügeln
2179
(
omd.
, Hs.
1463
):
kein lon hett der geloube nicht, | wo redlichkeit bewiste das | des menschen, wie got drilich was.
Strauch, Par. anime int.
20, 2
(
thür.
,
14. Jh.
):
ydea ist alse vil gesprochin alse ein bildener geschaffenir dinge und ist ouch geheizin ein redelichkeit.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Do sie [tochtir] das gehorte, do stunt sie uff unde gyngk snelles gehns obir das musshuss hyn und ted, ap sie nicht mer redelichkeit hette.
Niewöhner, Teichner
576, 55
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
ich behielt in uff die wart | daz er kaͤm zu redlichait.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
42, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Die wunderunge enmag niht gesin ane die redelicheit.
Strauch, a. a. O.
42, 12
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Morgan u. a., a. a. O.
375, 8
;
4.
s.  2.
5.
s.  6.