rechtlos,
Adj.
– Rechtstexte.
1.
›mit einem eingeschränkten Rechtsstatus, mit eingeschränkter Bewegungs- und Handlungsfreiheit versehen‹; je nach Rechtsraum unterschiedlich ausgeprägt: ›ohne das Recht auf Ausübung rechtsrelevanter Tätigkeiten wie Zeugenschaft, Bürgschaft, Vormundschaft bzw. auf Ausübung öffentlicher Ämter, auf Besitz; ohne Zugangs- oder Aufenthaltsrechte, ohne Recht‹; differenziert nach Ursachen: ›geächtet aufgrund von Exkommunikation oder Bann‹; ›aufgrund richterlicher Verurteilung als Verbrecher der „geltenden“ Rechte verlustig‹; ›aufgrund unehelicher Geburt außerhalb üblicher Rechte stehend‹; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
r. sein / werden
; jn. r. erklären / künden
(objektbez. präd. Attr.), der rechtlose man, rechtlose leute
.Belegblock:
Swer vmme strazenrouͦp in de achte Cuͦmt, [...], der ist erlos, vnde rechtlos.
Ab eyn unelich man unde syne kinder adir eyn rechtelosz man syn erbe adir gut vorkouffen mag ane wedirsproche syner herschafft.
Etczliche lute sint rechtelosz, [...] also dy dy mit rechte yn des riches ban komen syn ader echte werden brocht.
Als du mit vrteyln vnd recht zu der mordtacht erteylt worden bist, also nym ich dein leyb vnd gute auss dem fride vnd thu sie in den vnfride, vnd kuͤnde dich erloss vnd rechtloss, vnd kuͤnde dich den voͤgeln frey in den luͤfften vnd den thiern in dem walde.
Rechtloser. iniurius.
Wiesszet auch, das pfaffen unnd weibe und rechtlose lewt kein fursprech muge gesein.
2.
›ohne Rechtsschutz und Rechtsbehandlung durch angemessene Rechtsprechung, ohne Unterstützung durch ein Gerichtsverfahren‹; Belegblock:
also die armen partheyen requisitionem und denegationem
[sic!]
iustitiae nicht beweysen können und dardurch rechtloß gestellt werden. welche personen ime fürbot gelt geben, denselben fürderlich und zue rechter zeit (damit niemand rechtlos gelaßen werde) furtagen und zu verkindigen.
Waͤr aber, das der kleger rechtloz gelassen wurd und daz kuntlich wurd, so mag er sin recht wol fuͥrbaz suchen.