1
rechen, auch sowie im späteren Frnhd.
2
rechnen rächen,
V., unr. abl.;
1.
›etw. (eine als Untat, Unrecht, Vergehen u. dgl. empfundene Handlung) bestrafen, an jm. übel vergelten; jm. etw. heimzahlen‹ (auf eine Handlung Bezug nehmend); absolut auch: ›Vergeltung üben‹; offen zu 2.Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
der tod
(Subj.) jm. sein leben rechen
.Syntagmen:
j. r
. (absolut); etw
. (z. B. den has / schaden / totschlag, den tod Christi, js. zauber, die schande / schmachheit / untreue, js. ere / schuld / tyrannei, blut und tod, das mord / unrecht
) r., j
. (z. B. Christus / got, das arge weib, die freunde / richter
) etw. (an jm.) r., etw. an jm
. (z. B. an dem helden / herzog / teufel, an den römern
) r., etw
. [wie] (z. B. billig / schwer, durch glaubens willen, mit unrecht
) an jm. r
.; j. zu rechen befel haben
; subst.: etw. ane alles rechen tragen
.Wortbildungen:
rächerin
rächung
1
recher
Belegblock:
Mitwoch den ersten Julii haben die feindt ihren erlitnen schaden rechnen wollen.
Vnrecht mit vnrecht rechen vnd straffen / hat Gott verbotten.
Gott wil sein ehr rechnen, ehr kan nit leiden, das sein ehr undergedrugkt werde.
damit sich Gott uns zu trost, den feynden zum schrecken erzeygt, [...], wenn wir angetastet werden, auff das uns nicht not sey zu zuͤrnen odder zu rechen.
Wiewol Gott solche schande seines geschepffs weidlich gerochen und die ehelosen redlich bezalet hat.
auch die jhenigen, so zu straffen und zu rechen befelh haben und recht dran thun, muͤssen jnn der fahr und sorge stehen.
Wo mans nicht thut i. e. illam sanctitatem uben, so wird Gott ein recher.
scharffe swerte in iren
[der
heÿligen]
henden Das die rechung thun in den geslechten die straffung in den leutten. du syest, sie wollen rechen nu: | mancherley ubbel gehet hude ubber dich!
sie [Oberkeit] ist Gottes Dienerin / eine Racherin zur Straffe / vber den / der boͤses thut.
Wie warst du [Jesu Christ] durchstochen, | [...] | Blutig war die gantze Stirn, | Meine schuld ward gerochen.
Wann ich bins der herr dein got starker recher
[Vulgata:
zelotes; Hs. W, 15. Jh.:
libhaber; Var. 1475
ein ewfernder liebhaber2
–1490: ;
ein starcker eyffererLuther
1540: / 1545, 2. Mose 20, 5:
EIN EIUERIGER GOTT]
: heimsuͦchent die vngankeit der vetter in die súne. Dorumb so verman ich fursten vnd hern [...] zuͦ rechen den vnsculdigen todt Cristi.
also das der erslagnen person naͤchsten fruͥnd untz in die dritten linyen des geslechttes den todslag rechen moͤgend.
darũb hoͤr auf so ich dir vʼgib
.
vnd du vnrecht tan hast / dañ du nũ mich für ein gerechten raͤcher leiden moͤchtest. si [diu wisel] ist gar ain witzigeu jägerinn nâch den mäusen und ist gar ain snelleu ræcherinn irs unrehten.
Sein seytten wil ich im durchstechen, | So wirdt im der todt sein leben Rächen.
das sie es [ir leyden] mit der weise truͦg [...] mit aͤinem vnderworffen willigen gemuͤte an alles rechen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1188
; Fellmann, Denck. Schrr.
2, 105, 30
; Munz, Füetrer. Persibein
307, 3
; Dict. Germ.-Gall.-Lat.
373
f.; Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 95
.2.
›sich / jm. gewaltsam (seltener auch: mit Worten) Genugtuung verschaffen, für sich selbst oder eine andere Person Vergeltung üben‹ (auf eine tatsächlich oder vermeintlich geschädigte Person, einschließlich sich selbst, Bezug nehmend); gelegentlich auch: ›jm. etw. Schlechtes zufügen‹; ›sich verteidigen, wehren‹; im Unterschied zu 1 weniger sach-, eher beziehungsbezogen.Syntagmen:
sich r., jn
. (z. B. seinen bruder / vater, die christenheit / frau / witwe, js. blut
) r., j
. (z. B. der bauersman, das volk
) sich r., sich
[wie] (z. B. gerne / heimlich / hoch / weidlich, mit gewalt / rede, mit werken
) r., sich an jm
. (z. B. an dem rosdieb, an dem volk, an den feinden
) r., got
(Subj.) sich, die christenheit an jm. r., j. jn
. [wie] (z. B. geschwind, von rechts wegen
) an jm. r., sich auf beiden teilen r., die untertanen
(Subj.) sich wieder iren herren nicht r. mögen
; subst.: argherzigkeit
(Subj.) mit rechen sein
.Wortbildungen
1
recher
der
), ˹richig
richlich
Belegblock:
Wer sich rechet der versichert sich / ist aber bey der Obrigkeit straffbar.
So gar gebeut das Euangelium, das wir keinem ubel widerstehen, uns nicht rechnen, nicht boͤses mit boͤsem vergelten.
Dis erzele ich nicht eüch zum hon odder spot (denn ich bin sonst allzu hoch an euch gerochen).
Du sollt nicht todten zorniglich, | nicht hassen noch selbs rechen dich.
wie ich zu meinem Leibe sage: Lieber Juncker, du woltest wol gerne stelen, huren, dich rechen etc. das du murrest, das kan ich dir nicht wehren, denn es steckt mir in der natur.
Das heist abr Eiffern / vnd sich rechen / | Durchs Feindes Hertz sich selbst erstechen.
In apocalipsi bitten die heiligen [...], wen doch gott einmhal ir blut rechnen an den tirannen und dis leben ein ende machen.
Von deme munde der kindelin vn̄ der sugenden hast tu din lop gemachet durch dine viende, daz tu zeustorest den vient vn̄ den recher
[
RachgirigenLuther
1545, Ps. 8, 3: ].
An manchem ort ich gschriben find, | Wie das die heiligen richig sindt.
Wir wendt die unschuldige fraw jetz rechen | Und die alten boͤßwicht mit steinen vertrechen.
(Wan) der pursman veriaget wirt, der wirt sich dan wellen rechen vnd das schwert begern.
do ward ain turner genomen gegen Zúrich, und sorget man das der ze heisslich und ze riechlich wurd.
wellicher sich hinfür partyet, vor und ec er sinen vatter, sinen bruder [...], die ein ander von rechts wegen zuͦ rächen hetten, sähe blüten, derselbig soll 27 ℔ verfallen sin.
wiber sint richliche thier, | Lichtlich sy nit verzigen mier.
Pfefferl, Weigel. Gn. S.
186, 30
; Sermon Thauleri
9ra, 19
; Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 272, 4
; Bastian u. a., Regensb. UB
132, 36
; 3.
in formelhafter Verwendung bezogen auf das Recht und die Pflicht, rechtlich für den anderen einzustehen, Vergeltung zu üben.Halem.
Phraseme:
erben und rechen
; rechen und versprechen
.Belegblock:
Welcher ein guͦtt ziechen woͤlle, der sol also nach gefründet sin, daß er ine ze erben und ze rechen heig.
soll dhein kuntschaft so von sippschaft so nôchverwandt were, dadurch sy einandren zuo rëchen und zuo versprechen hettind, uf des sächers begeren gestellt noch zuogelassen werden.
die trostung sich nit ferner erstrecken soͤlle, dann biß in das dritt glid deren, so ein anderen zeerben und zerechen hand.