rebe,
reben,
die / der
;
-Ø, -n/-Ø, -n
;
2-4 sind als Metonymien zu 1 auffassbar; 1 gelegentlich im Übergang zu bzw. schwer abgrenzbar gegen 2 und 3.
1.
›Rebstock, Weinstock‹; gelegentlich in Übertragungen und Vergleichen, die sich auf die Fruchtbarkeit der Frau beziehen; auch in biblischen bzw. religiösen Kontexten (u. a. im Anschluss an Mt. 20, 1-16), in denen der Mensch als fruchttragender bzw. fruchtloser Weinstock oder als Gegenstand göttlichen Wirkens metaphorisiert ist; hohe Wortbildungsproduktivität.
Zur Sache:
Heyne, M., Hausaltertümer
2, 101-120
.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, berichtende Texte, Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
, 1, ; vgl. 2.
Syntagmen:
die reben abhauen / anheizen / aufbinden / aufziehen / ausschlagen / bauen / bedecken / binden / düngen / einführen / einlegen / einschlagen / entbinden / erbrechen / erhalten / hacken / heften / hintragen / lesen / pflanzen / rüren / schneiden / setzen / unterstützen / verbrennen / ziehen, vor sich sehen, j. dem andern die reben abschlagen
;
die r
. (Subj.)
erfrieren, wein geben
;
j
. [Maria]
als eine r. fruchtig sein, wie eine r. vol trauben sein, ein weib ane man wie eine r. ane pfal sein
;
j. seiner reben acht / rechnung haben
;
unsere frau
[Maria]
sich einer r. gleichen, der frost den reben schaden, j. den reben das wilde holz abschneiden
;
x zweige in der r. wachsen, j. ein pferd in die reben treiben, eine grube mit reben auffüllen, feuer
(Subj.)
von den reben ausgehen, j. von einer jeden r. zu wandel verfallen sein, j. den weinzehent ab / auf / in den reben abrichten
;
die bedekte / eigene / gewere / starke r
.;
der trank, das gewächs der reben
.
Wortbildungen
(in Auswahl):
rebacker
,
rebasche
›aus einem verbrannten Weinstock gewonnene Asche‹,
rebauge
›Knospenansatz einer Weinrebe‹ (Gw zu 4),
˹
rebenarm
,
rebenast
˹
rebenbauer
(dazu bdv.: ),
rebenpflanzer
˺ ›Winzer, Weinbauer‹,
rebenleser
,
rebenmesser
,
rebenzaus
wohl ›Abfall vom Beschnitt der Weinstöcke‹,
rebenzinke
›gewundener Ausläufer einer Rebe, mit dem sie sich anschlingt‹ (dazu bdv.: , ),
˹
rebfeld
(dazu bdv.: ),
rebgarten
,
rebwerk
˺ ›Anbaufläche für Wein, Weinberg‹,
rebholz
,
rebknebel
›neuer Trieb an einer Rebe‹ (dazu bdv.: I, 3),
rebknecht
,
reblaub
,
rebmesser
(dazu bdv.: 1),
rebschnur
›Faden zum Anbinden eines Weinstocks‹,
rebschos
›Rebensetzling‹,
rebstecke
›Pfahl, Stange zum Anbinden des Weinstocks‹,
rebwurm
›Schädling‹ (dazu bdv.: ),
rebzweig
›Ableger eines Rebstocks‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Weinberg weingart räbfeldt.
Luther, WA (
1524
):
Deyn weyb wird ynn deym hause seyn | wie eyn reben vol drauben seyn | Und deyn kinder umb deynen tisch | wie olpflantzen gesund und frisch
(vgl. Ps. 128, 3).
Ders. Hl. Schrifft.
Hes. 19, 14
(
Wittenb.
1545
):
ist ein Fewr ausgangen von jren
[der Mutter]
starcken reben
[
Cranc
, 14. Jh.:
gerten
;
Mentel
1466 /
Eck
1537:
ruͦt seiner este
]
/ das verzehret jre frucht.
Struck, Joh. Pfannstiel
177, 15
(
mosfrk.
,
1547
/
8
):
Meynster Frantzen und syne(n) geseln, schniden die reben und bonden sye uff, 10 ½ alb.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
374
(
pfälz.
,
1436
):
ein wingarter büwet die reben, das er hoffenünge hat, das die reben jn künfftigen zyten wyne gebent.
J. W. von Cube. Hortus
136, 25
(
Mainz
1485
):
wiltu machen eyn guͦt seyffe [...]. So nym kalck [...] vñ rebe eschen.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
36, 3
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wiltu wein haben, der nicht bricht, [...], so brenne rebenholz zu asche, das von spunde gehet bis zum boden.
Ebd.
250, 14
:
Man zeucht die reben auf. Schneidet den wein.
Ebd.
251, 3
:
wann man die bedeckten reben disen tag aufziehe, so schade ihnen kein frost mehr.
Ebd.
252, 34
:
Die winzer und rebenbauern wollen den weinwax nach disem tage judiciren.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Falx putatoria Rebenmesser.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Nun zeuch dich hin gen Francken unbezwungen, | Do ler ich dich die reben hofflich dungen.
Bell, G. Hager
260, 1, 8
(
nobd.
,
1602
):
war zu ist [...] | Das Reb Holcz auf der Erden gut, | vnd auch Das Rebschos zware?
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
so soll der stat paumeister zwen zimmergesellen [...] rebsnür geben.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
, zu
1491
):
do [...] erfruren die reben allsammen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
der wingarter [...] besnidet sin reben daz wilde holtz abe.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ich sach vor mir ein rebe
[
Eck
1537:
rebstock
;
Luther
1545, 1. Mose 40, 9:
Weinstock
]
in der waren
.
iij
.
zweig gemechlich wachssen in den keimen: vnd nach den pluͦmen zeitigent die bere.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
ein reicher Man [...] wolt ein nuͤwen Rebacker machen, und ließ Stoͤck und Holtz als ußruͤten.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
capreolus, Reben zinck / krampff / od’ gaͤbli.
Clavicula, eyn raͤben zinck da mit sich die raͤbe anwicklet / an den pfal / oder stecken.
Traduces, Raͤbschoß / oder zweyg die man weyt von einem ort an das ander zühet.
Bigemmis furculus, Ein raͤbzweig / das zwey gleych vnd augen hat.
Malleus, Ein raͤb knebel / ein new zweig oder schoß an den raͤben.
Sirpiculum, Ein raͤbmesserlin / schneydmesser.
Vinetum, Ein raͤbfeld / weinberg.
Vitisator [...], Ein raͤben pflantzer.
Conuoluolus, Ein raup / od’ kleiner raͤbwurm / der sich in die raͤbbletter wicklet.
Rebenast / oder arm. Duramen, Duramentum.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
um 1400
):
ainem rebenleser 5 ₰.
Menge, Laufenb. Reg.
5602
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
spreit [...] | Da hin da der sieche lyt | Bletter von naturen kalt | Rebloube fälwen der gestalt.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Unser vrowe gelichet sich ainer rebun und sprichet: ,ich bin alz ain rebe frúhtig‘.
Leisi, Thurg. UB
7, 685, 2
(
halem.
,
1388
):
Won sy ǒch rebsteken bedurfent in den selben wingarten, daz sont sy ainem hofmaister verkúnden.
Boner, Urk. Aarau
198, 2
(
halem.
,
1395
):
Henman Ballit der rebknecht, wilent wonhaft ze Arow.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
, Hs.
n. 1400
):
wer dem andern dehein reben [...] ab slat, der sol vͥnser stat ewenklich verloren haben recht.
wie das si almende [...] vmb zinse verluͥchen hetten, vnd rebgarten [...] dar vß gemacht.
Swerent die, so niden vnd oben vsß vff das reͣbwerk geordnet sint zuͦ gand, [...] daz getruͥwlichen [...] ze besehen.
Dierauer, Chron. Zürich
192, 14
(
halem.
,
15. Jh.
):
das die lút ze tod erfrurent und fogel und tierli, und reben und nussboͤm, das mans absluͦg.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
898, 45
(
halem.
,
1492
):
der Schad von Zollikon sig [...] zuͦ im in sin hus komen und ein [...] rebmesser an henden getragen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
182, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dv wisheit, „ein geweruͥ reb, ist, die der himelsche vatter als ein rebman het gezwigot“.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
die vingen an das korn abmeigen, ouch boͤme und reben abhowen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die rebaugen Abstossen.
Rebwurm [...] der sich in die Reben wickelt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
der zeit
[sind]
noch wenig reben der enden am Necker gezeugt worden.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
v. 1499
, Hs.
1694
):
Wer ein wendstatt engt [...] mit [...] rebmzauß, daß man die wägen nit umbkeren möcht [...], ist zue wandl fünf pfund pfening verfallen.
Ebd. (
1571
):
die reben in den weingarten [...] nit anzuhaizen oder zu verbrennen.
Ebd. (
17. Jh.
):
welcher zu weingarten eim andern einen weinstock außgrebt oder außzeucht, der ist von einer ieden reben zu wandl verfallen zwelf phening.
Ebd. (
1466
):
ob ainer ain gruͦb austruͤg in seinem weingarten und dew mit reben wider ausfuͤllet.
Mieder, Lehmann. Flor.
884, 28
;
Kocher, Rechn. Schönenwerd
177, 79
;
281, 63
;
67
;
Schnyder a. a. O.
287, 14
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Dierauer, a. a. O.
75, 7
;
Wyss, Luz. Ostersp.
6958
;
Vgl. ferner s. v. 1, 3, 5.
2.
›einjähriger Trieb des Weinstocks‹.

Belegblock:

Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
Der Weinstock / aus welchem drey Reben wuchsen [...] bedeut die drey Orden Francisci.
Luther. Hl. Schrifft.
Hes. 17, 7
(
Wittenb.
1545
):
der Weinstock / hatte verlangen an seinen wurtzeln zu diesem Adeler / vnd streckt seine Reben
[
Mentel
1466:
schússling
; nd. Bibel 1478:
ranken
;
Froschauer
1530:
schossz
;
Dietenberger
1534:
zweig
;
Wormser Proph.
1527 /
Eck
1537:
rebzweig
]
aus gegen jm.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
162, 3
(
osächs.
,
1570
/
7
):
zu Ostern reumet man umb die weinstöcke, stecket pfähle und beuget die reben.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
38
(
Nürnb.
1517
):
die reb nit fruchtet, es sei dann, das sie am weinstock verharr.
Rebe / f. Ein Zweig eines Weinstocks.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô pis den milten reben arch und den argen milt.
3.
›Frucht des Weinstocks, Traube‹; metonymisch: ›Wein‹.
Bedeutungsverwandte:
3, ; vgl. .

Belegblock:

Skála, Egerer Urgichtenb.
224, 11
(
nwböhm.
,
1577
):
5 wochen In Wein pergen Reben geleßen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
daz ich ietzunt nit trinck von dem geschlecht der rebe
[
Luther
1545, Lk. 22, 18:
von dem gewechse des Weinstocks
]
.
vntz an den tag so ichs newer trinck in dem reich gotz.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
39, 40
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
grosser vortail, chlare sunn, | auf dem weg gegeben, | der opfer aus herzen chum, | fleust von himel reben
(›deren Opfer aus dem Herzen kommen, denen fließt vom Himmel die Rebe [des Heiles]‹).
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
lasen den wein ab, schnieden die reben ab.
4.
›mit Wein bebaute Fläche, Weingarten, Weinberg‹; Lexikalisierung der Pluralformen von 1, teils noch im Übergang zu diesem.
Überwiegend halem.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 2, 1, (
der
),
1
, , , ; vgl. ,
1
10, .
Syntagmen:
die reben bauen
›bebauen‹
/ besitzen
;
die reben
(Subj.) [wo]
gelegen sein, in js. haft / pfand / pflicht sein
;
jm. etw
. [eine Besitzung]
mit den reben übergeben
;
x acker / jauchert / tauwen reben
;
die eigenschaft der reben, das zinsgut der reben
;
die satzung um die reben
.

Belegblock:

Koller, Reichsreg. Albr. II.
225, 14
(
1438
/
9
):
das wir auch demselben Erhart Schencken [...] verlihen wollen funff acker reben zu Ehenheim.
Goldammer, Paracelsus
2, 58, 13
(
1531
/
4
):
daß ein iedlicher jauchart reben werd angesehen, was sein tragen sei durch das ganz land.
Schib, Urk. Laufenb.
167, 4
(
halem.
,
1489
):
alls danne [...] ir burgere [...] ettwas wingarten vnd reben daselbst zuͦ Loufennberg [...] costlichen gebuwen [...] haben.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1535
):
so denne acker, matten, raͤben [...] in niemands pfand, pflicht noch haft
(sind).
Ders., Gebiet Bern (
halem.
,
1603
):
Wölche aber ligende buwguͤter, räben, acker, matten etc. besitzendt, derselben jeder sölle järlich [...] von jeder jucharten buwlichen erdrichs 2 ß stüren.
Kläui, Urk. Hermetschwil
141, 6
;
Boner, Urk. Aarau
222, 8
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
736, 21
;
Welti, Stadtr. Bern ;
Merz, Urk. Wildegg
179, 13
;