1
raute,
die
;
zu
mhd.
rûte
›Raute‹
(); dies aus
lat.
ruta
›bitteres Kraut‹
(
Georges, Neub.
2, 4220
).
›Raute, Ruta graveolens L. (u. Ä.)‹; herb aromatisch duftende Staude, die in der frühneuzeitlichen Heilkunde vielseitig verwendet wird.
Zur Sache:
Marzell
3, 1552
 ff.
Gewisse Beleghäufung für Fachtexte.
Bedeutungsverwandte:
1.
Syntagmen:
die r. bauen / essen / nemen / sieden, mit öl / salz stossen
;
r
. (Subj.)
bekommen, zur speise gesund / lieblich sein
;
das kraut
(Subj.)
r. heissen
;
j. in die r. beissen, etw. mit rauten bestecken, die füsse mit r. reiben
;
die bittere / dürre / gebrante / grüne / wilde r
.;
der rauch von rauten
.
Wortbildungen:
rautenblat
,
rautenkranz
,
rautenkraut
,
rautensaft
,
rautensame
,
rautenstok
,
rautenstrauch
,
rautenwasser
,
rautenzweig
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1542
):
solche salsen von rautenkraut gehört auf den untreuen man.
Luther, WA (
1529
):
Das sol der tantz und sprung umbs feuer herumb sein und ein rauten krantz.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
35, 38
(
osächs.
,
1570
/
7
):
so nimb zu einen fuder wein 1 pfund rautensahmen gestoßen
(Rezept gegen vergorenen Wein).
Ebd.
92, 30
:
Nimb rautenzweiglein, stecke sie in die winkel des hünerhauses
(gegen Parasiten).
Gille u. a., M. Beheim
341, 27
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
mit aller hande krauten, | tementen, wal gmut, rauten | geit es gar süssen rach.
Sachs (
Nürnb.
1549
):
Ich wolts mit einr bernhaudt zu-decken | Und wolts mit grünen rauten bstecken.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
so sú [die wisele] stritet mit dem basilisco, so bisset sú in die bitter ruͦte und stercket sich dar mitte.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
215r, 7
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
nim bolayen somen vnd / trink jn in altem win vnd isse ruten bletter.
Ebd.
215v, 11
:
Ob dir die bain geswellint oder ser sint, so stoss ruten mit salcz vnd mit honig vnd salb dich.
Rautenstrauch [...], Ruti planta.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Galy [...] streit mit den slangen und wenne ez si überwindet, sô gizzet ez si und izzet zehant rauten dar nâch.
wer sicherleich an der stat well gên, dâ die slangen wonent, der schol sein füez reiben mit rauten und mit wermuot.
wenn si [frawe] [...] die tôten purt von ir treiben well, diu trink rautensaf.
Bastian, Runtingerb.
2, 24, 13
(
oobd.
,
1392
):
(So) aber sterben an den drwͤsen ist, so sol ich [...] alle (n)acht ain rawch von rawtten in meiner (ch)amer machen.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
50, 13
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
ravtten wasser ist gut zu der prust.
Ders., Gesundheitsl.
139, 26
(
oobd.
,
1520
/
30
):
so nemen ettliche rawten bleter, feygen, nüsse [...] vnd essen das für die pestilencze.
Ebd.
163, 26
:
Nuͤsse gessen mit feygen vnd rauten ist gut fuͤr alle gyfft.
Weitz, Albich v. Prag
146, 21
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
nym weyrauch vnd zerstoß den jn dem safft des krauts, das rautten haißt.
Deinhardt, Ross Artzney
14
(
oobd.
,
1598
):
Nimb ain rautten stockh mit wurz
(Rezept für eine Augentinktur).
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
259, 31
(
noobd.
,
1336
):
von den raͤuten, di Arnolt pavet daselben [...], auf Lebenszeit um 158 ₰ Heller.
J. W. von Cube. Hortus
90, 12
;
103, 28
;
Ermisch u. a., a. a. O.
22, 26
;
79, 2
;
126, 32
;
132, 21
;
Fischer, Folz. Reimp.
45, 123
;
Keil, Peter v. Ulm
93
;
100
;
Sudhoff, Paracelsus ;
Arndt, biechlin
A iijv
, 17;
Rauwolf. Raiß
59, 30
;
Haage, Hesel. Arzneib.
5r, 16
;
8r, 10
;
Schmitt, Ordo rerum
167, 30
;
Vgl. ferner s. v. 1, .