raunen,
2
raumen
(Letzteres seltener und graphisch zufällig),
V.
›flüstern, raunen, murmeln, leise sprechen‹; ›etw. leise, verhalten artikulieren‹; ›jm. etw. einflüstern, zuflüstern, eingeben‹; speziell: ›verschwörerisch auf jn. eindringen‹; ›(gegen jn.) lästern, jn. verleumden‹.
Bedeutungsverwandte:
, , 3, 1; vgl. , .
Syntagmen:
j. / etw
. (Subj.)
r
. (absolut);
(jm.) etw
. (z. B.
die gesetzede, das lob
)
r
.;
jm., dem fürsprecher r., in das or, zu den oren r
.,
jm
. [wie] (z. B.
heimlich / lateinisch / süssiglich
)
r
.;
mit jm., von e. S., wieder jn., zu jm., zu dem volk r
.; subst.:
r
. (Subj.)
ergehen / sein / werden, sich heben, jm. leid sein
;
jn. mit dem r. vergiften, jm. etw. mit r. sagen
;
das r. gottes
;
das heimliche r
.
Wortbildungen:
raune
1 ›Geflüster, Gemurmel‹ (dazu bdv.: 1, , subst., 5; vgl. 1); 2 ›üble Nachrede‹ (dazu bdv.: ),
rauner
1 ›j., der jm. übel nachredet‹ (dazu bdv.: ,
1
, , ); 2 ›juristischer Berater einer Partei‹ (vgl. ),
raunung
1 ›Geflüster, Gemurmel‹ (dazu bdv.: 1, , subst., 5; vgl. 1); 2 ›üble Nachrede‹ (dazu bdv.: ),
raunzen
›jammern, wimmern‹ (dazu bdv.: vgl.
1
, 2, , ).

Belegblock:

Luther, WA (
1529
/
32
):
welch ein [...] heimlich ratschlahen und raunen hub sich da!
Karnein, Salm. u. Morolf
471, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Zu ime saß das megetin, | sie rumet im in das ore sin.
Schmitz, Schiltb.
130, 25
(
Frankf.
1597
):
Der Schultheiß so neben dem Keyser wider sasse / raumet jm heimlich inn ein Ohr: Er wisse alles.
Feudel, Evangelistar
50, 18
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
dy eldisten runeten czu dem volke daz sy ledik beten Barraban.
Eggers, Psalter
91, 1
(
thür.
,
1378
):
Weder mich runeten alle mine viende.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Ey Katz, kanst du nicht rauntzen, | So bis du ein Gespenst.
Unger, Richtes Stig (o. O.,
1474
):
eft N unde ick van synen worden icht moge ane schaden drien gespreke umme yewelke rede, ruͦn unde radthalinge unde wandelinge hebben.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
do wart ein murmeln und ein runen uber den legaten.
Ebd. (
A. 15. Jh.
):
und sprach denne, der heilge geist hette ime dieselbe gesetzede gerunet.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
das villeicht neid vnd krieg [...] hinderrede raunungen
[
Luther
1545, 2. Kor. 12, 20:
ohrenblasen
]
[...] nit sein vnder euch.
Nit wird ein lesterer
.
noch ein rauner
[
Beheim
1343:
lesterer
;
Dietenberger
1534:
hadermacher
;
Eck
1537:
zanckmacher
;
Luther
1545, 3. Mose 19, 16:
Verleumbder
]
vnder den volcken.
Spanier, Murner. Narrenb.
6, 115
(
Straßb.
1512
):
Vnd vff der strassen niemans kumpt, | Der jm latein zuͦn oren rumpt.
Thiele, Minner. II,
13, 309
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Wer eynem stummen rümet | unnd wincket eynem blinden, | der hatt sich gar versumet.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
die andern sint die da runent und klaffent; denan wirt ôch der messe nit.
Schmidt, Rud. v. Biberach
40, 15
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Etwenne ret dvͥ sel mit got suͤzzeklich rvͥnende als mit irme aller liebsten gemaln.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
diu minne mit der gothait | begunde rounen, want ir was lait | daz rounen daz Leviathan | het mit Even getan.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei der slangen verstên ich die pœsen râtgeben, die ander läut vergiftent mit irm haimleichen raumen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Man hort ir
[Marias]
lob nicht raunen, | Di engel sungen uͤberlaut.
Gereke, Seifrits Alex.
2552
(
oobd.
, Hs.
1466
):
do sy chunig Allexander | sach rawnen mit ein ander, | im graust gar ser.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
ob ainer des nachts an aines nachtpaurn fenster lusnet oder raunet [...].
Große, Schwabensp. ;
Sievers, Oxf. Benedictinerr. ;
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
1264
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Lemmer, Brant. Narrensch.
78, 4
;
Schmidt, a. a. O.
35, 18
;
36, 2
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
903
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Rwb  ff.;