rauch,
der
;-(e)s/-Ø, -e
+ Uml.1.
›bei der Verbrennung fester Materie entstehender Rauch, Qualm‹; mit spezifischer Funktion bei der Konservierung von Lebensmitteln (beim Räuchern); in kultischen Praktiken speziell: ›Rauchopfer‹; häufig symbolisch-zeichenhaft für ›Feuer‹ (dies auch in verschiedene Richtungen ütr. sowie sprichwörtlich) und für ›Feuerstätte, Feuerstelle; Ofen‹ (vgl. zur speziellen Verwendung der Metonymie in wirtschaftlich-rechtlichen Zusammenhängen rauch
, der
, 2); in religiösen Kontexten häufig bezogen auf das ewige Höllenfeuer, auch als Symptom der dort zu erleidenden Qualen; bildlich und in Vergleichen (in einzelnen Belegen nicht eindeutig abgrenzbar gegen 4) für die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit irdischer Existenz und menschlichen Lebens; damit verbunden auch tropisch: ›Trug, Täuschung; leerer Schein‹.Phraseme:
mer rauch als feuer
›mehr Schein als Sein‹; im rauch dahinfaren
›vergehen‹; etw. in den rauch hängen
›etw. räuchern, durch Räuchern haltbar machen‹; ütr.: ›sich um etw. nicht kümmern‹, ˹vom rauch gehen, sich aus dem rauch machen
˺ ›sich (aus einer gefährlichen Situation) zurückziehen, sich aus dem Staube machen‹; jm. einen rauch vor den augen machen
›jm. etw. vormachen‹; jn. in den rauch verurteilen
›jn. zum Tod durch Verbrennen verurteilen‹; [einen Ort] im rauch gen himmel schicken, faren lassen
›einen Ort niederbrennen‹.Syntagmen:
den r. aufkeren / fliehen / sehen, aufgehen lassen, durch einen schlot / über das dach ausfüren, zu berge keren
; der r
. (Subj.) abnemen / aufgehen / aufsteigen / verschwinden / zergehen, bienen austreiben, am rost hängen bleiben, aus dem ofen gehen, durch das dach aufdringen, in dem haus rauchen, in die wolken reichen, sich in die höhe aufziehen, in die nase steigen, jm. in die augen beissen, über das dach schlagen
; etw
. (Subj.) wie r. vergehen
; etw. am rauch derren, j. / etw
. (Subj.) im r. hängen, die selen
(Subj.) im r. brennen, j. in den r. gehören, jn. mit r. ersticken / verjagen, fische mit r. bereiten, j. von dem r. weinen, krank werden
; der r. der liebe / qual / warheit
; der r. über die sünde, von dem ofen
; der dicke / feurige / hitzige / stinkende r
.Wortbildungen:
rauchachtig
˹, ˺ ›Rauchabzug, Schornstein‹ (dazu bdv.: , , , ),
rauchror
rauchstürze
rauchtrage
Belegblock:
9 ochsen im salcze, item 4 ochsen im rouche.
50 schepcz, dy in dem rauch hangen.
7 fird. vor 4 gelochte ofensteyne und vor eynen rochsteyn mit alzo vyl storzen.
das glymmende tocht, das noch eyn wenig brennet und mer rauch denn fewer da ist.
Ebd.
412, 9
: nicht allein ein rauch oder schein der Liebe [...] sondern ein rechter ernst und feur, das sich nicht leichtlich lesschen lasse.
wo uns ein wenig der rauch in die augen beisset, so ist freude und mut dahin.
Und henget die weil ynn den rauch dis ernst gestrenge gebot Gottes, damit er euch zu Schutzherrn uber das arme Deudsche land gesetzt hat.
die [Phariseer] maynten, sie wolten Got einen rauch für die augen machen, das er jren neyd und haß im hertzen wider den nechsten nicht sehen solt.
da gieng ein Rauch auff vom Lande / wie ein rauch vom ofen.
da tratt in dem pallas eyn heßlicher getwerch / des fleysch was also swartz / als obe er zehen jare jn dem rauch gehangen hette.
O deß armen Teuffels / der sich mit so kleiner Liechtsflamm vnd Rauch verjagen laͤst / das doch ein Kind außblasen koͤnte?
Der rouch der us dem ovyn get, der gerynt und blibit hengende an deme roste.
Ebd.
23, 17
: so ist do eyn wygerouchis vas bereyt [...], des rouch sich uf czut in die hoe.
So ein man fvir machen wil vnd die brende bleset, der wirt von deme rouche weinende.
und werden gequelet werden mit feur und schwelfel tag und nacht / und der rauch jhrer quahl wird aufsteigen von ewigkeit zu ewigkeit
(vgl. Offb. 14, 11). der grosse mann [Vlyßes] hertzlich gewuͤnschet / auch nur ein raͤuchlein so darauß [Jthaca] auffgienge von fernen zue schawen.
WO man new fewres. schmidess. odʼ new packoͤfen fuͤrneme vnd machte. so soll man den rauch durch einen steinen schlot [...] vber das dach außfuͤren.
das feur der lieb Christi ist so einer grosen macht, das auch die hertisten fels, ja wol die himel als der rauch davon zergin.
es sey mit hymel vnd erden [...] ein schlecht ding / den̄ es muß doch endlich zu aschen werden / vn̄ im rauch dahin faren.
Dort, deucht mich, seh ich einen Rauch | Vnd darzu eine Hütten auch.
davon erbütet men ime
[am Grab]
ere mit visitieren und den rouchgeben. Drey bischoͤff [...] | Hand sye verurteilt in den rouch.
Sie gehoͤren zuͦsamen in den rauch. | Da woͤllen wir sie
[religiöse Gegner]
roͤsten vnd bachen. das sy [fisch] an der sunnen getert und nit mit saltz und rouch bereit werden.
da si morgen das dorf gepluͤndret und im roch [...] gon himmel gschikt hattend, zugend si an die Ill.
Ir habit was wiß, schwarz, etlich blaw, | Brun, rouchfarw, tierfarw, eselgraw.
So ist mir weger ich gang vom Rouch / | Das mich das füwr nit ergryff.
1 hautt von einem frembden fisch, ist rauchschwartz auff beiden seitten gegen dem bauch.
Ebd.
1598
: Ein silberner sechseggeter zum theil vergulter [...] rauchkessel, dabey kein überdeckhel.
im innern tail des tempels waz der alter dez rauchz.
Ebd.
124, 8
: vor dem rauchtragen da gent vor die cherczentrager.
der selbig rauch der warhait der ist gar pald vergangen an gute frücht.
das leben der menschen das czerget als der rauch.
Schottenloher, Flugschrr.
98, 24
; Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Chron. Augsb. 4, 191, Var. z. Z.
7
; Winter, Nöst. Weist. ;
Moscouia
C 2r, 1
; 2.
›Herd, Ofen, Feuerstelle (als Zentrum eines Haushaltes)‹; ›Haushalt als abgabepflichtige Rechts- und Wirtschaftseinheit‹; Metonymie zu 1.Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen
(eigenen) r. haben / halten, im haus halten, nicht mer als x r. füren
, r
. [wo] (z. B. in der grafschaft / stat, in dem haus
) haben
; j
. [wo] mit r. sitzen / wonen, mit dem r. besessen / wesenlich sein, haus aufhalten, j. etw. von dem r. geben
; der eigene / haushabende r
.; x schilling von dem r
.Wortbildungen:
˹, (a. 1526), , , ˺ Steuerabgabe pro Haushalt in Naturalien,
rauchhaber
rauchhenne
rauchhun
rauchkorn
rauchwein
Belegblock:
Gleichmessig haben die von Frosen [...] daselbst Rauchpfennig einem Hochw. Capitell bei der Parhe [...] gegeben.
das eyn itczlicher eynen geringen firdung vom tisch adir vom roche czu vorschos [...] sullen geben.
wer wonet zu Drone uf der rechten vodigen, der is schuldich 3 honer, 3 fas habern und 2 sester rauchwins.
haben wir ime dieselbe sine lebtage zugeben zugesagt den rauchkorn und win zu Welen.
Leibsbeed, rauchhüner und dergleichen haben wir niemals geben.
Uf sant Martins tag gibt ein iede hofstatt dem hubhern 2 firntel rauchhabern.
Weres auch, das sich eins meisters sone hie zu Franckfurt setzen und das hantwerg triben wulde, der sulde [...] dem hantwerg zwey phunt wachs, zwey firtel wins [...] geben, so ferre er vor nit anderswo gewonet und eigen rauch gehalten hette.
Derhalben wir auß kraft der bäpstlicher wirde und desselbigen adels seines vattern rauchzöll oder betze einem yeden falter oder thor, stiegen, steg, brugken oder schreytsteynen ernstlich gebieten, [...] das gar kain häller noch pfenning von ime genommen werde.
Hat ein man eigen rouch, daz ist gemitte herberge, der heizet ouch besezzen.
ein iglich wirt zu Aurbach, der ein aygen haus hat, gilt von dem rauchen 2 hl.
ein jetlicher, der [...] mit sinem rouch waͤßenlich
[›ansässig‹]
sin wil, [sol] gelobenn und schwerrenn, der burgren der statt Zug lob, nutz und ere zuͦ fúrdrenn. der armen spinneren halb, welhe für sich selbs eigen rouch und für hat, die git ein vasnachthennen.
Aus jedem Haus, darin Rauch gehalten wird, fallen 3 Viertel Haber, 1 alte Henne und 1 junges Huhn.
Hertel, UB Magdeb. ;
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 25, 1
; Kollnig, a. a. O.
158, 40
; Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
180, 24
; Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
949, 1
; Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 680, 23
; Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. : 168, 6;
Pfälz. Wb. f.;
‒
Vgl. ferner s. v. .3.
›bei der Verbrennung von Heilkräutern bzw. beim Auskochen entsprechender Stoffe entstehendes Gemisch aus festen und gasförmigen Partikeln; das einem Element zugeordnete Aerosol‹; für Inhalation, Desinfektion u. dgl.Gehäuft fachliche Texte.
Phraseme:
von e. S. einen rauch machen
›aus etw. ein Aerosol bzw. ein lösliches Pulver herstellen‹.Bedeutungsverwandte:
.Belegblock:
Das gumme [...] fast styncket so man eyn rauch do von machet.
Ebd.
80, 20
: Den ravch in die nasen gelaissen benympt [...] den snoppen.
Für das keichen nim Arsenicum / vnd lege den auff gluͤend kolen / vnd laß den rauch in dich gehn durch einen trechter.
Ebd.
180, 9
: sein [Agstein] rauch hilfft denn schwangerenn vnnd vertreibt die schlangen.
Ebd.
182, 14
: Welche fraw den rauch laßt vnden auff gehn / der treibt todte geburt auß / vnd reyniget die mutter.
und enzunte denne das [ein versamenunge von dem aller edelsten krute], und dannan ab wart ein suͤsser roͮch als ein nebel.
der ander weg der practic wird durch auswendig arznei gebraucht mit reuchen und balsamen.
Der rauch vom salpeter, sulphure, mercurio, der macht fallen, derselbig treibt das hirn, ein brinnender rauch.
es ist wol ein geschickte weise in der practik, das solch pharmaciren vorgang der schmirbung oder dem rauch oder dem holz, auf das sie dester leichter ir würkung rüwiglich verbringen moͤgen.
mach ein roͮch von lignum aloes.
(So) aber sterben an den drwͤsen ist, so sol ich [...] alle (n)acht ain rawch von rawtten in meiner (ch)amer machen.
4.
›Dampf, feuchte Luft‹; speziell: durch Luftfeuchtigkeit bedingte Phänomene wie: ›Dunst‹; ›Nebel‹; auch: ›Wolke‹; mit Bezug auf den menschlichen Körper: ›bei der Verdauung entstehende Gase‹; ›Ausdünstung‹; ferner: ›Atem‹; ›Hauch, Anhauchung‹; mit negativer Tendenz: ›Ansteckung‹; metonymisch: ›ansteckende Krankheit‹; ütr.: ›negativer Einfluss, Anfechtung‹.Syntagmen:
der dicke / dünne / erdische / hellische / klare / trübe / wäsrige r
.Wortbildungen:
rauchig
Belegblock:
All Knecht vnd Maͤgd erwachten auch / | Den noch sehr jrrt vom wein der rauch
(hier: ›alkoholischer Dunst‹). Sus verswant der sunden rouch, | Daz sie liezen allen haz.
Wil er im selb nit rumen, | So muos er in min hinder loch, | In ainen gar stinkenden roch.
Pestilenz, bül, platern, [...] | [...] sant Töngen rouch gang dich an!
Fürwar der rauch | Des inribel
[›Teufel‹]
| Ist nit so snel. dar umb slâft der mensch gern von rauchigem ezzen, als knoblouch, pfarr, aschlouch.
der rauch, der auf gêt von dem magen in daz haupt, betrüebt die gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken.
ez scheint uns auch der himel in mangerlai varb [...] dar umb, daz die räuch zwischen uns und den himeln mangerlai geschickt sint, dünne und dicke, klâr und trüeb, wäzzrig und erdisch.
sô diu nâtûr den vergiftigen rauch niht wol auz getreiben moht, sô versêrt er daz herz und erstekt den menschen.
5.
›Geruch‹; vereinzelt: ›Geruchssinn‹; speziell mit positiver oder negativer Konnotation: ›Wohlgeruch, Duft‹; ›Gestank‹; ütr.: ›Ruf, Leumund‹; auch: ›Urteil; Strafe‹.Phraseme:
jm. einen bösen rauch machen
›jn. in Bedrängnis bringen‹.Belegblock:
Mist komt auch vom Adel
[vgl.
adel2
]
/ vnd kan doch nicht als ein boͤsen Rauch machen. Da ich im Blut vnd ingeweid / | Der todten Thier / must schendlich mehren / | Vnd mich des rauchs nicht kont erweren.
Ebd.
639, 4162
: DAs Spanisch Weis Fehnlein macht auch / | Den Froͤschen einen boͤsen rauch / | Mit seinen starcken Katzenbogen / | Davon geschwinde boltzen flogen.
So geneußt der veiol nicht seiner schönen farbe, seines reichen rauches.
der rauͤch, der von yme (phyrsiche) kommet, der stercket daz hertze.
Er liess in auff henken vil hăch, | das in der ubel stank und rach | nit anschmeken pegünde.
Ebd.
291, 291
: auch | ist fluch und rauch | gangen | auff dy slangen.
wer dise vijentliche stat der boͤser vihelicher lust in uns getoͤtet in aller unordenunge, so wúrden wir ein also suͤs roͮch Gotte.
Jr toͤchtern von Hierusalem | Bewaint mich [Jesus] nit, klagt ewer stemb | Sagt in
(vgl. Lk. 23, 28). [= ihnen]
den rauch über ir sind [›sprecht über ihre Sünden das Urteil‹]
| Den sy dann litten vnd ir kindCircis nim an den alten gouch, | Im thuͦt noch worlich wol der rouch
[hier: ›Essensgeruch‹],
| Schmeckt nach der kuchi wie ein hundt. Ich khan noch machen bösen rauch | Dem Creütz.
der rauch irer marter wirt auf riechend ewenklich.
obsolere ,verriechen, sein geschmack und rauch verlirn‘.
nardus seinen rauchen geit | mit smagkhafter / güete.