ratze,
ratte,
die / der
;rat,
raz
.1.
›oft in der Umgebung des Menschen lebendes Nagetier der Gattung Ratten (Rattus)‹; ein typisches (aber nicht zwingend vorhandenes) Merkmal des Körperbaus ist ein kaum behaarter Schwanz, der länger als der Rumpf ist; in den Belegen werden ratzen
mehrfach als Schädlinge dargestellt; auch als abwertende Bezeichnung für Menschen gebraucht.Syntagmen:
die ratzen finden / sehen / töten, (durch gift, durch katzen) vertreiben, im haus haben
; jn. r. heissen
; eine ratze
(Subj.) fressen / zerkiefen, jn. plagen, die ratzen hinwegkommen / verschwinden,
[wo] sein / sitzen, junge ausziehen
›gebären‹, jm. sorgen wecken, etw. zu leide tun
; ratzen als gros als hunde
; die grosse r
.; die vertreibung der ratzen
; pulver für ratzen, ein haus vol ratzen, ein langer schwanz von einer r
.Wortbildungen:
rattenauge
rattenfänger
rattenkönig
rattennest
rattenpulver
rattensalbe
rattenseiche
ratzengeld
ratzenlewe
ratzenmaterie
ratzenzagel
Belegblock:
verwunder dichs nit, lieber leser, daß du hie wilde und unflätige thierer sichst, als ein wolf, sau, bock, hunt, katz, schneck, rattenkönig und hörest sie zu unsern zeiten reden.
sonderlich der grosse Ratten koͤnig zu Rom mit seinem Judas beutel, der ist erst der geltschlund, so unter dem namen Christi und der Kirchen aller Welt guͤter zu sich gerissen.
Sicut in Italia edunt ratten, frosch
(auch zu 2 stellbar).
Rom aber ist drey mal geschleifft [...] und nu ein Rattennest worden des Bapsts und seiner Cardinal, des Teuffels heimlich Gemach.
Ebd.
282, 26
: die verdammen und verfolgen uns darumb, das wir nicht wollen meuse und ratten aus uns machen lassen, die ungetruncken essen, oder nur die eine gestalt
[des Abendmahls]
nemen wollen. Ideo stell dich, wie du wilt, heis mich hund, katzen, ratzen, maus, nihil curo.
Dabey auch noch gefunden ward / | [...] | Ein Auge von der schwartzen Katzen / | Ein langer schwantz von einer Ratzen.
[eyn heßlicher getwerch] Syn ougen stünden yme dieff jn syme heubte / als ratten ougen.
Victril mit gestossen glas vnd honig gemischt / daraus kloͤtzlin gemacht / die gelegt da vil ratten sind / toͤdtet alle die das essen.
[Der Zanbrecher] Hab auch gut Salbn / fuͤr Floͤhe vñ Leuß / | Auch Puluer fuͤr Ratzen vnd Meuß.
Nol (imetangere)
[historische Bezeichnung von Geschwürerkrankungen, insbesondere für Formen des Hautkrebses]
socht von ratten sechen (›Krankheit, die durch Berührung mit Rattenurin verursacht wird‹).
So man auch die großen ratten, mäuse ohne schaden von den bödemen vertreiben wil, so nehme man den huf von den mauleselin.
Etlich
[Schuhe]
geformt sein wie die kegel | Und etwen vil wie raczenzegel, | Den merern teil wie leberwürst. Ach, Armut, du kanst nichts nit geben, | Denn ein ellend hartselig leben. | [...] | Ein höltzen hauß vol ratzn und meuß, | Zerrissen gwandt, vol flöch und leuß.
Er [beltz] steckt aber vol flöh und leuß, | Auch haben mirn die ratzn und meuß | Hinden umb den ars gar zerkiffet.
in denselben [Lumpen] thut man finden | Allerley vnaußgwaschene binden, | Arschwisch, Pflaster, auch Flöh vnd Leuß, | Jung Ratzen, Würm, Schaben vnd Meuß.
Uff dye zitt hand mir dye ratzan und dye flüg vyl zu lyad dun in dysem jar.
Ratzen / oder rattenfaͤnger [...]. Qui prend les rats.
und sind da [ynsel Thana] als gros ratzen als die hund.
Das ich aber widerumb uf die ratzenmateria kom [...], ain wunderwerk Gotes, so sich in gleichförmiger gestalt vor vil jaren mit vertreibung der ratzen in der statt zu Hammeln [...] begeben hat.
Arsenick / operment / ratten puluer / maͤußgifft / auripigmentum, arsenicum.
Sein gesind, das mit im [Commodus] erzogen, stätigs umb in gewesen und gewont (so kaiser Licinius meus, ratzen und schaben hies), hat in verfüert.
2.
›Siebenschläfer, Glis glis‹; ein nachtaktives, mausähnliches Nagetier; auch als Gattungsbezeichnung (Übersetzung für glis
) im Sinne von ›maus- bzw. rattenartiges Nagetier‹, wobei Ratten und Siebenschläfer wohl als Unterarten betrachtet werden, daher nicht immer eindeutig von 1 abgrenzbar.Wortbildungen:
ratzenstal
Belegblock:
Ratz oder Ratt. Glis, gliris. Ratzenstall. Glirarium oder ein ort da man Ratzen zeucht.
Ratz / ratt / rellmauß [...]. Vn loir, vn rat Glis.