rasen,
V.
›außer sich, von Sinnen sein‹; mit unterschiedlichen Nuancierungen im Einzelnen: ›unsinnig reden oder handeln‹; ›sich ungestüm, wild bewegen‹; ›toben, wüten‹.
Bedeutungsverwandte:
,  23, ,  2, (V.) 12,  2, ; vgl.  5.
Wortbildungen:
rasejare
(Pl.) ›die wilden Jahre in der Jugend‹, ˹
raserei
,
raserie
˺ ›Tollheit, Zerstörungswut; krankhaftes Toben, Tollwut‹ (dazu bdv.: ,  1,  3, , , , , ),
rasig
(dazu bdv.:  3, ).

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
Daz ymand je
[s.
jehen
1]
, ich rase | Und umme sust verblase | Beid den odem und di luft.
Luther, WA (
1524
):
haben viel grosser trefflicher leute darynne gefehlt [...], wissen den Mosen nicht zu predigen, [...], sind unsynnig, toͤben, rasen und wuͤeten, plaudern yns volck.
Ebd. (
1527
):
Ich hab es selber gesehen und erfaren, wie toll, rasig und unsynnig sie [die tollen leute] waren.
Ebd. (
1543
):
Hiemit ist aber von Gott selbs verdampt all jr verstand, [...], als eitel wansinn, blindheit, raserey.
Ebd.
10
:
Ein rasend mensch mus rasen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
also daz lude huben an zu danzen unde zu rasen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Proculus, ein heidenscher meister, nemt es [dis gemuͤte] ein slaf und ein stille und ein goͤtlich rasen.
Es dunket si ein raserige sin und ze mole ein affenheit.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
wanne in allen widerparten ist rassen und kriegen, vigentschaft, nid und has, hochfart und zorn, daz alles dotsünde ist und in die ewige helle gehoͤrt.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
weil die Jugend in solchen Raase⸗Jahren viel Kinderbossen vnnd Thorheiten begehet.
Enders, Eberlin (o. O. [
1522
]):
das so grosse vnd herrliche menner also tobten vnnd roseten über soliche vnachtsame sachen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
[nieswurz] benimt auch den siehtum, der melancolia haizet, daz haizent die Dürgen râsen, wenn ain mensch mit im selber redet gämleicheu dinch.
Voc. Teut.-Lat.
aa iiijr
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ; ;
Rosenqvist, Frz. Einfluß.
1932, 194
.
Vgl. ferner s. v. .