rüssel,
der
;
–/-Ø
.
1.
›am Kopf befindliches Körperteil zum Greifen und zur Nahrungsaufnahme‹; je nach Tier: ›Rüssel‹ (des Elefanten); ›Schnauze‹ (des Schweines); ›Schnabel‹ (von Vögeln); ›am Kopf befindliches Greifwerkzeug‹ (z. B. von Ameisen, Fliegen und Hummeln).
Bedeutungsverwandte:
1
4, 2 (beim Elefanten), 1, 1, ; vgl. , 3, 1.
Syntagmen:
den r. auftun / besudeln, bei der kele haben, einen r. wie ein schwert haben, j. den r. (eines schweines) ab dem rücken schlagen, etw
. (Subj.)
r. heissen
;
eine spange an dem r. hängen haben, mit dem r. etw. aufheben / ausgraben, mit dem r. auf etw. einstossen, die spitzen
›die Hauer eines Wildschweines‹ (Subj.)
über dem r. durch das fleisch wachsen
;
der r. des schweines
;
ein aufgetaner / scharfer r
;
die spitzen über dem r
.
Wortbildungen:
rüsseln
1 ›die Erde mit dem Rüssel aufgraben‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1531
):
eben wie der schendlichen Fliegen, die [...] den russel und fusse daselbst wol besuddelt haben.
Schmitt, Ordo rerum
347, 3
(
omd.
,
1466
):
R(o)strum snabel ruͤsil.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Die saw grinn und ir zäne wetzt | [...] | Stieß mit dem rüsl auffs güßpret in.
Maaler (
Zürich
.
1561
):
Ruͤssel (der) oder schnotz eines Helffants.
Dict. Germ.-Gall.-Lat. (
Genf
.
1636
):
ruͤsseln / mit dem Maul die Erde auffgraben wie die Schwein.
Müller, Stadtr. Ravensb.
171, 11
(
oschwäb.
,
1361
/
5
):
Es ist ouch gesetzt, daz si
[Metzger beim Wiegen von Fleisch]
[...] den ruͤssel und daz houpt [von ainem swin] ab dem ruggen schlachen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die jungen elephanten habent die art, wenne der alt vellt, sô hebent si in auf mit irm slauch, der haizt ze latein promuscides und ze däutsch slauch oder rüezel.
Gereke, Seifrits Alex.
6640
(
oobd.
, Hs.
1466
):
von den amayssen ich euch sagen will, | [...] | fein gold sy aus der erden graben, | [...] | mit irn ruesselen durich die nacht.
Pfeiffer, a. a. O. ; ;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
100
.
2.
pejorativ für ›Mund‹; seltener für ›Nase des Menschen sowie personal gedachter Größen‹ (z. B.
vom teufel, von Belial
); häufig herabsetzend gebraucht.
Belege ab dem 16. Jh.
Phraseme:
seinen rüssel wohin stecken
›seine Nase in js. Angelegenheiten stecken‹;
den r. auf js. leben wenden
›seine Schandschnauze auf etw. richten‹ (z. B. auf js. Leben).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
3, (
der
) 1; 2, ; vgl. ,
1
, (
der
) 1, 1.
Syntagmen:
j. den r. besudeln / wetzen, wieder jn. keren, der teufel den r. in js. sünden sudeln
;
j. mit dem r. rüren, etw. schmecken, jn. / etw. treiben, jm. etw. um den r. schlagen
;
der schändliche / unsaubere r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
wendistu deynen russzel und rachen auff meyn
[Luthers]
leben, dasselb tzu schenden.
Ebd. (
1530
/
2
):
so frage in aller Teuffel namen und stecke deinen ruͤssel, ich weis wol wohin.
Ebd. (
1545
):
ein solche Hummel ist dieser Sebastian Franck, [...], denn da kreucht er allen Frawen in den hindern und treibet zusamen mit seinem schendlichen Ruessel alles, was der Teuffel jemals boeses von den Weibern geredt oder durch sie gethan hat.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
Mala bestia in spelunckis, | Thabes kühmaulque et munckis, | Bengelque sub schulter et lendes | Facit dein rüsel hie loquentes!
(ein Segen; spöttisch).
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
So wil ich mein Püschel Schlüssel | Ihm schlagen vmbs Maul vnd Rüssel.
Ukena, Zuger Trag.
3574
(
halem.
,
1598
):
Mitt meinem rüeßel ichs [BELIAL] gschmeckt hab.