quelle,
die
;
-Ø, -n/-n
;
quel,
qual,
der
;
zum Genuswechsel vgl. .
›Ursprung eines Wasserlaufs; Quelle‹; auch: ›Wasserstelle; Brunnen‹; häufig poetisch; ütr. und generalisierend: ›Ursprung, Ausgangspunkt (z. B. natürlicher Verläufe, sozialer Handlungen, psychischer Haltungen)‹;
Bedeutungsverwandte:
1
9, 4 (zur Ütr.), 1; 3, (
der
) 1; 2, ,
1
6, 7, , , .
Syntagmen:
die q. haben / versiegen / verstopfen
;
wein eine q. aller laster sein, huren q. aller ketzerei sein, jn. als q. des volkes rümen
;
die q
. (Subj.)
sich auftun, wasser bringen, aus der ader springen, bei dem herzen liegen, sich wohin austeilen
;
der q
. (Dat.obj.)
iren flus benemen
;
jn. aus der q. laben / tränken, j. etw. aus der q. trinken, etw
. (Subj.)
aus der q. fliessen, wasser
(Subj.)
aus der q. dringen, sich bei der q. erquicken, sich bei den quellen ergehen, sich in die q. senken, zu einer q. kommen, wasser zu den quellen laufen
;
die q. des irtums, der ermanung / gütigkeit / heiligkeit / ketzerei / lere / liebe, des hellischen feuers
;
die beschlossene / böse / frische / grosse / innerste / lebendige / liebliche / rechte / unerschöpfte / unreine / verborgene / verderbte / ware / warme / wesenliche quelle
;
das wasser der q
.;
der behalter ane q
.
Wortbildungen:
quallechtig
›schwallartig; mit der Wucht einer Welle‹,
quelgeist
›schöpferischer Geist Gottes‹,
quelwasser
›Wasser einer Quelle‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1635
):
die grüne See geht auf, die Quelle springen gar | aus ihren Adern auf.
Luther, WA (
1521
/
2
):
mit huͤlff und radt der verachten, unverschempten huren tzu Loven, Paryß und Coln, sampt yhren lieben schwestern, welche bruͤnne und quelle sind aller yrthum und ketzerey auff erden.
Ebd. (
1526
):
Wenn nu einer den hat der also alle ding erfuͤlt, der hat mehr, denn die gantze welt hat. Denn er hat die rechte quelle, nicht ein loffel vol.
Ebd. (
1528
/
9
):
hie [...] nimet er sonderlich fur sich das Erste gebot zuhandelen, denn aus dem fliessen als aus einer quelle und folgen die anderen gebot alle.
Ebd.
700, 34
:
So haben die Propheten one zweiffel so viel schoͤner Predigten daraus
[dem Psalter]
auch genomen und jre Zuhoͤrer aus diesen lieblichen Quellen gelabet und getrencket.
Ebd. (
1535
/
6
):
Abraham ist ja der hoͤheste Man unter allen denen, so die Juͤden konnen rhuͤmen als das Heubt und quell odder Stam und wurtzel des gantzen Volcks.
Ders. Hl. Schrifft.
Hos. 13, 15
(
Wittenb.
1545
):
Der HERR wird [...] jren Brun austrucken / vnd jre Quelle
[
Mentel
1466 /
Wormser Proph.
1537:
vrsprung
;
Eck
1537:
adern
]
versiegen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
In dem innersten quelle dâ quille ich ûz in dem heiligen geiste.
Dedekind/Scheidt. Grob.
171, 24
(
Worms
1551
):
Beim hertzen ligt (ist klar vnd hell) | Ein lebendige warme quell / | Natürlich hitz es nit verlat.
Perez, Dietzin
1, 317, 30
(
Frankf.
1626
):
Wein / dessen Mißbrauch ein Quell vnd Vrsprung aller Laster vnd vngluͤcks ist.
Böhme, Morg.R.
145, 14
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Die holdseelige Liebe / welche ist der fuͤnffte Quell-geist in der Goͤttlichen Kraft.
Ebd.
146, 9
:
der [Lucifer] erhub sich und druckte sich so hart zusammen mit seinen legionen / daß das suͤsse quell-wasser in ihm vertrocknete.
Opitz. Poeterey
23, 14
(
Breslau
1624
):
Es ist zeit hienauß zue schawen / | Vnd sich bey den frischen quellen | Jn dem gruͥnen zue ergehn.
Bell, G. Hager
422, 1, 21
(
nobd.
,
1595
):
kamen zu einem qual be reit, | Der bracht wasser al zeit.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
JEsu du Qual der Guͤtigkeit.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1529
/
30
):
der Byrsich, so durch unser statt Basel flüst, unversechenlicher gstalt gewachsen und angangen, [...] muren und grosse gebüw gwaltigcklich nidergerissen; darzuͦ mit mercklicher und grosser ungestuͤme by dem Eselthurn quallechtig harin getrungen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Do wurt der burne getruncken uz sime eigenen grunde, uz der waren wesenlichen quellen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
als ich mich bei der nechsten Quelle erquicket hatte, gienge ich getrost fort.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Nach dem selben qüal | Kom von dem gepirg | Ain tyer ungehirg | Auch zu dem waßer gann.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1961
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein weisse schachtel, darin [...] antiquitetische waffen [...], so durch das wasser einer quell auß der erden geworffen und niemand wissen kan, wo es herkumbt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
521, 462
;
631, 3905
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2151
;
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch ;
Böhme, a. a. O.
145, 15
;
146, 6
;
Gille u. a., M. Beheim
20, 82
;
Fischer, Folz. Reimp.
43, 274
;
Menge, Laufenb. Reg.
2738
;