punkt,
punct,
punt,
der
, auch
das
;
-s
, auch
-en/-e(n)
;
zu
mhd.
punct, punkt, punt
›Mittelpunkt, Zeitpunkt, Umstand, Abteilung, Stück, Artikel‹
(), dies aus
lat.
punctum
›das Gestochene, der Stich‹
(
Georges
2, 2086
;
Kluge/S.
1995, 655
).
1.
›ein durch Stechen hervorgebrachtes oder stichähnliches Zeichen, Tüpfelchen‹; ütr. ›Kleinigkeit, Geringfügigkeit‹.
Wortbildungen
punkteisen
›eisernes Stechwerkzeug‹ (a. 1483; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Des vreud und sin valscher schin | Ist sam eyn cleynes punctelin | Und recht als eyn ougen blik.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Manch ley durch die ding wirt gemest | Mit puncktlin der er vor nit west.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
dis ist also ungelich und also kleine das hievon ist gesprochen, also einer nalden puntelin gegen dem grossen himel.
Cirurgia H. Brunschwig
21rb, 33
(
Straßb.
[
1497
]):
du setzest den ersten puncten od’ stich mitten in die wunden.
Plant u. a., Main. Naturl.
293rb, 2
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
danne dc ertriche alle samēt vn̄ ein sterne ist als ein punctel gein dem himel.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz man einer nadlen púntli nit moͤhti han gesetzet an minem durmarterten libe ane sin sunderlich minnezeichen.
das ǒge ist als ein púntli gegen den himel.
Schmitt, Ordo rerum
445, 6
;
Rot
343
;
Eckel, Fremdw. Murners.
1978, 59
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 147
;
Öst. Wb.
3, 1412
f.
2.
›Punkt als Schriftzeichen in der Buchstaben- und Notenschrift‹, meist Schlußzeichen eines Satzes, einer Periode.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
15, 8
(
Frankf./M.
1568
):
Mit Versalen / Puncten vnd Zuͤgn | Daß sie zu der Truckrey sich fügen.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Man sollt auch dise drey lautte allweg zaichne, das mans recht wiste zulesen, dan auch in andern sprachen, als der Juden, haben etliche buchstaben ainen verenderte laut oder stim, auß zusetzung der puncte.
Das man aber solches feyn verstentlich vnd ordenlich, setzen, reden, oder lesen vnd verstehn kön, so soll ain yedes tail der perioden, Colen vnd Comaten mit ainem punct oder gemerck verzaichnet werde.
Jörg, Salat. Reformationschr.
38, 30
(
halem.
,
1534
/
5
):
Underricht der puncten / von wegen merers verstands dem laͤser.
Ebd.
39, 18
:
so zů zytten man ettlich wort / vil anzogen werden muͤssend kurtz schryben wil / so schrybt man nun / das wort halbs / oder den anfang / und stellt man darzů zwen solich : puncten.
Schmitt, Ordo rerum
135, 30
.
3.
›Ort, Stelle, Fixpunkt; Anfangs-, End-, Mittelpunkt‹, meist in der Astronomie und Geometrie; auch ütr.

Belegblock:

Strauch, Par. anime int.
104, 12
(
thür.
,
14. Jh.
):
di sele ist ein punc oder ein ecke, da sich ane stozit zit und ewikeit.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
65, 6
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Sy tun keyn groz dink odir kouf noch keynen markt wen noch den puncten der sterne.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
biß sie [Sonne] an dem Mittage den hoͤchsten Punckt (den sie in ihrem uͤblichen Lauff / denselben Tag erstaigen kan) beruͤhret.
und das abstehen deß punckts dessen winckel wir suchen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Wan sy [erde] der werlde center ist, | Eyn stetes punct zu aller vrist.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
7, 2
(
noobd.
,
1347
/
50
):
In dez mittel ist ain puncte, davon alle lengen gefuͤrt an dem umbkraizze geleich lank sint.
Ebd.
36, 29
:
die viertail des tyrkraizzes, die sich anheben an den vier puncten.
Brévart, a. a. O.
7, 5
;
16, 23
;
27, 24
;
40, 28
;
49, 15
;
56, 7
.
4.
›Zeitpunkt, Moment, Augenblick‹.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
12504
(
rib.
,
1444
):
In desen punten sach ich eyn schiff | Zo male grois, dat up dē mere dreiff.
Strauch, Par. anime int.
18, 15
(
thür.
,
14. Jh.
):
ez wart ouch in deme puncte der zit gesprochin in der foreinunge gotlicher und menslicher nature an einer personen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz was sîn edeliu sêle von dem puncte, daz daz geschach.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
46, 13
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen ymant geborn wirt, so schribit man das jar und den tak, di stunde und das punct der gebort unde di czit des monis.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
weiset auff minut genaw / den punckt der commutation.
Gille u. a., M. Beheim
142, 34
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Kain stund ist ader kain puntlein, | in der ich nit dy guter dein | pin nüczen nach erheben.
Vetter, Schw. zu Töß (Hs.
15. Jh.
):
wer es icht lenger geweret umb ainen puncten, sy wer an der stat zersprungen.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Die súnder vertryben in gůtten tagen und wollusten ir zeitt und werden in die hell ver senckt in aim puncten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
sô denne der môn komen ist unz an den punkt seins undergangs.
5.
›Abschnitt, Absatz, Artikel eines Schriftstücks‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, .

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3503
(
rib.
,
1444
):
Dese punten waren sus geschreven | In die amalieringe der schellen even.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1462
):
meistere ind broidere zor selver zijt alle puncten [...] in dat amptzboich haint laissen zeichenen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1374
):
zu dem andern male stont der vurgenant ritter unde fragete di scheffen von der herren wegen, unde irmanete si gar ernstliche unde uf den eit, daz si irzelten unde sageden von punten zu punten unde von stucken zu stucken.
Köbler, Ref. Franckenfort
39, 17
(
Mainz
1509
):
das in den Testamenten sunder clauselen vnd puncten gesetzt werden.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
wir die burger [...] globen und gereden [...] alle obegeschreben stucke ponte und artickel feste stede und unverbrochelichen zu halden.
Knape, Messerschmidt. Bris.
27, 30
(
Frankf./M.
1559
):
des Koͤnig Nicomachi auß Cipern / volmechtige botschaft / mit allem gewalt vnd nothwendigen friedstands articuln vnd puncten / gnugsam abgefertigt.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1699
):
versprechen wir für uns unsere erben [...], dass allen obbeschriebenen puncten und clausulen nachgekomben werden solle.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
um 1400
):
die vorgenanten brief, alz die da gezaichent sind, die er uns nu sol geben und vernewen, sullen steen und beleiben in allen artikeln, puͤnten und maynungen.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
287, 31
(
schwäb.
,
1393
):
daz sol in allez kain schad sin an dehainen vorgeschriben sticken, pungten und artikeln.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 99, 3
(
schwäb.
,
1506
):
Nachfolgende punkten haben sich unsere lieben voröltern miteinander zu halten verainigt.
Anderson u. a., Flugschrr.
16, 7, 16
([
Augsb.
1522
]):
Die weyl ich aber auß der selben pu͂cten vnd artickeln seines verstands / anders nit befinden vnd ermessen kañ.
Welti, Urk. Rheinfelden
189, 71
(
halem.
,
1436
):
Es sollent ouch hinnanfür me dehein stette in diser ordenunge begriffen dise vorgenanten puntte vnd artickele nit abelassen noch endern.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
ob etlich me puncten dan̄ obbestimpt sind / in recht von einicher parthie angezogen würdē.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1439
):
dŷe vorgeschriben hantveste und privilegi in von dem vorgenanten unserm herren und ennen gegeben mit allen punten und artikeln, die darin begriffen sind.
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 73
(
moobd.
,
15. Jh.
):
Der artikel besleust jn jm zwen punckt.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1420
):
Ain puͤchlein, ist zaubbrey vnd vil klains pungtlein dar inn.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
das di nu hinfurpas in allen iren stucken, puncten und articln bei creften beleiben.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
266, 26
(
1438
/
9
):
daz dieselben syne brieve und privilegia nu furbasz mer ewigklich in allen iren puncten, clauselen, artikelen, begriffungen und meinungen stete, veste und unverucket beliben.
Skála, Egerer Urgichtenb.
112, 15
(
nwböhm.
,
1573
):
Peinlich vf 3 Punct gefragt.
6.
›Sache, Angelegenheit, Problem; Diskussions-, Gesichts-, Stand-, Streitpunkt, Einzelheit‹.
Phraseme:
von punkt zu punkt
›punktweise‹.
Syntagmen:
p. austragen / beschliessen / handeln / merken
.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
de waz sere wider dat sacrament, und mer boser punt.
Rosenthal. Bedencken
20, 16
(
Köln
1653
):
S. Augustinus sagt noch weiters zur widerlegung dessen / was Crocius in diesem vnnd vorigem Puͤnctlein vorwendet.
Jostes, Eckhart
67, 8
(
14. Jh.
):
Daz ander punt der waren minne ist alzo, daz wir so mehtig und kreftig ietzund sein in uns.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Von disen drin puncten wellen wir nû sprechen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1524
):
aber man saget der rechten pünt nicht.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
100
(
Nürnb.
1517
):
Wo du aber befindest seine werk der schrift in allen und ieden puncten durchaus einformig, so gloub, das er der breutigam sei.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
124, 16
(
Nürnb.
1548
):
Aber es ist auff diß mal gnug / weil ich sonderlich disen punct hab woͤllen handeln.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Nu were von diser hohen wúrdekeit drú púntelin zů sagende.
Andreae. Ber. Nachtmal
40r, 3
([
Augsb.
]
1557
):
als ob er ain Papist widerumb worden waͤre / der so hefftig wider sy in disen punctē gestritten.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
merk noh ainen puncten.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 50
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
Nvn begere ich, das du mir sagest von dem andren puncten, was goͤtlich gnad si.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
daruff [...] wart ein concily geordenet gon Basel, do uszůtragen nemblich drige puncten, die da swerlich anligen der heiligen cristenheit.
Heidegger. Mythoscopia
52, 5
(
Zürich
1698
):
Aber diser punct ward nicht gern gestanden.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Sy machen new glos über ettlich punct heiliger schrift.
Bastian u. a., Regensb. UB
461, 33
(
oobd.
,
1378
):
der sol dann den brief auch sweren mit allen puͤnten staͤt zů halden mitsambt uns on geverd.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
77, 27
(
mslow. inseldt.
,
1604
):
Sagen demnach Andres Nußtorffer vnd APollonia herrn Sigmund SPiglern vnd śeine erben wegen obbeśchriebenen Puncten gut frey vnd ledig.
7.
bedeutungsverwandt zu  1.