pergament,
das
;
-(e)s/–
;
außerordentlich hohe Schreibvarianz: initiales
p-
neben
b-
(letzteres seltener), in der ersten Silbe
-e-
neben
-i-
(letzteres deutlich seltener), drei Silben (etwas seltener) neben zwei Silben, final
-et, -ent, -en
; keine schreibgeographische Regel erkennbar;
vereinzelt volksetymologische Umdeutung (ohne unmittelbar einsichtiges Umdeutungsmotiv) zu
bergwand
(dazu
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 221
).
›Pergament, enthaarte, kalkgebeizte, mit Bims geglättete Tierhaut, die vorwiegend als Beschreibstoff verwendet wurde‹; in einer Reihe von Belegen metonymisch in Richtung auf ›Buch, Handschrift aus Pergament‹ verschoben.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
6, 1886/7
.
Syntagmen:
(das) p. fegen / haben / kaufen / linieren / zubereiten, jm. p. geben / zustellen, p. aus etw. machen, ein p. an eine ram spannen
;
p
. (Subj.)
etw. kosten, p. wieriger sein dan papier
;
etw. auf
(seltener:
ein
)
p. schreiben
(häufig)
/ malen
(mehrfach)
/ legen, etw. auf p. stehen, etw. an (ein) p. malen, sich an p. keren
›auf Geschriebenes vertrauen‹,
einen brief an p. maligen / schwächen, etw. von p. machen, etw. vor
(›für‹)
p. ausgeben, etw. in (ein) p. einbinden / schreiben, wie ein p. geschoren (sein), briefe an p. malig / schadhaft / gebresthaft / verlezt / unvertilgt / unbeschaben / ungebresthaft (sein / werden)
;
kälbernes / kleines / reines / schönes / totes / unvermasigtes / vergüldetes p
.;
blat / haut pergamentes
;
buch auf / in / von p., abschabung von p., antiphonarium von p
.
Wortbildungen:
pergamentbrief
,
pergamentbuch
,
pergamenthaut
,
pergamentmacher
,
pergamentschabet
›Schababfall der Pergamentherstellung‹.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
250, 22
(
preuß.
,
1568
):
1 gradual von pargamein genotirt, 1 antiffinarium von pargamein.
Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
M. 16. Jh.
):
Bürger, welcher ein Pargamintemacher.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Membranarius, ein Pergamentmacher.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
12742
(
rib.
,
1444
):
de mich duchte drain | Spijse up perkement gelacht.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
die heilige schrifft, | Die uff permente geschrieben | [...] ist.
Thiele, Minner. II,
31, 593
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
hastu dinten end permit, | so schrif an als ich dich bit!
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
etliche sommen geldes [...], die doch nit in das perment verzeichent [...] sin.
Laufs, Reichskammergo.
212, 21
(
Mainz
1555
):
setzen wir, daß nun fürhin [...] die acta nicht uff bergamen, sonder uff papier geschrieben oder, so sie uff bergamen geschrieben, daß [...] die partheyen mit uberflüssigen kosten derhalben nicht beschwerdt werden sollen.
Struck, Marienst. Wetzlar
570, 93
(
hess.
,
1400
):
16 engl. vor eyne hued pergamentes unde hantfestin czu schriben.
Alberus CCr (
Frankf.
1540
):
Membrana, ein haut darauß man pergamen macht. [...] In Pergamo [...] ist die kunst pergamen zumachen erfunden worden. [...] pergamenbůch.
Lehmann, Rezeptb. A
746
(
pfälz.
,
1470
):
nẏm ein viertel bimß, da man daz berment mit feget.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
26, 8
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dy pfenninge dy macht man von permynte, das ist geslissin von der nidirstin borkin eynis mulbomis.
Turmair (
Nürnb.
1541
):
Daselbst seind noch gesang und lieder, auf pergamen nach alter weis und art geschriben, vorhanden.
Sachs (
Nürnb.
1565
):
die pildwerck, so da stent | Auf papir oder pergament.
Ebd. (
1565
):
Span auf die ram ids fel alain, | Schabs darnach, mach perment daraus.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Wer git mir des himels breit permit, des mers tieffi ze tinkten [...], daz ich volschribe min herzleid.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
reht als da man ain bermit an aine ram spannet, also stůnt er an dem crútze gespannen.
Rohland, Schäden
493
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
leg dar uff [...] [wunde] berment schabend.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Den mantel [...] den bring mit dir vnd die bůcher: wann allermeist das permůt.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
carten: das worent birmentbriefe do nütschet an geschriben stunt und doch versigelt worent.
Golius (
Straßb.
1579
):
Membrana deletitia, palimpsestus, pergament das man abwüschet was darauff geschriben ist / als da seind die Eselsheut darzů bereittet.
Glatz, Chron. Bickenkl. (
önalem.
,
um 1640
):
ein rein, unvermasget pirgement.
mit disen soltu schreiben an das berment eines reinen gewissens alles, das die gnadt gottes in deinem gaist wirkt.
Leisi, Thurg. UB
5, 189, 29
(
halem.
,
1347
):
ain gesunder brief, an bermint und an gůter schrift unvertilgot und unbescaben.
Ebd.
8, 101, 28
(
1393
):
ainen [...] ungebresthafften brief an geschrifft, an pirmit, an sillaban, an bůchstaben.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 225
(
halem.
,
15. Jh.
):
waͤrint alle sternen schriber vnd der himel permit.
Maaler (
Zürich
1561
):
Eselhaut (die) Pergamēnt dareyn man schrybt vnd widerumb durchthůt anders daryn zeschreyben / Schreytaͤfele.
Lymer / Der papyr oder pergament vnd der geleychē / auff einandern leymbt oder pappet. Glutinator.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
268, 8
(
schwäb.
,
1386
):
ob der brief aungeverd gemaulget oder geswechet wuͤrde an pyrmit oder an geschrifft von wůrmen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1396
):
fünf huͤte permicz da man die abschrifft unser fryhait prieff uff schraib.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Gleich ob er [mund] mit prisiligen rott | Vff ain pirmet sey gemalt.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
es sol ein notarius nemen, was das bermet kost und zwifeltig als vill zü lone.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
er sollte im alte brief, die nit mehr zu gebrauchen, und ander perment zustellen, darauss wellte er im den leim zurüsten.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Bergament / pergamen / membrana, à Pergamo Asiæ urbe.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
358
(
Genf
1636
):
Pergamentbrieff / m. Chartre, qui se dit plus coustumierement en pluriel, les chartres, Charta.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ain schæffenz vel wirt nümmer guot ze pirmet noch kain vaizteu haut.
Bastian u. a., Regensb. UB
309, 19
(
oobd.
,
1367
):
Meinen vier suͤnn all ander mein hab [...] allen meinen hausrat, vederwat, pergmant, hausgeruͤst.
Chron. baier. Städte. Mühld. (
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
dar umb sol er [statschreiber] der stat dienen mit der veder ze schreiben, darzuͤ man im genuͤg pirmait sol geben.
Gereke, Seifrits Alex.
7158
(
oobd.
, Hs.
1466
):
sein varib und sein gesicht gar, | sein form und sein gestalt | er genczlich auf ain pemet malt.
Weitz, Albich v. Prag
137, 18
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
nym die abschabung von dem piermet vnd misch das mit ayrclar.
Deinhardt, Ross Artzney
90
(
oobd.
,
1598
):
so schneidt den poner auf, als weit der bruch ist oder weiter, vnd sez perment darüber.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1624
):
von hundert pergameen- und coperthäuten.
Bömer, a. a. O. ;
Kollnig, Weist. Schriesh.
107, 14
;
Foltz, UB Friedb. ;
Schmidt, Frankf. Zunfturk. ;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob ;
Thiele, Chron. Stolle ;
v. Tscharner, a. a. O.
41, 18
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Niewöhner, Teichner
629, 38
;
Bihlmeyer, a. a. O. ; ;
Kurrelmeyer, a. a. O. ;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Hauber, UB Heiligkr. ;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
ders., Statut. Saanen ;
Joachim, Marienb. Tresslerb. ; ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 275, 12
;
552, 31
;
Vock, a. a. O.
364, 27
;
Bastian, Runtingerb.
2, 46, 14
;
Mollay, Ofner Stadtr.
423, 21
;
Schmitt, Ordo rerum
160, 22
;
Bremer, Voc. opt.
23008
;
Voc. inc. teut. s
vijr
; t
iijr
;
Alberus
C iijv
;
Mylius
G 4r
;
H 4v
;
Giustiniani, Adam v. Rottweil
1987,
A92;
Sanford, Wb. Berufsbez.
1975, 97
;
West, Dasypodius.
1989, 347
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ; ;
Vorarlb. Wb.
1, 292
;
Öst. Wb.
2, 1085/6
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 145
;
Eckel, Fremdw. Murners.
1978, 46
;
Hyrtl, Anatomie.
1884, 121/2
.