1
pelz,
der
;
–/-e
;
zu
mhd.
bel(lî)z
›Pelz‹
, dies aus
spätlat.
pellı̄cia
(;
Kluge/S.
1989, 534
).
1.
›Haut, Fell‹; die aufgeführten Phraseme sind am ehesten hier anschließbar, ebenso die in den Belegen zitierten Sprichwörter.
Texte religiösen oder didaktischen Inhalts, Unterhaltungstexte.
Phraseme:
jm. den pelz lausen
;
einen pelz vol läuse haben
›voll von Bösem sein‹;
jm. läuse in den pelz setzen
(ein sinnloser Scherz, da die Läuse ohnehin im Pelz sitzen, deshalb: ›Eulen nach Athen tragen, etw. Überflüssiges tun‹);
läuse sitzen im pelz
›man hat Sorgen‹;
einen beschissenen pelz darvon tragen
›jm. schlecht ergehen‹;
jm. den pelz waschen
›jn. rügen, ausschelten‹;
sich bessern wie der pelz vom waschen
.
Bedeutungsverwandte:
,  4.
Wortbildungen:
pelzballen
›handelsübliches Gebund von Tierfellen‹ (a. 1608; möglicherweise auch zu 3).

Belegblock:

Lemmer, Schernb. Frau Jutte
1397
(
Eisleben
1565
):
Auch wil ich jhr den peltz wol lausen / | Das jhr ewiglich fuͤr mir mag grausen.
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
2
(o. O.
1558
):
wann ich solches fast straffen wolt, müßt ich ein beschissenen beltz darvon tragen.
Spanier, Murner. Schelmenz.
31, 10
(
Frankf.
1512
):
Hett wider gott den herren thon, | Den beltz wil ich myr weschen lon.
Luther, WA (
1527
):
das etliche so verzweiffelt boshafftig sind, das sie mit der Pestilentz alleine darumb unter die leute odder ynn die heuser lauffen, das yhn leyd ist, das die Pestilentz nicht auch da ist, und wollen sie dahin bringen, gerade als were diese sache ein solcher schertz, als wenn man yemands zur schalckeit leuse ynn pelttz odder fliegen ynn die stuben setzet.
Darumb dencken sie vollend leuse jnn den peltz zu setzen und den huͤnern den schwantz auff zu binden.
Ebd. (
1536
):
Er hat ein beltz vol leuse.
Ebd. (
1539
):
Der beltz wer wol bezalt oder verkaufft, wir werden ihn wol wider kriegen. Uns Christen ists eine schlechte sache, das wir sterben
[›[...] ist gut angelegt‹].
Ebd. (
1544
):
darumb mus ich ihnen hie den Beltz waschen.
Ebd. (
1545
):
wenn du wustest, was fur leuse inn dem peltze seßen i. e. sorgen unnd angst hett.
Ebd. (
um 1535
):
Der peltz ist wol verkeufft
[›er hat sich tüchtig gewehrt‹ (s. o. den formal vergleichbaren aber wohl anders zu interpretierenden Beleg bei
Luther
, WA 47, 684, 38).
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
wo haut und hor ist gancz vernichte, | Do wirt der pelcz entwichte.
Bächtold, N. Manuel. Krankh.
221, 2
(o. O.
1528
):
sich eben gebessert, wie der belz vom weschen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Du hast noch deinen alten Beltz an / du hast noch dein alte haut / du behaltest noch deine alte sitten [...]. Es ist die zeyt nach vorhanden / daß ich einen anderen Beltz wird muͤssen anlegen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
man dörfe keine leis in ein belz setzen, dann sie wachsen selbs darin.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Beltz / (der) faͤll / ein abgezogen haut. [...]. Beltz / art / gemuͤt / sitten / weiß / gewonheit.
Man darff nicht laͤuß an beltz / oder in grind setzen / sie wachssen wol selbst darinn.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 497, 22
;
Voc. rerum
24r
;
2.
›Person, Mensch‹; Synekdoche zu 1.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1630
):
bei vielen und sonderlich den drunkenen pelzen laider die pöße gewonheit eingerissen ist.
3.
›bearbeitetes, als Kleidungsstück oder zum Schmuck getragenes Tierfell; Kleidungsstück aus Tierfell‹; Metonymie zu 1.
Zur Sache: ;
Lex. d. Mal.
6, 1866-1868
.
Phraseme:
jm. einen bösen pelz anhängen
›jm. etw. anhängen‹;
den rauhen pelz anlegen
›grob werden‹;
den alten pelz wieder anlegen
›zu einem früheren Aufenthaltsort zurückkehren‹;
seinen pelz selbs flicken
›sich nur um sich selbst kümmern‹;
der pelz hält den stich nicht
›alle Mühe ist verloren‹;
es wird kein pelz (mer / aus etw.)
›es wird nichts (mehr / aus etw.)‹;
etw. stehet den pelzen auf den ärmeln gleich
›etw. ist offensichtlich‹ (?).
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
den / einen p. flicken / kaufen / machen / tragen, den p. vertrinken
;
um einen p. klagen, etw. mit pelzen füttern, sich mit p. der kälte erweren, jn. mit pelzen aussteuern
;
füchsener p
.
Wortbildungen:
pelzblez
›Stück Pelz‹ (a. 1542),
pelzflek
›Stück Pelz‹ (16. Jh.),
pelzgaden
›Kürschnerwerkstatt‹ (dazu bdv.: ),
pelzhaube
,
pelzhut
,
pelzkappe
,
pelzkürsen
›Pelzrock‹ (a. 1444),
pelzmacher
(dazu bdv.: ,
1
),
pelzmächersche
(dazu bdv.: , a. 1424),
pelzrok
,
pelzschaube
›Pelzmaterial‹ (a. 1523),
pelzschere
(dazu bdv.: ),
pelzschlappe
›Pelzmütze‹ (a. 1573; 1612),
pelzschope
›Pelzjacke‹ (16. Jh.),
pelzsegen
›Segnung eines Pelzes‹,
pelzstrumpf
(a. 1624/5ff.),
pelzware
(a. 1360),
pelzwaschen
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
688, 7
(
preuß.
,
1396
):
12 pelcze, item 10 korsen, item 400 lampfel.
Lappenberg, Fleming. Ged. (
1634
):
Sein Schaf trägt ihm den Belz, sein Flachs und Hanf stehn wol.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Dyne kleyder seullen wyr verdrincken, | Idt sij beltz, rock, off wambus.
Schwartzenbach
Q ijr
(
Frankf.
1564
):
Er besteht auff seinen worten / wie ein beltz auff seinen ermeln.
Hertel, Hall. Schöffenb. (zu
1436
):
Claws Neldener hat geclait czu Heine Worffelere vmme eynen pelcz, dy ime vorstolen waz.
Luther, WA (
1545
):
als wenn ein Kuͤrsner solt einen bosen Peltz flicken, da weder haut noch har gut ist.
Sachs (
Nürnb.
1556
):
Eulenspiegel mit dem beltzwaschen zu Nügstetten.
Ebd. (
1556
):
sein beltzsegn kan ich schon, | Den er hat ubern kessel thon.
Bell, G. Hager
621, 13, 4
(
nobd.
,
1592
):
so werfen wir die scheibhütt hin, | seczen auf die belcz Hauben.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
alles des ir not hant [...], es sin kleider oder belze [...], des gan úch Got.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
alß ein alter Mönch, mit einer Beltzkappe vff dem Haupt, Einen Beltzin Rock umb sich.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1390
):
Und dar ob tragend sie all beltz und kerend das ruch uß.
Bremer, Voc. opt.
21033
(
wobd.
,
seit 1329
):
Pellicina (pellificina) beltzgaden kuͤrsengaden kúrsingaden kuͤrsnergaden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Beltzmacher. (der) Sůch Kürsiner. Beltzrock. (der) Rheno.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1664
):
ein hůt oder beltz cappen zetragen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das zwischen seinem herr vatter und im kain guter belz mer werde.
wiewol der doctor gern het den rawen belz angelegt, iedoch muest ers bleiben lassen.
wo haut und har kain nutz ist, | Da wurt kain guter belz.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1564
):
er besorgt, (daß) der gefleckt peltz den stich nimer halten well.
Hulsius
B ivr
(
Nürnb.
1596
):
Beltzhut / Capeau de pellisson.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Mit beltz gefuͤttert [...].
Ewre sachen stehet den beltzen auff den Ermeln gleich. [...]. Es haltet den stich eben / als ein (alter) fauler beltz. Diß orts ist weder haut noch haar gut / darumb wirt kein (guter) beltz daraus werden. Man flicket so lang an dem (lausigen) beltz / dises sterblichen fleisches / biß er keinen stich mehr halten will.
Pausch, Ital.-Dt. Sprachb.
142, 22
(
1424
):
du geest alzz hubzleich auff dein fussen alzz ein alter pelcz auff sein ermell.
Joachim, Marienb. Tresslerb. ; ;
Sexauer, Schrr. in Kart.
237, 12
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 208, 22
;
2, 249, 14
;
Brandstetter, Wigoleis
212, 26
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ;
Niewöhner, Teichner
441, 153
;
Zingerle, Inventare ;
Mollay, Ofner Stadtr.
177, 6
;
Bremer, Voc. opt.
17097
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;