par,
das
(1-4);
–/-e
oder
;
Indefinitpron.
(5),
Adv.
(6);
zu
mhd.
pâr, par
(), dies aus
lat.
pār
›von gleicher Beschaffenheit‹
(
Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 960
), Bed. 6 Neuentlehnung aus
lat.
par impar ludere
›Gleich und Ungleich spielen‹
(
Georges
2, 1466
).
1.
›Paar, Einheit zweier Menschen oder Tiere verschiedenen Geschlechts‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1383
):
Di vurgenanten elude worden alle [...] von dodes wegen gescheiden ane libeserben, sunder daz jungeste phar.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Wies der Natur ist angethan, | Das sie bey paren komen zsamen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
von allen reynen thiren saltu 7 par doryn nemen unde von den unreynen zwei par.
Luther, WA (
1530
):
das fur mich komen [...] ein ehlich par volcks, da eins odder alle beide sich vorhin heimlich mit andern verlobet hatten.
Ders. Hl. Schrifft.
Lk. 2, 24
(
Wittenb.
1545
):
das sie geben das Opffer / nach dem gesagt ist im Gesetz des HERRN / ein par Dorteltauben / oder zwo Jungetauben.
Goldammer, Paracelsus.
6, 188, 23
(
1530
):
darumb er in der natur beschaffen hat on gepresten par und par.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
hießt inn [Noe] ŏch darinn thuon ein par vonn yetlichem thier und gefögel.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wan ain par der vogel, daz ist ain er und ain si.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. ;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Hulsius
N ijv
;
2.
›Einheit von zwei durch Aussehen oder Funktion zusammengehörigen Gegenständen, (oft) Geräten, Körperteilen, oder (vereinzelt) Personen (im Unterschied zu 1 gleichen Geschlechtes), aus zwei gleichartigen Teilen zusammengesetzter Gegenstand (z. B.: die Hose)‹.
Bedeutungsverwandte:
1
(
der/die/das
5.
Syntagmen:
ein p. blasebälge / hosen / kerzen / lachen / leiste / mülensteine / ochsen / rosse / strümpfe
;
schönes p.
(auf die Augen bezogen),
liebliches p.
(auf die Wangen bezogen).

Belegblock:

Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
307, 33
([
1549
]):
twe par molenstein van den achtziender biß up den dreizehnder.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 397, 20
(
omd.
,
1431
):
IIII kuͤssen, I howptpfol, II par laken.
Skála, Egerer Urgichtenb.
93, 8
(
nwböhm.
,
1572
):
hab er Zu Zeitten 1 Par strumpf 1 Laub Proth / gestolen.
Sachs (
Nürnb.
1534
):
Da sach ich inn dem garten nieder | Das volck kurzweylen hin und wider. | Ein par sach ich mit scharpffen klennen | Wol gerüst ein ander ab-rennen.
Ukena, St. Jörg
991
(
oschwäb.
/
tir.
,
1486
/
n. 1520
):
Minnecliches pild du schönes bar | Von Capadocia bin ich komen har.
Rot
335
(
Augsb.
1571
):
Par, Ein gleich / zwey ding / da eins ist wie das ander / vnd derhalben zusamen gehoͤrn. Als wie man spricht: Ein par volck / ein par Ochsen / ein par schůch / par hosen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Es muß ein jeder ein bar narrenschuch vertretten.
Klein, Oswald
61, 7
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Das macht dein mündlin wolgevar, | mit wenglin rot, ain lieplich par.
Rechn. Kronstadt
3, 323, 24
(
siebenb.
,
1556
):
hab ich Eÿnn por schŭgenn khaŭfft.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
4, 5
;
85, 38
;
91, 3
;
107, 39
;
Ziesemer, Gr. Ämterb.
15, 27
;
Wyss, Limb. Chron. U ;
Küther, UB Frauensee
209, 41
;
Röhrich u. a., a. a. O.
4, 523, 29
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
48, 51
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
7136
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
556
;
3830
;
Sappler, H. Kaufringer
9, 134
;
Zingerle, Inventare ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
6, 14
;
3.
›Gegenstück zu etw., passendes Zweites‹.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
31, 706
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
das sie allem dinge sin par | ey nach der ebin maze machen.
4.
phras.:
mit paren, zu par und zu par, par und par, bei paren
jeweils ›paarweise, zu zweien, zwei zusammen‹;
unser ist par und par
›wir gehören zusammen‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1468
):
wanne die misse uis ist, so sall man den meisteren wederumb folgen mit paren bis in die gaffel.
Ebd. (
2. H. 15. Jh.
):
So sullen die beggarden dem doiden licham navoulgen ind darna die broderen gemeinlichen zo par ind zo par.
Ebd. :
die broedere sullen dem bilde gemeinlichen navoulgen mit processien par ind par zosamen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
wenn die Aff gebert | Bey paren, sie jr Kinder nert, | Der thut sie eins vorm andern lieben.
Drumb muͤssens (wie man sagt) bey parn | Mit einander zum Teuffel fahrn.
Drumb woltens [die beide] mit einander wandern, | Vnd zur Hochzeit kommen bey parn.
wie man sagt, allzeit bey parn | Die Moͤnch von mund zu Himel fahrn.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Bruoder, unser ist par und par, und ich bit ŭch, das wir ein andren nŭt verlăssend.
5.
›einige, einige wenige‹; mit vorangestelltem Zahlwort wohl: ›ungefähr, in der Größenordnung von (einer Zahl)‹.
Syntagmen:
ein p. stunden / tage, ein p. Franzosen, ein p. mücken / ochsen
;
kleider ein p.
; mit Zahlwort: z. B.
20 beste p. zobel.
Wortbildungen:
manigpar
1 ›viele‹.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Groze menje mitte sint | Volkis an ritender schar, | Wegne darzu manicpar | Deme kunge von norden.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
dannher die copula ein par stunden eher als der Mittag eingefallen: so zieh’ ich wegen solcher 2 stunden vom loco Solis 4’. 56” scrupel ab.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
Rudolphus hatte dem Thurnier auch ein paar tage beygewohnt.
Thiele, Minner. II,
9, 88
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
eym solchen man dem ist gegeben | ein bar hunczmuͤcken, [...] | das sie in stechen.
Heidegger. Mythoscopia
17, 15
(
Zürich
1698
):
wir muͤssen ein par Franzosen selbst davon hoͤren.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
226
(
schwäb.
,
1453
):
Ain junger ritter [...] | [...] mit ainer wilden schar | Darunder warn wol drissig par | Scharganten bůben oder me.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1562
):
wa man die 20 beste bar zobel aus den andern geklaubt.
M. Cunitia. a. a. O. ;
Hübner, Buch Daniel ;
Alberus
Kk jr
.
6.
phras.:
par oder nicht par
›Gleich und Ungleich, Gerade und Ungerade‹ für ein Kinderspiel.

Belegblock:

Henisch (
Augsb.
1616
):
Bar oder nicht bar / gerad oder vngerad / par aut impar ludere.