oration,
vereinzelt:
oraz,
die
.
›gelehrt ausformulierte Rede, Ansprache e. P. an eine andere (auch: an Gott) oder an eine unterschiedlich große Menge Zuhörender‹; die Form der Ansprache tendiert zu einer als unfunktional beurteilten Länge (s. u.
gänspredigt
); ihr Zweck ist meist bittender, ersuchender Art; dementsprechend kann die Textsorte zu ›Gesuch, Gebet‹ mutieren.
Belege nahezu ausschließlich obd.
Bedeutungsverwandte:
,
1
 12,  6; vgl.  1, ; (ütr.).
Syntagmen:
eine o. anfangen / sprechen / tun, beschliessen / enden / volbringen / hören
;
die o
. (Subj.)
zu lang / verdrossen sein
;
die schöne o
.

Belegblock:

Volkmar (
Danzig
1596
):
ein Oration / oder gebet.
Sachs (
Nürnb.
1544
):
Der könig sprach: Und ist das wahr? | Ließ versamlen des volckes schar, | Thet ein schöne oration.
Ebd. (
1559
):
Derselbig hett zu seiner zeyt | Ein so gwaltig wolredenheyt, | Als er thet ein oration | In der schul frey vor yedermon.
Ebd. (
1563
):
Ein vernünfftig mann an eim ort | Der messigt seine red und wort, | Fecht kein lange genspredig an
[Var.:
Oratzen
].
Ebd. (
1546
):
Solch ir oracion | Vor küniglichem tron | War zw lanck und vertrossen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
in diser zeit hat der bischof von Mintz vil oration und benedeiung gesprochen.
Ebd. (
1544
/
5
):
und facht darauff an, seine alte kriegsleut gar fraintlich anzusprechen, sein oration dohin beschließendt, daß sie inen den weg durch die feind [...] mit dem schwert machen wöllen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Die erst virgel allso stende / bedeüt underschaid ainer red oder oratz on volkomenhait des gantzen sinns.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. ;
Haszler, Kiechels Reisen ; ;
Rot
334
;
Schulz/Basler
2, 260
.