oft,
Adv.
(in 1 und 3) /
Adj.
(in 2);
öfter / öftest
.
1.
›oft, häufig, (meist:) in regelmäßigen Abständen‹, sowohl iterierend von Zeitpunkten wie (seltener) von Zeiterstreckungen gesagt, demnach meist in Verbindung mit perfektiven, seltener mit imperfektiven Verben gebraucht.
Phraseme:
j. jm. oft / dik ein bad setzen
›jm. oft einheizen‹.
Bedeutungsverwandte:
, II, 1; 2, , 1, , , .
Syntagmen
(in Auswahl):
j. o. beichten / trinken / weinen
, [wohin]
fallen / gehen / lugen, etw
. (Subj.)
o. geschehen / (wieder)kommen, der satan jn. o. versuchen, j. o. etw. sprechen, got o. gestatten, das [...], j. jm. o. etw. aufrücken / fürwerfen, j. den blik o. gegen jn. werfen, j. o. willens haben, das [...], j. o. an jn. gedenken, o. von jm. sagen
;
es geschieht o., das [...]
;
also o
. [etw. geschieht / j. etw. tut],
also o
. [geschieht / tut j. das andere], mit Ellipse im Zweitsatz dieser Konstruktion:
also oft er / es [...], er / es
[+ Hauptsatz].
Wortbildungen:
öfter
,
öftermalen
,
öfters
,
oftmal
(adv. gebrauchte Zusammenrückung aus
zum dickeren
,
often
,
öfteren malen
, dabei jeweils adj. Gebrauch vorausgesetzt); als Präfixoid (
oft-
) reihenbildend mit Part. Prät.: z. B.
oftbemeldet
,
oftberürt
,
oftbesagt
,
oftermeldet
,
ofternant
,
oftgedacht
,
oftgenant
,
oftgepflegt
; hier nur in Auswahl zitiert, s. auch die Belegstellenangaben.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Sæpè. Offt dick offtermals villmals zum offtern mal [...] vilfeltiglich.
Mieder, Lehmann. Flor.
577, 15
(
Lübeck
1639
):
Offt vnd lang / macht dem Guckguck kein guten gesang.
Ebd.
920, 18
:
Grosse wolthaten geberen offtermal grossen Haß.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dô dî ungehîrmin | Prûzin hattin vientlîch | intrant und vornôgîrit sich | von dem geloubin andirweit, | want allir oftist was geleit | ir învart und ûzvart dâ vur.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
,
1542
):
Franciscus ist Christo gleich in der Versuchung / denn er ist vom Satan offt versucht worden.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
So sal der werltliche richter, alse vfte alse her tzu gerichte geet. alse vfte sal her is orkundigen.
Franz u. a., Qu. hess. Ref. Bd.
2, 4, 19
(
hess.
,
1525
):
Dergleichen sagt Paulus [...] nichts von dem opfer, [...], welchs teglichs oder oftermals den priestern geboten sei zu opfern.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Offt. Viel. Zu vielmalen. Zu dickmalen. Zu offtmalen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Offtermahl sein dieselbe
[Bezug auf
weiblich Geschlecht
, perspektivisch]
Wahnsinnig / vnverstaͤndig / leichtfertig / schwaͤtzhafft.
Dieweil nun deme also ist / verwundere mich offtermahls / wie doch etliche Leuth so gierig vnd grimmig auffs Foltern sein koͤnnen / daß [...].
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
11, 12
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Was ir enpholhen wart, das wart von ir [ewig selige] ganz reine und unversert, oft mit merung widerkeret.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
245, 7
(
thür.
,
1474
):
Eß befindet sich offtemals, daz [...].
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
163r, 36
(
Leipzig
1588
):
das offters der vberwinder dem vberwundenen nicht viel auffzuruͤcken [...] hat.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
B iiijr, 13
(
Leipzig
1625
):
welche Stadt nur ein halbe Tagreise von offtgedachter Gefaͤngnuͤß abgelegen war.
Böhme, Morg.R.
19, 1
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
daß diese oftberuͤrte und wundertieffe Schrifften des Heiligen Geistes werck sind.
Voc. Teut.-Lat.
x viijr
(
Nürnb.
1482
):
Offt dick od’ vil. plerunque.
Fuchs, Murner. Geuchmat
195
(
Basel
1519
):
Ein eintzig wyb zuͦ der ich hofft, | Setzt mir ein bad zuͦ dick vnd offt.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
ein groser alter boom [...], bey wölchem unnser liebe frau oftermahlen pflegte zu ruewen.
Dreckmann, H. Mair. Troja
16, 19
(
oschwäb.
,
1393
):
si wurff doch irer augen plik offt gen dem Jason, mit zwifeltigem gegen wurff.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Es geschicht offt das der Moͤnich den Abt regieret.
Klein, Oswald
1, 38
(
oobd.
,
1422
):
Von liebe zwar | hab wir uns offt dick laides nicht erlassen.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
70, 13
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Welch fraw das wasser offt trinckt, die tregt mer sun dan tochter.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1310
/
2
):
als oft er daz tuͦt, er geit judici 1 lb.
Piirainen, Stadtr. Sillein
36, 19
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
als offt er ez sprichet als oft hot er virz zigtage antlaz oder ablaz.
Quint, Eckharts Trakt. ;
ders., Eckharts Pred. ;
v. Keller, Amadis ;
Grosch u. a., a. a. O.
3, 314, 23
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
84, 18
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
389, 28
;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Michels, Murner. Badenf.
2, 6
;
27, 49
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 189, 29
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 76, 48
;
Bauer, Geiler. Pred.
94, 6
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
125, 25
;
161, 4
;
Voc. Teut.-Lat.
x viijr
;
2.
›sich in gewissen Abständen wiederholend‹ (von längeren oder kürzeren Zeiteinheiten gesagt).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1634
):
Daz übermachte Zechen, | die allzu ofte Kost, das zeitigt uns den Tod.
Ebd. (
1638
):
Wie lag sichs vor Terku, da hier Hirkanus brauste, | hier des Prometheus Berg mit often Donnern sauste!
Luther, WA (
1529
):
Nicht sage ich von viel langem gebet, sondern von offtem und kurtzem seufftzen mit solch ein odder zwey wort: [...].
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
darmit selbige [...] durch eigenen fleiß / und offtes wiederholen / [...] / zu nutzbahrer uͤbung in den Tabeln kommen moͤchten.
Sachs (
Nürnb.
1533
):
Weint und kust in zum offtern mal.
3.
teils werden die Zeitangaben (im Sinne von 1) unter modale, konditionale, kausale, konsekutive Aspekte gestellt, dann: ›immer, bevorzugt, in vielen Fällen, unter bestimmten Umständen, dann, wenn [...]; folglich‹; im mathematischen Sinne auch: ›viel mal enthalten in einem Größeren‹.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
6, 7
(
Frankf./M.
1568
):
Offt thut vns der Bettel Stab erwarmen | Jn Haͤnden / alsdenn wir es treibn | Vnser lebtag faul Bettler bleibn.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
17, 33
(
omd.
,
1487
):
sÿ wissen nicht das offt Jn süssem honige, gar starcke gifft vorborgen leÿtt.
Reichert, Gesamtausl. Messe
30, 4
(
Nürnb.
um 1480
):
reychtum, die im
[dem
reichen
]
doch offte seyn ein ursache zu dem ewigen tode.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
220
(
Nürnb.
1517
):
So oft und vil wir frembden nutz suchen mit unserm schaden, handeln wir nerrisch.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Darauß lehrt man, das offt ein ding | Hat einen anfang schlecht vnd ring | Vnd wird doch balt groß vnd mechtig.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 552, 5
(
Hagenau
1534
):
Dieweil wir alle gebrechlich seind so werden wir offt fallen muͤssen.
Dreckmann, H. Mair. Troja
38, 1
(
oschwäb.
,
1393
):
die
[
turen
›Türme‹]
warnd alz hoch, daz si die wolken offt bedäktend.
Rot
306
(
Augsb.
1571
):
Diuision [...] ist ein species in der Aritmetick / in der man sucht / so man zwo zalen hat / wie offt eine in der andern sey zufinden.
Klein, Oswald
117, 13
(
oobd.
,
n. 1431
):
Oft ainer duncket sich so weis, | und hab dar inn den höchsten breis, | so in das reis der reben hat geschlagen.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
81, 188
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
von ainr sulchen fuͤrchomung velt der mensch oft vnd statichleich in ain sulche derchomunge vnd irrung, daz [...].
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
28, 25
(
tir.
,
1464
):
Die menschen, die got lieb hat, die ist er offt straffen vnd peinigen.