ober-
[+ Adj.], fungiert in den folgenden Bildungen oft gradadverbial.
›höher gelegen‹ sowie ›über eine als normal angenommene Qualität weit hinausgehend, über- [+ Adj.]‹; reihenbildend jeweils von
ob
(Präp.) 1; 2; 4 her motivierbar; formal an
ober
(Adj.) anschließbar.
Wortbildungen:
oberdeutsch
(zu , Adj., 2, , Adj., 1), „meist mit Bezug auf den eidgenössischen Bund“ (so ; a. 1476). – Wbg.:
oberdeutschheit
›Bewohner des eidgenössischen Bundes‹ (a. 1477),
oberdeutschland
›oberer, höher gelegener Teil Deutschlands, Oberdeutschland, wohl auch mit dem Hintergrund von
germania superior
‹.
oberschwinde
›schnell, geschwind‹.
oberstark
.
obertraut
(im Beleg subst.: mit Bezug auf
Maria
).
oberweise
›höchst weise‹ (mit kritischer Komponente).
oberwesenlich
›alles
eigenschaft
, alles
unterscheid
Habende überragend‹.

Belegblock:

Zu
oberdeutsch / oberdeutschland
:

Schmitt, Ordo rerum
41, 2
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
Germania nederduschlant – obertútschland [...] alley teutsche landt.

Zu
oberschwinde
:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1524
):
ane das konnen und mogen wir uns in dießen [...] oberschwinden lewften die lenge und weitter alhir nicht enthalden.

Zu
oberstark
:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
myrra bezeichent groze swere, | obirstarke leide anevechtunge.

Zu
obertraut
:

nu sage uns du minnicliche brut, | vor allen vrouwen du obirtrut, | schone sam daz vrone paradis | wie du [...].

Zu
oberweise
:

daz wil ich lazen nu bliben, | iz sullen di obirwisen schriben, | di iz baz den ich kunnen.

Zu
oberwesenlich
:

Jostes, Eckhart
88, 26
(
14. Jh.
):
do en ist kein teiluͦng, wan do ist got oberwesenlich ein und ist sein selbes selikeit und aller creaturen noch der wesung seiner gotheit.