(etwas seltener), vereinzelt Dehnungsschreibung mit Zweisilbigkeit:
nuhe
. – Wortartenzuordnung teils unsicher: 1-5 Adv. (temporal), 6-9 partikelhaft; 10
Konj.;
11 wohl
Interjektion.
– Zu möglichen Erklärungen des finalen
-n
von
1
nun
vgl.
.
1.
›nun, jetzt, heutzutage‹ (meist als Zeiterstreckung verstanden, in der ein Verbinhalt verläuft); dabei Abgrenzung gegen ein Vorher und ein Nachher bzw. gegen eine als Ewigkeit gedachte Zukunft; mehrfach formelhafter Gebrauch in der Zeitlinie
vor(hin) / hie vor / von anbegin [...] nu
.
Phraseme:
˹
nu noch näher
;
nu und iemer me
;
nu und hinehin
˺ ›jetzt und weiterhin‹;
nu und alweg
;
nu noch nimmer
;
nu und (fürbas) nimmer (mer)
›weder jetzt noch jemals‹;
von nu an bis in die ewigkeit
;
nu und zu ewigen tagen
.
Belegblock:
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
(
Wolfenb.
1593
):
Ich wil nun wider heim gehen, vnd von meiner Frawen einen abscheidt nhemen.
Alberus, Barf. Vorr. Alb.,
(
Wittenb.
,
1542
):
das alle Muͤncherey vnd Heucheley [...] vertilget werde nu vnd ewiglich.
Boon, St. Prätorius
93, 26
(o. O.
1593
):
die suͤnde der Menschen [...] sind nunmehr nicht so abschewlich fuͤr den augen Gottes / wie sie waren fuͤr der zeit des Bluts Jesu Christi.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
201
(
Köln
1476
):
Man sach dae draegen Der wympell drij, | Dye vur sent Quirijn nu hangen.
Dubizmay, kurß zu Teutze
6, 5
(
hess.
,
1463
):
Lob sey dem vater [...] als er was von anbegynnen vnd nü vnd alweg.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
21, 4
(
omd.
,
1487
):
also mergklich, das ÿm nühe noch nÿmer meher kein mensch adder zeittliche creature ßo liebe.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
70, 2
(
omd.
,
1544
):
wo einer vorhin 7 weiße gr hat gehapt, so gibet man yhnen nuhe nahr 5½ w. gr.
Schönbach, Adt. Pred.
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
also wirt uns nach diseme libe gegeben die frucht da wir nu zu hoffen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
142, 17
(
schles.
,
1388
):
alles das, das vns
s
herre, der Byschoff, vorricht hot vmb alle sachen, keyns vssen gelozzen nu vnd ymmerme.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
(
schles. inseldt.
,
1466
):
so vormane wir herre recht ÿn dÿ rechte, ap sÿ vns nw vnd neer nicht czu hinchin sullin.
reitet hinauß in den walt | Zu dem nunigen forster alt!
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dar inn man daz wazzer hie vor laitet under der erden und si verlœtt mit zin, die verlœtt man nu mit haizem zeflozzem plei.
Reithmeier, B. v. Chiemsee Vorr. V,
(
München
1528
):
daz jch numals in abitz vnd vergessenhait kommen vnd eralltent bin.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
286, 9
;
401, 28
;
3.
›da, dann; augenblicklich, unverzüglich, sofort, jetzt, in einem bestimmten Augenblick eines Zeitverlaufes (zeitpunktuell)‹; oft mit perfektivem Verb:
gewinnen, sagen, sehen, schweigen, erkennen
, teils in Verbindung mit einer temporalen Konjunktion (
als
).
Wortbildungen:
1 ›jetzt‹.
Belegblock:
Junffrouwe ich sagen dir nu als e, | de eins stirft, hie enstirft neit me.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
(
Frankf./M.
1649
):
Nunmehr wollen wir die argumenta der wieder Parthey [...] besehen vnd beantworten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
(
osächs.
,
1343
):
wênistu niht daz ich muͦge mînen vatir gebitten, und her sendet mir nuͦ mêr wan zwelf schare der engele?
Gille u. a., M. Beheim
453, 2416
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz sich nun | die veind mit sneller eil da fun | Schickten zw dem auffbruch.
Vetter, Schw. zu Töß
(
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
Nun gewan sy ain anfechtung, was sy sach oder hort, das ir das [...] widerzem was.
Sappler, H. Kaufringer
14, 116
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si beraittent sich nun do | und ritten mit ainander baid | gen der vest.
diß sprach: „was hast dan gessen du? | das solt du mir sagen nu“.
Barack, Zim. Chron.
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Als nu die Engellender sahen, das sie von wegen des winters kelte nicht fruchtbarlichs ausrichten kunten, [...], flohen sie.
11.
indiziert als syntaktisch vorangestellte Interjektion, meist zusammen mit folgendem Adv., einen Aufruf zum Vollzug einer Handlung oder zur Akzeptierung einer Einsicht, z. B.
nu wolan / (wol)auf, nu dar, nu hin, nu wehe
; als Übersetzungsmöglichkeiten bieten sich an: ›auf!, nun!, wohlan!, heran‹; auch: ›ach‹.
Belegblock:
Froning, Alsf. Passionssp.
(
ohess.
,
1501ff.
):
Nu wol uff, nu wol an! | Uwer freide sal ein ende han.
Opel, Spittendorf
(
osächs.
,
um 1480
):
Nun, man muss, wie mein herr wil.
Schönbach, Adt. Pred.
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
nu, bi dem esele soltn vorsten den sundere.
Pyritz, Minneburg
4800
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Nu dar, daz weizz sie allez wol.
Nu we, nu we, das dich der schitel angee!
Roloff, Brant. Tsp.
830
(
Straßb.
1554
):
Nun wolan / ir man der ist nit hie.
Kummer, Erlauer Sp.
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Nu hin ritter, sagt uͤberal | [...] | es well erstan des menschen chind.