niederziehen,
V., unr. abl.
1.
›nach unten ziehen‹ (absolut); ›jn. niederwerfen, überwältigen‹;
zu  1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Gegensätze:
 1.
Wortbildungen:
niederzieher
ein Weinbergarbeiter (mit nicht genau bestimmbarer Aufgabe im Unterschied zum
brecher
›Pflücker‹),
niederzuk
›scharfer Schwertstreich‹.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
Jn dem selven jare zuch jonker Lodewich van Rifferscheit vil koeflude neder in des herzigen geleide van Gulge bi Berchem.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 13
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Zeuchet er [man] auf, so zeuchet sie [weib] nider; wil er so, so wil sie sunst.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
91, 21
(
nobd.
,
1376
/
97
):
daz man sol geben eyme nyderziher und brechere ir yglichem dez tages eynen turnoße.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
345, 10
(
Genf
1636
):
niderziehen / zu boden ziehen.
Panzer, Merlin Füetrers
122, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
sach man | [...] | [...] schwertes plick aus armen hoch erschwingen | vnnd nach ir niderzucke | das pluͦet aus pruͮnn vnnd liechten helmen springen.
2.
›(jn. / die
sele
) in einer religiös bestimmten Seins- und Werteordnung hinab, nach unten, in die Natürlichkeit, zu dem
leib
ziehen‹; Ütr. zu 1;
vgl.  4.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Gegensätze:
 12.

Belegblock:

Luther, WA (
1533
):
Quod autem hoc non fit, signum est, quod vetus Adam et diabolus zeucht uns imer nider a fide.
Strauch, Par. anime int.
45, 9
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz naturliche bant, daz da ist schussin deme geiste und deme libe, daz nicht in stadit deme geiste sich zu irhebine zu bekennine gotliche dinc, mê ummirmê ist nidirzîhinde zu deme libe.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz ein goͤtlicher mensch [...] etwaz vinde, daz in von diser valschen niederziehenden welt wider uf zuͦ dem minncklichen got reizlich ziehe.
Wan aber die sele von des armen libes swarheit emzklich wirt nider gezogen, daz sú dem guͦt nút luterlich mag an haften.
Adrian, Saelden Hort
8675
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
so man ze vil des trinket, | es [liplich wasser] machet swer und zúhet nider.