niedersehen,
V., unr. abl.
›den Blick senken, nach unten blicken‹ (von der Sehrichtung gesagt); in mehrere Richtungen als
niedersehen
metaphorisiert: ›etw. verachten‹; ›(demütig) nach unten auf die eigene
krankheit
, das
nicht vermögen
blicken‹; ›nach unten auf die
dinge
blicken‹ (von einer Richtung des
verständnisses
der
vernünftigkeit
gesagt);
vgl. 1.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Mystik.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als diu sêle sich her nider kêret, sô ist si ein vrouwe. Mit einem gedanke und mit einem nidersehenne sô ziuhet si vrouwenkleit ane.
Vernünfticheit nimet wol von lîplîchen dingen: in dem stücke ist wille edeler; aber ez ist an einem teile der vernünfticheit in einem nidersehenne und in einem nidervalle, dâ diz verstantnisse bilde nimet von lîplîchen dingen.
Karnein, Salm. u. Morolf
27, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Bitz einer das wort ie vollen gesprach, | der kunig von zorn nider sach.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
in disem aller seligosten wege der pinlicheit sol der mensche alwegen leren nider sehen in sin krankheit, in sin nút vermúgen.
In disem nidersehende in sine gebresten sol sich der mensche sere demuͤtigen und legen sich fúr die fuͤsse Gotz.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 158
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
vs minne kumet vollekomen ruwen vnd luterunge der consciencien, vnd daz geschiht in dem nider sehend vf die missetat vnd vf die flecken der selen.