nieden,
Adv.;
vgl. .
1.
räumlich gesehen ›weiter unten (im Nähebereich oder in einer überschaubar weiteren Landschaft) gelegen‹; auch auf untere Körperbereiche bezogen (z. B.
die schämige stat
); vereinzelt: ›nach unten gerichtet‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , (Adv.) 1, .
Syntagmen:
n. har haben
(als Kriterium für die Altersbestimmung),
der acker n. auf die strasse anwenden, die hut
(›Wache‹)
n. bestalt sein, ein wasser n. fliessen, den luft n. an dem grunde fälschen
›die Luft durch Bauchwinde verpesten‹,
n. die schämige stat salben
;
n. an dem bach / gries, an der bank / lände, auf dem steg, bei Ryle, in dem hag / vorhof / dorf, in den landen, zu den beinen
; ˹
da / dort nieden
˺ (jeweils mehrfach).
Wortbildungen:
niedenhalten
(von einem
bombart
2 gesagt).

Belegblock:

Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
beslossen sende brieue an alle heren fursten vnd Stede ouen vnd neden in den landen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Als er [Wolff] nun tranck, sich weit umbsach, | Wardt er dort niden an dem Bach | Eins Lambs gewar.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk. (
osächs.
,
1343
):
dô Pêtrus was in dem vorhofe nidene
[
Mentel
1466 Var. 1475
2
-1518:
herniden
; nd. Bibel 1478:
hijr nedden
;
Luther
1545:
da nyden
]
, dô quam eine ûz den dîrnen des obersten prîsteres.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
Gab uf vnd vorreichte In vnsir hende seine Teychstat gelegen neden in deme dorfe.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
lat dort niden die hof-schrantzen | Dieweyl umb den bawrendreck tantzen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn man in (mirr) mischt mit ainem weizen ains ais [...] und salbt die ahseln dâ mit und niden die schämigen stat, daz benimt den stank.
Klein, Oswald
26, 45
(
oobd.
,
1427
):
zwar oben, niden, hinten, vor | was mir die hüt mit leuten wolbestellet.
Ebd.
68
:
der autem gieng im wilde von dem munde, | darzü so felscht er dick den lufft, | vast ungehäbig niden an dem grunde.
Ebd.
75
:
ainer kotzt, der ander hielt | den bomhart niden mit der langen mässe, | als der ain büxs von anderspielt.
Ebd.
114
:
die mich vor jaren ouch beslüg | mit grossen eisen niden zu den bainen.
Piirainen, Stadtr. Sillein
138a, 28
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Welchz mannez alder man nicht enweyz hot er har indem barte vnd nyden vnd vnder den beiden armen so sol man wizzen daz er czu seynen tagen chvmen ist.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
156, 14
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Dirr, Münchner Stadtr. ; ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. .
Vgl. ferner s. v.  1,  21.
2.
›von einer Bezugsebene aus gesehen tiefer gelegen‹; im einzelnen: relativ zum
oben
3 gedachten Himmel: ›unten,
auf der erde
‹ (o.ä.); auch: von der Erdoberfläche aus gesehen ›unten, in einer Unterwelt‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Wortbildungen:
niedenan
2.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Min trutin, ouch arbeite | Dar niden uf der erde, | Daz dir die gnade werde.
Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O. o. J.):
(Dem Pluto dar niden ich mich vorgleich) | Mich setzen zu seiner rechten hant.
Ebd. (
1587
):
Es gehn die menschen in laster und schand, | Es ist da niden kein freud noch ruh.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
sus irkennet di sele sundir list, | waz oben, waz bi ir, waz nedin ist.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
341
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Sy wirt sin [des himels] doch hie nidnan gewert, | Das sy nit vil me begert.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Der mensche muͦs von not ufgon mit allen sinen kreften und sime gemuͤte in die hocheit der ewikeit [...] und lassen hie nidennan alle ding.
Wo út Gottes ist, wie wenig daz si, das selbe hat vil me inne wan alles daz dobi nidenan ist.
Schmidt, Rud. v. Biberach
14, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz ,menslicher geist ist an siner vbertreffender wirdikeit ob disen wandellichen dingen, die hie niden sint [...]‘.
Quint, Eckharts Pred. ;
Fischer, a. a. O. ;
Hübner, Buch Daniel ;
3.
in schwacher Belegung, jeweils zusammen mit
oben
2:
a) tropisch für ›heute so, morgen so‹;
b) tropisch für ›reich und arm‹.

Belegblock:

Zu a):

Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Vnd begert nichtz, dann wandern | Von ainer zu der andern, | Hiutt ab, morgen vff! | Also statt seins hertzen lauff; | Darnach nyden, fürbas oben!

Zu b):

Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Manigeer oben unde niden | Reit in maniges vremde lant
(V. 42:
Di reichen und di armen diet).