nebel,
der
;
-(e)s/–
.
›Nebel, dunstige, feuchte, die Sicht behindernde Luftschicht, Nebelschwade, Nebelwolke‹ (als relativ neutral gesehene Naturerscheinung); davon ausgehend in mehrere Richtungen negativiert, dann z. B. Öffnung zu ›Dunkel, Finsternis‹ (auch als Raum für Ungesetzlichkeiten) oder zu ›unbeherrschbare, Schaden verursachende Naturerscheinung verschiedenster Art‹; über das Vergleichsmoment ,sichtbehindernd‘ vielfach ütr., dann z. B.: ›beziehungsstörendes, trübendes Etwas zwischen Menschen, zwischen Mensch und Gott, zwischen natürlichen Fakten und Glaubenstatbeständen‹; ›Trübung des Wahrnehmungs- und Erkenntnisvermögens‹; ›Antastung der religiösen Bestimmung des Menschen‹; extensional begegnen semantische Ausfächerungen mit Bezug auf ›Schleier vor den Augen‹; ›Trübung, Häutchen über einer Flüssigkeit‹ (z. B. über dem Harn); ›dem Einfallen des Nebels verglichenes Niederschlagen, Niederprasseln von Schwerthieben auf den Helm des Turniergegners‹; auch: ›Quecksilberoxid‹ (dunkelfarbig); ›Destillationsrückstand‹ (so
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 205
).
Phraseme:
bei nacht und nebel
›im Schutz der Dunkelheit‹;
der tag des nebels
›der Jüngste Tag‹;
jm. einen nebel und rauch machen
›jn. an der rechten Einsicht hindern‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, , , , ; Orientierungsfeld: , ;  1,  1,  2,  1, , , , , .
Syntagmen:
n. zwischen
[2 Personen]
haben, jm. den n. abstreichen, die boksgalle einen n. vertreiben, die sonne den n. schwächen, niederdrucken / vertreiben
;
(ein / der) n. an- / einfallen / aufsteigen, sich erheben, ein n. auf dem harn, als ein spinweppe auf etw., zwischen uns und der sonne sein, in märzen viel n. sein, die augen sam der n. leuchten
(ironisch),
der n. von dunst kommen, jn. beklutern, in der sonne fliehen, das gesicht / liecht verfinstern, jm. vor den augen schweben, den luft mit finsternis bedecken, in die erde drücken, dem wein schaden
;
dem n., wieder den n. läuten
;
j. im n. barfus gehen, etw. im n. als ein stern leuchten, luft sich in n. flechten, die kutte in den n. rausschütten, die reben vor dem n. behüten
;
der n. der rechte / sitten / augen
, ˹
des meines, der finsterkeit
˺ (mit Genitivmetapher),
an den augen, von dem wein
;
der feindliche / finstere / angeborene n
.;
der essemeister, die farbe des nebels
.
Wortbildungen:
nebelbräune
›dem Nebel zugeschriebene Dunkelheit‹; ütr.: ›Trübung des Gesichtssinnes‹,
nebelfar
›düster, trübselig‹,
nebelheit
›als
nebel
gedachte Trübung des religiösen Unterscheidungsvermögens‹,
nebelknabe
›Schalk, Schelm‹ (vgl. ),
nebelkräe
,
nebelmäntelein
›Vorwand, Ausrede‹,
nebelrabe
,
nebulo
›Gauner‹ (dazu bdv.:  12, , ,
der
, ,
der
).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz tribet von dem sune | Die vinster nebelbrune, | Der blintheite gestob.
die grunekeit des steines | Nebel des alden meines, | Da sich unser vorvar | [...] | Hette mite beklutteret.
Daz im
[dem
arn
]
nicht da wider slet | Die sunne sin gesune
›Sehkraft‹ |
mit einer nebelbrune | Daz im nicht tunklet sin gesicht.
Der tac ist tac des nebeles, | Der wintbrut und des hornes, | Der stimmen Gotes zornes.
Luther, WA (
1523
):
wie er yn dem ersten tag macht eyn wuste und leer erde und den hymel mit eynem fynstern nebel oder fynstern gewesser.
Ebd. (
1530
):
Sie wollen yhm eynen nebel und rauch machen, ne cognoscat illorum impietatem.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Als ein morgensterne miten in dem nebel [...] hât dirre [stella] geliuhtet in dem tempel gotes.
Moyses gieng in den nebel vnnd tratt hin in vff den berg‘, vnnd da sach er das goͤtlich liecht.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sô ein wolke oder nebel zwischen uns und der sunne ist, sô enwerden wir des schînes niht gewar.
Thiele, Minner. II,
31, 88
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
als nebil vluget inder sonnen | und drucket in die erden, | sus druckent auch die werden | alles das ere swendet.
Follan, Ortolf. Arzneib.
38, 2
(
rib.
,
1398
):
Ist der harn ouene wyz, vnde daz dar vffe eyn nebel alz eyn spenne weppe is, [...], so [...].
Beckers, Bauernpr.
55, 10
(
Köln
1515
/
8
):
wie vyll neuͤell synt in dem Mertzen soe vil guß synt jm jair.
Perez, Dietzin
1, 316, 9
(
Frankf.
1626
):
Die Daͤmpff vnd Nebell / so von dem Wein vber sich steygen verfinstern nicht allein Gesicht.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 20, 27
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
der vröuden crisoliten mich durchslichen, | do mir der angeborne nebel wart geistlich abgestrichen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 51
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
doners, blitzens, nebels, schaures, snees, regens, regenbogens, miltaues, windes, reifes [...] einiger essemeister.
Gille u. a., M. Beheim
265, 11
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
es wart ain nebel und ain vinsterung alz wer es nacht.
Voc. Teut.-Lat.
x iijv
(
Nürnb.
1482
):
Nebelkra od’ nebelrapp. Lymberida.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
‚sag die grad, stapfel und gesipt, darinnen wir aneinander anrüeren‘. zu dem antwurt der nebelknab: ,Adam mein vater und auch dein, Eva unser beider muter‘.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Das Kalb das pfeifft auff der Schalmeyen | Vnd fürt die Nebelkroh den reihen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Du solt dich aller usverten geloben und aller nebelmentelin, wie du ursach vindest, von noturft wegen ein usvertli ze erwerben.
von dem alles gewúlken und timber nebelheit vertriben ist und mit dem goͤtlichen glaste durchglestet ist, wie mag der so rehte wol ein summerliche wunne haben!
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 392
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Nebel, daz ist, daz men rasten wil vf innewendigem troste vnd vf suͤßekeit.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ob ir baider helme rich | Hüb von schlegen ain nebel sich.
Wiessner, Wittenw. Ring
91
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Die augen lauchten sam der nebel, | Der aten smacht ıͤr als der swebel.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
von der zeit an do hat man dem nebel nimmermer zu Bodma geleut.
Rot
331
(
Augsb.
1571
):
Nebulo, Wirt vil in Teutscher Red gebraucht. Ein lotterbuͦb / niemandtnutzer mensch / lecker / betrieger / laurer.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Der nebel kümt von wäzzrigem grobem dunst, dâ vil swærs erdisches rauchs zuo gemischt ist.
des poks gall gelegt auf die augenprâwe vertreibt der augen nebel und hilft zuo der augen clârhait.
Klein, Oswald
18, 62
(
oobd.
,
1416
):
do ich die kutt von mir do schutt in nebel rauss, | seid hat mein leib mit leid vortreib vil mangen strauss | gelitten.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
da von ward ich nebelvar, | daz mir lutzel liechtes shein.
Strauss, A. v. Villanova dt.
169r, 11
(
obd.
, Hs.
1421
):
zwo adern yn den wynckeln yn den augen [...], dye sint gar nuͤtze gelaßen fur nebel vnd vinsternyß vnd flecken yn den augen.
Helm, a. a. O. ; ;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
297, 1127
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
136, 1
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
397, 20
;
Gille u. a., a. a. O.
124b, 459
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Bächtold, N. Manuel.
299, 4
;
Lauater. Gespaͤnste
18r, 10
;
21r, 4
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
11, 11
;
Brandstetter, Wigoleis
216, 7
;
Barack, a. a. O. ;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 305
;
Mylius
A 8r
;
Rot
331
;
Pleuser, Leid b. Tauler.
1967, 159
;
161
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1,  1,  1, ,  5, .