nachrede,
die
;
-Ø/–
.
1.
›Nachrede, Schlußwort; zusammenfassende Lehre des vorangehenden Textes‹;
vgl.  1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
die
6,  2.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
8294
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Alhie volget genende | Ein nachrede dem ende.
Thiele, Minner. II,
10, 235
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Die nachred. Verholn ich da dannen gie. | sitt kunt myn hercz vergessen nye | der drẅen unnd der steten frawen.
2.
›als
rede
metaphorisiertes Sein des
götlichen bildes
in der
sele
, Göttlichkeit in der dem mystischen Menschen möglichen Nachgestalt‹.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
100, 14
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
mit den kreften [oberste krefte, gehugnisse, verstentnisse
]
sin wir eigenlichen enpfenglichen und gebruchlichen der heilgen drivaltikeit; dies ist wor in dem aller nidersten grote, wan dis ist in der nature ein nochrede.
3.
›in der Rede-Antwort-Folge von Klageverfahren vorgesehener späterer (oft: vierter) Redebeitrag (des Angeklagten)‹; die Reihenfolge der Beiträge lautet meist (im einzelnen unsicher erkennbar):  2, danach  2 /  3 / , dann , dann
nachrede
3 / /  2 / , dann / und schließlich ;
vgl.  2.
Rechts- und Wirtschaftstexte, Chroniken.
Syntagmen:
eine n. beschreiben / fürbringen / tun, zulassen, jm. übergeben
;
die n
. (Subj.)
jn
. [einen Betrag]
kosten
;
auf der n. etw. erkennen, eine neuerung begegnen, eine erschliessung machen
.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 566, 11
(
rib.
,
1486
):
Dis ist naredde und inspraich, so ich Jacob Bijrman [...] uf alsulchen vermessen verantwortung, so die gemeine des goultsmidtamptz [...] der stat Coelne gedain haven, oevergeven.
Köbler, Ref. Wormbs
44, 3
(
Worms
1499
):
SO yetwederteil. inred. widerred. nachred. affternachred vñ sunst syn notdurfft [...] fürbracht hat.
Chron. Mainz
1, 141, 24
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
so hat uns unsers gnedigen herren von Mencze ungnade und ansprach antwurt widderrede nachrede und underwisunge [...] zu schriben gekostet 630 g.
Ebd.
188, 19
:
solich schulduge und antwort, weder⸗ und nachrede [...] findet man hernach alles eiglich beschreben.
Merk, Stadtr. Neuenb.
62, 41
(
nalem.
,
1462
):
nach verhörunge solicher obgemeldeter beder partien clage, widerclage, antwurten, widerrede, nachrede.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 206, 6
(
alem.
,
1446
):
und hatent denacht ieklicher deil sin nochret uf des andern widerret.
Köbler, a. a. O.
42, 10
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 57, 32
;
Edlib. Chron.
11, 39
;
Buchda, Schöffenspr. Pössneck
4, 299
;
Rwb
9, 1222
.
4.
›üble Nachrede, die j. gegenüber einem (als schuldlos gesehenen) anderen, diesen verhöhnend, verspottend, schmähend, verleumdend, dadurch sozial ausgrenzend vollzieht und die der andere erleidet‹; teils Gebrauch in Sündenkatalogen;
Syntagmen:
n. hören / leiden / meiden / verhüten
, [wo]
erkennen, auf jn. legen, dem lande zuziehen, jm. n. nachreden / tun
;
n
. (Subj.)
aus bosheit / trägheit urspringen
;
der n. frei stehen, vertragen
›enthoben‹
bleiben, jn. der n. üben
›aussetzen‹;
die herschaft, der markt, das gericht in n. kommen, mit n. sündigen, jn. mit n. beladen / stechen / verwunden, die zunge von der n. schonen
;
die böse / lose / nachteilige / schändliche n
.

Belegblock:

v. Keller, Amadis
415, 36
(
Frankf.
1561
):
Sonsten werden sich diese freche Ritter, [...] zu vnser nachred vnd schmach, [...] vns für verzagt vnnd vnehrlich halten.
Schwartzenbach
L vv
(
Frankf.
1564
):
Nachrede. Schmachrede. Verleumdung. Belaidigung. Verletzung der ehren. Ehrenrürige wort.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 676, 2
(
Bautzen
1567
):
wir haben gesuͤndigt viel, | [...] | Mit nachred, geitz und vntrew gros.
Fastnachtsp.
536, 9
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Als ist das haupt eins weibes pos | Mit nachred und mit afterkos.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 133, 7
Var. (
Straßb.
1466
):
schont der zungen von der hin der rede
[Var. 1475
2
-1518:
nachrede
; nd. Bibel 1478:
achterspreken
;
Luther
1529/34:
afterreden
; 1545, Weish. 1, 11:
fluchen
].
Warnock, Pred. Paulis
1, 213
(
önalem.
,
1490
/
4
):
wer ain recht gaischlich leben wil füren, [...], der muͦss vil nachred, verkerung und spotlicher wort liden.
Ruh, Bonaventura
326, 17
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
pößhait der trägkait, dannen vrspringent poͤß wenen, fluchent gedenck, pöß näch red.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
246, 22
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die läut [...] verwundent die selben oft mit nâchred oder mit schaden in rehter unschult.
Luther, WA
9, 136, 9
;
Mayer, Folz. Meisterl.
90, 133
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
941, 18
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
178, 23
;
Chron. Augsb.
2, 247,
Anm. 1;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
83, 35
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
35, 24
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
115, 46
;
Maaler
86v
;
299r
;
Rwb
9, 1224
.
Vgl. ferner s. v. ,  1,  17.