nachhängen,
vereinzelt
nachhangen
,
V.,
vereinzelt unr. abl.; vgl. , , .
1.
›e. S. nachgehen, folgen, sich e. S. verschreiben und entsprechend leben und handeln‹; meist mit dem Blick auf die moraltheologisch bestimmten Laster, seltener auf positive Werte bezogen (s. die Syntagmen); vereinzelt von Personen (im Dat.obj.) gesagt.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 4, ; vgl.  14,
1
 6,  3.
Syntagmen:
die vernünftigkeit (nicht) n
. (absolut);
dem fras / has / neid / zorn / fleisch / leichnam
›Körper‹
/ saufen / wein, wildbrät, einem gedanken / (ge)lust, der geitigkeit / hochfart / natur / sünde / unkeusche / welt / wollust, einer neigung, einer jungfrau,
(positiv:)
der fromkeit / gerechtigkeit / tugend, einer hofnung, js. freundschaft / willen n
.; subst.:
sich mit einem nachhängen des lebens, der gnade berauben
;
das böse nachhängen
.
Wortbildungen:
nachhängig
1 ›einer Verführung gegenüber nachgiebig‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1537
):
On das sie noch jren fleischlichen gedancken nachhangen, so den Vater von Christo scheiden.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
11, 43
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
mit dem geistlichen tod der sele, dy da mit eynem willen und nachhengen in ein todsund czu thun sich berawbet des lebens.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
107, 26
(
Nürnb.
1548
):
das wir [...] der boͤsen natur nit nach hengen / sonder [...].
Lemmer, Brant. Narrensch.
82, 58
(
Basel
1494
):
Wer frowen glust will hengen noch | Den frürt gar dick / so er spricht schoch.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
333
(
Genf
1636
):
Einer Jungfraw / nachhangen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Mensch, dem wer mit gantzer chraft, | Daz er in
[
suͤben pruͤder =
Todsünden]
icht nachhenge.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
38, 77
(
moobd.
,
1393
):
darumb pin ich zu der arbait trêg, zu wachen sleffrig, zu zorn sneͣll, zu hazz truczig, zu vnmêzzichait vnd zu red nachhengig.
Ebd.
59, 11
:
ob euch ein gêher zorn anchumpt, so schol ewr vernufftichait nicht nach hengen.
Mieder, Lehmann. Flor. ;
Perez, Dietzin
1, 322, 11
;
Wagner, a. a. O.
9, 17
;
15, 31
;
Franck, Decl.
343, 1
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Koller, Ref. Siegmunds ;
Bauer, Geiler. Pred.
318, 10
;
Reithmeier, B. v. Chiemsee ; ;
Bauer, Imitatio Haller
100, 14
;
2.
›jm. (auch einem Tier) nachstellen, nachsetzen, jn. verfolgen‹; speziell: ›(einer Frau) nachstellen, sie bedrängen‹, hier als Ütr. anschließbar (mit Subj. d. S.): ›jm. nachhängen, gleichsam folgen‹ (von einem
wort
gesagt).
Syntagmen:
jm
. (z. B.
dem pfaffen, einem täter
)
n., dem reh / wolf n., der wirte
›Wirtin‹
n
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
INSEQ VI. Nachstellen nacheilen nachfaren nachjagen nachheschen nachhengen.
Luther, WA (
1522
):
Das mustu fuͤlen und bekennen in deim hertzen, fuͤlstu das nit, so gedencke nuͤr nit das du den glauben habst, sunder das wort hengt dir nach in den oͤren und scheuͤmet dir auff der zungen, wie der schaum auff dem byer.
Wunderlich, Fierrabr.
88, 9
(
Simmern
1533
):
ir wissent / het man sollen Gui nachgehengt haben / so were vns die Prouiant entzuͤckt worden.
Sachs (
Nürnb.
1540
):
Die rechlein flohen in das hol, | Der marggraff ihn nach henget wol.
Chron. Augsb. 4, 18 Var. z. Z.
14
(
schwäb.
,
v. 1348
):
da hat im der kaiser nachgehengt und das schloß lange zeit besessen und umblegert.
Ebd.
7, 233, 8
(zu
1550
):
ist ime ain wirte ins hertz gevallen, die er zuͤ seinem lust begert, und ir nachgehengt.
Rot
338
(
Augsb.
1571
):
Persequirn, Nachhangen / verfolgen / [...] / nachstellen [...]. Persequution, Verfolgung / durchaͤchtung / nachstellung.
3.
›in etw. einwilligen, gegenüber e. S. /e. P. nachsichtig sein; js. Anhänger sein‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ; vgl. .
Wortbildungen:
nachhänger
,
nachhängig
2,
nachhängung
(dazu bdv.:  2, , ).

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Nachhenger. Consectator. Nachhengig. Consectarius.
Rot
318
(
Augsb.
1571
):
Indulgentz / Nachhengung / vberige bewilligung / Willferigkeyt / vbersehung / Willfart, Jtem erlaubnus / zugebung / Ablas.
Ebd.
332
:
Obsecundirn. [...] / verfolgen / zu willen werden / eim nach seinem sinn thuͤn / nachhengen / willfarn.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
do di zbayung aufstund in der kristlichen kirchen, wollt er nit nachhengen dem kayser Fridrich für den unrechten babst.