nachbar,
der
;
-n/-n
(meist);
-s/-e, -Ø
(seltener);
starke Schreibvarianz: Erstglied auch
na-, nacht-
(
nabar, nachtbar
), Zweitglied auch
-bauer, -gebauer
(
nabauer, nachbauer, nachtbauer, nagebauer, nachgebauer, nachtgebauer
).
1.
›Person (auch Personengruppe), die in unterschiedlich enger / weiter räumlicher oder als räumlich verstandener Nähe zu einer anderen Person (oder Gruppe) wohnt und mit dieser individuell (oder in der Gruppe) in normalsozialer Weise zusammenlebt, zu ihr in einem Verhältnis des wechselseitigen Mit-, Neben- und Gegeneinanders steht und handelt‹; vgl.  12, (
der
1. – Die räumliche Nähesituation bedingt ein gemeinsames Wissen, eine gewisse Seßhaftigkeit und eine gewisse rechtliche Gleichberechtigung, eine mehr oder weniger verpflichtende soziale Erfahrung und Verantwortung und deren Wahrnehmung; der räumliche Horizont von
nachbar
bemißt sich nach den betroffenen Bezugspersonen (oder -gruppen) und ihrer Funktion; er schwankt dementsprechend zwischen ›Nachbar, Anwohner, Anrainer‹ im Kleinraum und ›Nachbar‹ in einer Großregion bis zum Herrschaftsraum hin; teils wird die räumliche Situation mit sozialer, darunter verwandtschaftlicher Nähe verbunden; extensional gesehen bezieht sich
nachbar
vor allem auf die erwachsene männliche Person; offen zu 2.
Phraseme:
der nachbar ein brandfeuer für liebe nemen (müssen)
;
ein nachbar dem anderen einen brand schuldig sein
.
Syntagmen
(in Auswahl):
einen nachbarn haben, die nachbarn bekriegen / unterdrücken / laden / trösten, zu gast haben
;
ein n. den anderen plagen, die nachbarn jn. erschlagen, miteinander fallen, einander brauchen, über den zaun grüssen, zu gast sein, mit jm. frieden anstossen, das land überfallen, jm. übel geraten sein, eine sprache nicht vernemen
;
des nachbarn bedürfen
;
den nachbarn steuern, viel zu leide tun, ein spot sein, ein bis einlegen, etw. abbrechen, briefe schreiben
;
sich auf die nachbarn nicht verlassen, bei den nachbarn ein böses gericht haben, mit den nachbarn frieden haben / halten, von den nachbarn
[wo]
reden, es stet
[wie]
um die nachbarn
;
der n. des wiederteils, der philister
;
der alefänzige / arglistige / gute / böse / geistliche / kranke / reiche / weltliche / unglimpfliche / zänkische n
.;
das haus / vieh des nachbarn
;
das gesinde mit den nachbarn, der krieg / stos zwischen den nachbarn
;
lieber nachbar
(Anrede).
Wortbildungen:
nachbarherre
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
6, 21
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ich wil geben dis volk in eyne buvellikeit und dy veter und dy sone, nakeborn und neheste werden vallen mit einandir.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
20325
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
îdoch ir
[der
Ousteten
]
nâkebuire, | ich meine di Samaiten, | daz leit nicht sêre claiten.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 570, 33
(
preuß.
,
1457
):
her spricht, her wil ewer guter nochkwer und frunt sein, idach gedochte her seines geldes.
Luther, WA
16, 168, 26
(
1525
):
so weit Israel wonet, so solt ein iglicher Hausswirt sein Schaf haben, und da ers alleine nicht bequingen kondt neben dem Hausgesinde, must er seinen Nachbar dazu nemen, auff das dis Osterlemlin denselbigen abend auffgessen wurde.
Ebd.
16, 206, 32
(
1524
):
Die Philister waren die nehesten Nachbarn, daruͤmb gedenckt er ir.
Ebd.
17, 2, 58, 23
(
1525
):
wie man spricht: Ich kan nicht lenger fride haben, denn meyn nachbar will.
Ebd.
18, 396, 12
(
1525
):
wie man spricht: Eyn nachbar ist dem andern eyn brand schuldig.
Ebd.
23, 346, 17
(
1527
):
es kan kein nachbar vom andern fliehen, wo sonst nicht sind die der krancken muͤgen an yhre stat warten und pflegen.
Ebd.
33, 512, 40
(
1531
):
dem die nachtbarn ubel gerathen sindt, der muss sich selbst loben.
Altmann, Wind. Denkw.
148, 3
(
wmd.
,
um 1440
):
die Hussen [...] schriben uß briefe allen steten und nochgeburen, die zünehst gelegen worent.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 4, 46
(
Frankf.
1557
):
Auff Nachbawrn darff mich nicht verlassen; | Der Freundtschafft muß ich mich anmassen, | Vnser blutgwanten sprechen an.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
295b, 38
(
Frankf./M.
1649
):
Gaja, die wurde eintzig vnd allein von deßwegen / daß sie dey jhren Nachbarn im Dorf ein boͤß gericht hatte / zu erst angegriffen.
Ulner
318
(
Frankf.
1577
):
Nachbarn. Anstoͤsser / anwaͤnder / vmbliegende Voͤlcker / anruͤhrende Landtsleute / nechst gesessen / Nachbarherren oder Staͤtte.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 138, 9
(
omd.
,
1425
):
was sollen wir thuen ader satzunge (halden) an unsere nocbauwer, dy bisthtumer [...], und andere umb uns gesessen nicht halden?
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
14, 12
(
osächs.
,
1343
):
Wan du machist [...] ein âbintezzin, sô saltu niht laden dîne vrûnt noch dîne brûdere noch dîne mâge noch dîne riche nâkebûre
[
Mentel
1475
2
-1518:
mitgeborn
]
, [...] lade die armen, die cranken.
Thiele, Chron. Stolle
523, 18
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
etliche siner nackebur hatten fele mol von ome gehort, her hette gesprochen, her wolde synen vater er sloe, so worde her herre uber das gutd.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
118, 30
(
Nürnb.
,
1446
):
sie hat eyn wunderliche besunderne sprach, die do kaum yre nachpaurn vernemen in Arabia [stat Lepti].
Mayer, Folz. Meisterl.
95, 67
(o. O. o. J.):
Der nachtbaur lieff hin ein vil drot | Und wolt den schaden wenden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
79, 12
(
Nürnb.
1548
):
da wirdt das vbel alleweg sich findē in vnserm gewissen / [...] im regiment / im hause / mit kindt / vnd gesind / mit den nachbawren.
Geier, Stadtr. Überl.
20, 13
(
nalem.
,
1250
):
wa zwen nachgeburen anander stossent hant hus oder hove, aͤkker oder wisen, wingarten oder bongarten.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 97, 28
(
Straßb.
1522
):
aber einer, der neben im ist, als der von Hispania, von Engelant, und die seine Nachburen sein, die hasset er.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 190, 5
(
Hagenau
1534
):
Nachbawer uber den zaun / nachbawer wider heruber. Diß ist von denen nachbawren geredet / welcher eynander nicht mehr guts thun / denn daß sie einander uber den zaun grüssen.
Wickram
4, 12, 20
(
Straßb.
1556
):
Er het einen zaͤnckischen / arglistigen / und alventzischen nachbauren.
Maaler
297r
(
Zürich
1561
):
Nachbauwren / Deren heüser na ein anderen stossend. [...]. Seine Nachbauwren zegast halten / oder bey jnen gast sein.
Ebd.
299r
:
Wir sind die naͤchsten Nachpauwren / die einanderen vil brauchend.
Lauater. Gespaͤnste
67b, 26
(
Zürich
1578
):
damit einer wüsse͂ moͤge / wie es vm͂ sine fründ / nachpuren / guͦtthaͤter / vatter / muͦter vnd andere stande.
Chron. Augsb.
1, 103, 30
(
schwäb.
, zu
1395
):
er hett die fest von dem Aunsorgen kauft und wölt gern guͦter nachpur sein.
Winter, Nöst. Weist.
2, 708, 4
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
/
1543
):
Wer aber das sich ain dieb der venknuss weren wolt, wurt der von dem nachpaurn von ainem oder menigern zu tod erschlagen, darumb sind sie niemant nichts phlichtig.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
229, 23
(
oobd.
,
1349
/
50
):
si raubt auch niht an den steten, die nâhent pei irm nest sint, dar umb, daz si die läut, die ir nâchgepaurn sint, iht erzürn wider sich selber.
Dirr, Münchner Stadtr.
385, 13
(
moobd.
,
um 1365
):
Swelich hern chnecht, die uͤnser nachtpaͤwren sind, hereinchoͤment umb gewant, umb wein oder umb andrew notduͤrft in irr herren hawͤser, die habent gelait fuͤr alliu guͤlt.
Turmair
4, 198, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ir nachpaurn die Philisteier überfielen das land.
Ebd.
5, 110, 7
:
Den Haunen, [...], gefiel nit, das ir nachpar und gueter freunt, herzog Thessel, mit künig Karl ain frid angestossen het.
Strehlke, a. a. O.
82, 13
;
Ziesemer, a. a. O. Ez.
27, 4
;
Luther, WA
20, 515, 13
;
21, 345, 8
;
Mieder, Lehmann. Flor.
521
;
520
 f.;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 156, 9
;
169, 9
;
Kurz, a. a. O.
1, 56, 45
;
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
223, 12
;
Chron. Nürnb.
3, 117, 26
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
106, 30
;
Bolte, a. a. O.
1, 19, 3
;
Gilman, a. a. O.
1, 189, 24
;
190, 11
;
430, 2
;
Chron. Augsb.
4, 50, 3
;
7, 120, 21
;
Roth, E. v. Wildenberg
154, 13
;
Turmair
4, 59, 2
;
Winter, a. a. O.
2, 995, 9
;
Wopfner, Urk. Agrargesch.
331, 28
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
87b, 4
;
Rwb
9, 1123
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1.
2.
›Person, die – über das in 1 skizzierte normalsoziale Verhältnis hinausgehend – mit anderen Personen eines ähnlichen Sozial- und Rechtsstatus einen kleinräumigen Wirtschafts- und Rechtsverband bildet‹; dieser ist durch gewohnheitsrechtliche Traditionen und kleinteilige explizite Rechtsregelungen bestimmt; die gesellschaftlichen Funktionen dieses Verbandes betreffen den Alltag, innerhalb dieses z. B. Baugrenzen (von Häusern, Ställen, Toiletten), Traufanlagen, Bauinstandhaltungen (z. B. von Kirchen), Baumüberhänge, die Wiesenbewässerung, die Bienenzucht, die Allmendnutzung, das Bestattungswesen, Dienstbotenregelungen, Sicherheitsverhältnisse, kirchengemeindliche Angelegenheiten, das Kauf- und Verkaufswesen, die Rechtsverhältnisse.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
, ,  2.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen
(in Auswahl):
die / den nachbarn belästigen / schädigen, um etw. strafen, zu sich, zu etw. nemen, die nachbarn bitten, das [...]
;
der / die nachbar(n)
(Subj.)
bei der banteidung sein, etw. zu bauen schuldig sein, einen hirten dingen, einen schergen setzen, mistätige menschen beschliessen, jn. erben
›beerben‹,
den abgestorbenen auf den kirchhof tragen, begraben, etw. zu schütze geben, jm. helfen, etw. steuern, sendrecht bezalen, etw. abvertragen
›vertraglich regeln‹,
etw
. (z. B.
ein erbe
)
verkaufen, ein pfand lösen, um eine traufe kriegen, etw
. (z. B.
den turn
)
im bau halten, e. S. nachgehen, scharwerk tun
, [wobei]
helfen, brenholz hauen, mit der were
[wo]
zugehen, dem andern wasser zu nachteil leiten, die schlüssel zu den schafhütten haben, freies zufaren
[wohin]
haben, eine dienstbarkeit wieder jn. präskribieren
;
dem / den nachbarn rufen, um hilfe schreien, etw. anfeilen / anzeigen
(z. B.
den zutrieb, die mitniessung
),
das seine einziehen, dem nachbarn vergönt sein, zu [...]
;
jn. bei dem nachbarn unterbringen, etw. für die nachbarn bringen, gegen dem nachbarn mit etw. anrüren
(z. B.
mit holzwerk
),
etw. bauen
(z. B.
eine wand
),
etw. mit dem nachbarn beweisen, ein fremder mit dem nachbarn rechten, x fus von dem nachbarn eine grube sinken, jn. vor einen nachbarn annemen
;
der n. des schuldners
;
der anreinende / auswendige / fremde / eingesessene / gemeine / nächste
(mehrmals)
/ unfleissige n
.;
der hof / zaun / rat / leumund
(gen. subjectivus),
die erkentnis, das feld / haus / rind / wissen des nachbarn
.
Wortbildungen
nachbarbote
›Feld-, Flurschütze‹ (dazu bdv.: ),
nachbarrecht
›Einstandsgebühr zum Erwerb des Nachbarrechts‹ (differenziert:
Rwb
9, 1134
 f.),
nachbarvolk
›engere Nachbarn‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 178, 31
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
darzue alle Burger [...], auch schueler und bettler teglich nachpuer bei Nachpuer helfen mussen.
Große, Schwabensp.
90, 9, 4
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
DEn zins scal eschen der herre oder sin bote zuͦ des zinsmannes huͦse vnde sol de nachebuͦre zuͦ sich nemen oder andere bederuͦe luͦte, ob in lochenen wille, daz man iz irzuͦgen silbe dritte.
Luther. Hl. Schrifft.
Spr. 27, 10
(
Wittenb.
1545
):
ein Nachbar ist besser in der nehe / weder ein Bruder in der ferne.
Koeniger, Sendgerichte
39, 31
(
rib.
,
n. 1567
):
Nach allen gebührt dem pastor [...], den nachbahren als honn, vogt, kirch- und brudermeistern, den nachbahrbotten odir feldschützen [...] eine mahlzeit zu thuen.
Ebd.
234, 10
(
mosfrk.
,
1600
):
das heutigs tags ein jeder nachpaur und kirspelsman alhie erscheinen sall und sall sein siendricht bezalt haben.
Köbler, Ref. Wormbs
284, 17
(
Worms
1499
):
zymmet sich auch nit Cloac profey oder heimlich gemach zubuwen an eins andern Mure oder wandt dadurch d’ nach pur oder syn wandt belestiget beschwert oder geschediget würde.
Ebd.
332, 3
:
WAnn einer oder mer Baume hingen einem andern anstossenden nachpure͂ vff syn huss.
Kollnig, Weist. Schriesh.
170, 36
(
rhfrk.
,
1534
):
ist denen nachbaren vergönnet und einem jeglichen zuegelaßen, so viel schaaf zu halten und haben, alß er außwintern kan.
Brinkmann, Bad. Weist.
289, 31
(
rhfrk.
,
1565
):
da sie erkennen möchten, daß einer das sein farlessig halten tete, soll ein solcher unvleisiger nachpaur umb zehen ß. gestraft [...] werden.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
159, 2
(
rhfrk.
,
um 1435
):
gest du nit balde hin vß / so wil ich mynen nachgebüren ruffen.
Küther, UB Frauensee
267, 12
(
thür.
,
1491
):
eß sal auch eyn hoffman mitsampt siner nagburn alle jar eyn hirten dingen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
129, 29
(
omd.
, Hs.
M. 17. Jh.
):
Ist aber nicht schuldigk, seinen nachbare denselbigen lochstein oder erbstufen anczuczeigen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
31, 18
(
osächs.
,
1325
):
Ist aber, daz ein man sinken wil eine grube, di da heizet ein heimelichkeit, di muz he [...] inslan dri vuze von sime nakebure.
Ebd.
256, 12
(
1335
):
Wil is aber der bote nicht inpern, he muz iz bewisen mit sinen nakeburen, daz he sin gemiette bote si.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
47, 23
(
schles.
,
1345
):
do reit der houerichter mit den Nackebwͤr vnde Altsesin, dy bekantin gemeynlich, das [...]; czu dem Andir male do furte Shrolle den houericht‘, dy Nakebuw‘ vnde dy altsesin vf grenicze [...]; do sprochen dy Nokebuw‘ vñ dy altsesin, das [...].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 262, 15
(
schles.
,
1528
):
wo ein gewerckschaft [...], ir zech und wasser auflassen wollten, sollen dieselben gewercken das iren nachbauren, [...] zu warnung vorhin ansagen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 234, 5
(
nobd.
,
1464
):
Die gmeine zwͤ Furt mit etlichen iren nachtbawern geben 23 somerin habern zwͤ schuͤtze.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
34, 36
(
nobd.
,
1469
):
iglichs [gewandt, mantel, kappe] sol er [freybot] den kyndern wider geben zu losen nach erkentnuße der nachgebawren, da er gesessen were.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 256, 4
(
Straßb.
1466
):
obe die zal ist mynder. das sy nit mag begnúgen zeessen das lamp Er nem sein nachgeburen der do ist zuͦgefúgt seim haus.
Rieder, St. Georg. Pred.
3, 32
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
vallet sines nach geburen rint dar in
[in die
cysternen
]
oder sin schâf, er sol es gelten.
Rennefahrt, Recht Laupen
28, 21
(
halem.
,
1489
):
broͤnholtz mag er wol hoͧwen in zimlicher bescheidenheit, als ander sin nachburen.
Sappler, H. Kaufringer
20, 57
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ains mals kriegten offenpar | mit ainander zwen nachgepaur | umb ein trauf.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 780, 50
(
schwäb.
,
1622
):
also daß durch ihnen keinem frembden nachpawren zu gestehen oder gestadt werd ainichen zutrib oder mitniessung.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
294, 28
(
noobd.
,
1343
):
daz selb holtz wer sin und siner vorgnanten nachgebuͤren ze Nidern Emendorf rehtiu gemain.
Winter, Nöst. Weist.
1, 126, 22
(
moobd.
,
1592
):
wann ainer sein tail wolt hingeben, so solt er seinem negsten nachparn anfailen.
Ebd.
3, 342, 36
(
um 1400
):
es süllen auch all burger und ander nachpawrn in der herschaft bei den rechten und pantaiding sein.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
96, 27
(
moobd.
,
1446
):
und paten sew an unser stat als unser nachpauern und günner, das sie das vischen liessen angesteen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
357, 29
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
we aber ain nochbarvolk der prunst wahrnimbt und gehen nit dahin und hulfen retten, die sollen gestrafft werden.
Piirainen, Stadtr. Sillein
101b, 24
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
bach oͤuen vnd reyhen vnd swein stelle dy schullen drey schvͤch weyt von dez nachgepauren czavn sten.
Ebd.
105b, 17
:
flevͤchet eyn bynn swarm auz einez mannez hof czu seynez nachbaurz der nachbauͤer ist seyn neher czu behalden dann iener der ym volget.
Ders., Stadtr. Kremnitz
10
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
So sich begebe, daß Einer den Ander(e)nn Vndertieffet [...] vnnd vormeinet dem feldt seines nachpar(e)nn zwschad(e)nn.
Aubin, Weist. Hülchrath
284, 22
;
Brinkmann, a. a. O.
188, 14
;
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 468, 30
;
Ermisch, a. a. O.
35, 9
;
Wattenbach, Urk. Czarnowanz
142, 21
;
Dinklage, a. a. O.
61, 29
;
Vogel, Salb. Heiliggeistsp.
49, 12
;
Mon. Boica, NF.
1, 613, 11
;
Köbler, Ref. Nürnberg
421, 21
;
ders., Stattr. Fryburg
75, 24
;
96, 5
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
142, 23
;
Geier, Stadtr. Überl.
327, 4
;
Leisi, Thurg. UB
8, 425, 21
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
255, 24
;
Chron. Augsb.
3, 410, 23
;
Gehring, a. a. O.
3, 508, 16
;
814, 10
;
Wopfner, Urk. Agrargesch.
345, 32
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
142, 2
.
Vgl. ferner s. v. ,  3, , , .
3.
›Nachfolger (in einem Amt)‹.
Bedeutungsverwandte:
 4,  3.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
224a, 9
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
STirbet ein Richter, swaz vor im redelichen vnde rechte vorendit wirt, dat sal sin nakebuͤre stete halden.
4.
in einer Reihe kühner Metaphern werden Personen (die
fraue
), personenähnlich gedachte Wesenheiten (
engel, tod
), Abstrakteinheiten (
adel, freude, sinne, güte, stätte
), Gegensatzentitäten (
gewin, freude
) als
nachbarn
in Vergleich zu den jeweiligen Textinhalten gesetzt; anschließbar an 1; 2.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
646, 4366
(
Magdeb.
1608
):
Gewinn vnd verlust / Frewd / vnd trawren / | Sind sehr nach verwandte Nachbawren.
Quint, Eckharts Pred.
2, 223, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
‚entlêhen ledigiu vaz umbe dîne nâchgebûren!‘ Dise ,nâchgebûren‘ sint alle crêatûren und die vünf sinne und alle die krefte der sêle [...] und ouch die engel. Von allen disen ,nâchgebûren‘ solt dû ,entlêhen ledigiu vaz‘.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 17, 17
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
Zwar ich
[Maria]
binz aller tugent nature | und der materjen nachgebure
(Deutung unsicher).
Pyritz, Minneburg
1501
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Min
[des
minners
]
wirt, min gebieter uber lip, | Min nach gebur, min meister, | Miner kraft ein gantzer volleister
(bezogen auf
fraw
; sog. erster
underbint
).
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel,
235
(
schwäb.
,
1455
):
Da würt dü dritte port | Gar adelichen stoun, | Die man uns schribt meridion | Ein verer nauchgebur
(Deutung von
port
als ,Himmelsrichtung‘ in der Tempelsymbolik für Maria).
Thiele, Minner. II,
13, 323
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Undrw ist nachgebür | dem adel unnd denn stetten
(tertium comparationis; ,Unzuverlässigkeit‘).
Matthaei, Minner. I,
1, 754
(Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
frow Truͤw ir gezelt dar näch
[nahe
fraw Stet
]
hät in, | frow Guͦt ist ir nächbuͤrin.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 113
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
werltliche freud ist laider saur, | der sel ain schedlich nachgebaur.
Koppitz, Trojanerkr.
3254
.
5.
›Einwohner‹; an 1 und 2 anschließbar.

Belegblock:

Müller, Welthandelsbr.
209, 39
(
schwäb.
,
1506
):
Gidda ist von 3000 nachpuren und hat kain brot noch speis. Es muß al(le)s von dem land Egipti komen.
Primisser, Suchenwirt
6, 24
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dein strengez we wirt manigem sawer, | Du pist ein laider nachgepawer. | Ach tod!