mutwillen,
V.
1.
›nach Maßstäben der gültigen Moral und Ordnung lose, lasziv, unzüchtig, lasterhaft leben; randalieren; sich gegen Sitte, Gewohnheit, Recht, Ordnungs- und Glaubensinstanzen auflehnen; jn. nötigen, drangsalieren; sich an einer Frau vergehen‹; auch: ›jn. übermütig herausfordern‹;
offen zu 2; vgl. (
der
2.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Obstinatè agere. Fräflen mutwillen tratzen.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 250, 4
(
preuß.
,
1454
):
uff das (men), ap men jo mutwillen welde, das hwsz in gutter vorwarnunge hette.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. Anm. 1 (
mosfrk.
,
1463
):
so einer moidwilt, den weisen sie in der herrn wet.
Voc. Teut.-Lat.
ff jvv
(
Nürnb.
1482
):
Streitte͂ mutwille͂ wiederspenige͂ vnwirße͂ hochfertige͂.
Sachs (
Nürnb.
1537
):
er [feind] wirt mit dir mutwillen, | Grewlich tyranisieren, | Plagen unnd tribulieren.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
orhein.
,
1520
):
Christus hat der ding nit sant Peter geben, sich in zeitlichem richtumb zuͦ muͦtwillen.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
und ging denne dirre Martin an des elichen mannes stat zuͤ der frowen unde muͦtwillete mit ir die naht wie er wolte.
Adrian, Saelden Hort
10753
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
sit das ain tugenthafter man | me sinem wibe guͦtes gan | und furbas mit im muͦt willet | und alles truren stillet.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
3, 81, 29
(
Luzern
1528
):
das wir wider die heylig gemein Christlich kirch wellent muͦtwillen.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
chomen [...] palanisch mutwiller und mutwillten do an ritter und chnecht, daz si mit in scharff ritten.
2.
›groben bis gewaltsamen Unfug treiben; jn. tätlich angreifen, jm. Gewalt antun‹; im Vergleich zu 1 auf schwerere Unrechtshandlungen bezogen; dazu differenzierter:  f.;
vgl. (
der
3.
Bedeutungsverwandte:
 5,  3,  36,  1; vgl. ,  10,  3,  2.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
[so] nit nodt ist noch darff, tzu todten seinen mutwillen im fleisch, sol ehr das fasten gantz lassen anstehen.
Sachs (
Nürnb.
1556
):
Wo aber ainr mutwillen wolt, | Kain zagn an uns er haben solt.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
e ich wolte, das ich in Julius hende geentwurtet wurde und er mit mir muͦtwillete also er wolte und mir grosse martel ane dette, e wil ich mich selber doͤten.
Jörg, Salat. Reformationschr.
728, 15
(
halem.
,
1534
/
5
):
Des glychen ouch unsre undertanen [...] angelouffen / des gloubens halb gerechtvertigtt / gebocht / getratzt / gemuͤtwillet / bluͦttruns / und über angebottnen friden darnider gschlagen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das etlich fuessknecht [...] wider irres hawbtman willen muetwilleten umb die nachtzeit mit puchsen und anndern weren zw des hertzogen von Burgundi wardtlewten und schussen zw den.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1581
):
das ain ieder vor dem andern in seinem hauß sicher und fridtwertig sein soll, auch kainer den andern auß seinem hauß mit worten oder taten trutzen, mietwillen oder gweltigen.