1
muten,
V.
1.
›jn. um etw. bitten, ersuchen; von jm. etw. verlangen; mit einem Ansinnen an jn. herantreten, jm. zumuten, daß [...] / zu [...]‹; resultativ: ›jm. etw. antun‹;
vgl. (
der
5.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 2, (V.) 24810, (V.) 1, (V.) 2.
Syntagmen:
j. m
. [+ Infinitivsatz mit
zu
, z. B.:
etw. zu tun, zu wissen
],
j. jn
. (Akk.obj., z. B.
got
)
m., j. jn. etw
. (z. B.
die ehe, ein beschwernis
)
m., j. (jn., an jn., von jm.) m., das [...], j. jm. etw. m., eine meinung zu jm. m
.;
j. (jn.) urlaubes, des rates m., j. an jn. e. S
. (z. B.
böser dinge
)
m
.;
die mutende bosheit
.
Wortbildungen:
muterei
›Zumutungen, Nötigungen‹ (auch zu 2 stellbar).

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
eynen Christlichen Menschen tzu leren und troͤsten widder die Mütterey der boͤßenn unnd freveln Gleyßner.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wizze, daz got von einem ieclîchen menschen muotet, daz er in minne mit allen kreften der sêle.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Die brudere gerne hetten | Von im gewesen verre hin | Und muten urloubes an in.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1391
):
daz der obgenante Jos Holle ewers rates [...] in sinen sachen und besunderlich an dem ampt iedret begerend, muͤtend oder noduͤrftig werde.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
903
(
mrhein.
,
um 1335
):
Doch bringen ich [pylatus] in (in) soliche not | bit geiseln vnd bit ruden, | nit me sollent ir ime muͦden.
Pyritz, Minneburg
4044
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Da von [von der gerechtikeit] weiz ich daz du niht an | Mich mutest, daz were missetan.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
):
Auch het der margraff gemutt, daz sie inn den herrn von Haideck [...] als ein mortbrenner zu Nürmberg stellen solten.
Ebd. (
15. Jh.
):
da sprach er: herre er hat solicher poser ding gemutet an mein weib, ich weiß doch wol, und mutet einer solicher ding an eur weib, eur gnad uber seh ims auch nicht.
Gille u. a., M. Beheim
142, 244
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
solch gut mainung wir czue | Got teglich muten also verr | in der prim, so wir sprechen: ,herr, | wir piten dich, daz [...]‘.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so kummet daz wellen wissen von unbekantheit, also ob ein kint muͦtete zuͦ wissende, waz ein keiser in sime hertzen hat verborgen.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz der wissage aintweder wunderlich oder unbeschaidenlich hat gegert: umbeschaidenlich, daz er an Got mutet daz er sich niderti.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
etliche an den der gewalt stunt zuͦ Strosburg wurdent gemuͤtet, das sü durchbrohtent, das die ryneschen stette sich verbundent zuͦ den swebeschen stetten.
Wiessner, Wittenw. Ring
1835
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
So macht du muoten sorgen frei | Die ee, ob ıͤr dein hertz begert.
Jörg, Salat. Reformationschr.
547, 30
(
halem.
,
1534
/
5
):
wie wol an uns gemuͦtett ward / das man vorhin sotte red hallten / von wegen der vogtyen.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Nit anders er an mich muͦt, | Dann das mir meret zucht vnd Er.
Du solt an nyemantz muͦten, | Das den eren ze fräuel sey!
UB ob der Enns (
moobd.
,
1379
):
Es soll auch ein ysleich Pharrer [...] dem vorgenantten Chapellann chain Phrengnüss noch weswernüss mit chainerlaÿ sach vnd aribaÿtt ansuechen noch muͤtten dann das frewͤndleich ist.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Hübner, Buch Daniel ;
Mayer, Folz. Meisterl. ; ;
Vetter, Schw. zu Töß ;
Niewöhner, Teichner
398, 84
.
2.
›etw. verlangen, fordern, beanspruchen, begehren‹, auf das man einen rechtlichen Anspruch zu haben meint oder das man mit einer bestimmten politischen, rechtlichen Absicht (von jm.) zu erreichen sucht; als Spezialisierung zu 1 auffaßbar.
Rechts- und Wirtschaftstexte, vereinzelt narrative Texte.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 6,  4, (V.) 1,  3, (V.) 1356, .
Syntagmen:
j. muten, das [...], j. jn
. (z. B.
einen vogt
)
m., j. jn. zu jm
. (z. B.
zu einem vogt
)
m., j. (jm.) eine ansprache / forderung / antwort, ein bündnis, bürgerrecht / gewisheit m., j. etw. an jn. m
.;
j. (jn.) gerichtes / rechtes / geleites, einer antwort, eines gutes, des kampfes / fürspruchs, des kindes m., j. jm. des ausborgnisses e. S., einer teilung m., j. von jm. einer habe m., j. js. zu vogt m
.
Wortbildungen:
mutgericht
›verlangte, außerordentliche Gerichtssitzung‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
4, 267, 29
(
preuß.
,
1454
):
wes wir uns dach umbe hulffe und beystand zcu en guttis vorsehen und mutten sulden.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Ist abir vnvrede in deme lande. vnde mutet eyn koufman eynes geleytes. das mag ym eyn herre wol geben.
Wolf, Gesetze Frankf.
43, 11
(
hess.
,
1388
):
Wo man abir den schaden
[durch Vieh]
nit enfunde, so sulde der, der sie [gesworn] gemut hette, daz halbe firteil wins geben den gesworn.
Schmidt, UB Halberst. (
omd.
,
1424
):
wenn
Kone modede unde eschede borgerrecht.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das her sich solde lege unnd in der teylunge mute des landes zu sachsen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
230, 12
(
thür.
,
1474
):
Sollich schadegelt claget er zcu yn met geczuge, [...], unde mutit darczu antwert.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
das der cleger [...] gemut oder begert habe von ine geleiten umb sach, die ime treten an seinen leib und gut und ere.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
wan er [keyser] me rehtes muͦtete an die stat denne er vormols det.
Leisi, Thurg. UB
5, 183, 18
(
halem.
,
1347
):
Do muͦtat si Johansen Wildrichen, [...], umb die sach ze vogt. Der ward ir och da vor geriht umb die sach ze vogt geben.
Ebd.
7, 87, 5
(
1377
):
Do muͦtet er inen Hainrichs des Hartzers von Costentz ze vogt, der der kint naͤhster und getrúwer frúnd waͤr.
Ebd.
252, 19
(
1381
):
darumb söllend die inwoner daselbs der selbigen herrschafft dem gericht [...] gewärtig sein zu allen jargerichten und sunst zu andern mütgerichten.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Kampfes mütte ich an den tegen, | Won dü künsehen clauren | Mins brüder tochtren waren.
Argovia (
halem.
,
1530
):
wo zuͦ ziten wittwen oder weisen vnd biderb lütt vögten notturftig sind, die söllend sich für ein gericht zuͦ T. verfügen vnd allda eiñ vogt muͦtten.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 234, 5
(
halem.
,
1508
/
16
):
graf Aͤberhart von Kiburg muͦttet, das si sich der gerechtigkeit, [...], verzichen wolltind.
Müller, Stadtr. Ravensb.
102, 18
(
oschwäb.
,
1338
):
kumt aber ieman hin nach und muͤtet darumb von im gerihtes, er mag vuͥr daz geriht gan mit sinen fruͥnden.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
15. Jh.
):
ob ieman an den andern hainlich puntnússe begerte oder muͤte.
Herzog, Landsh. UB
346, 42
(
moobd.
,
1362
):
daz wir dhainez fürspruchs von der gewonleichen stewer wegen an si nicht muͦten süllen.
UB ob der Enns b31 (
moobd.
,
1380
):
wann des Landsͤ fuͤrsten oder des pabstz poten oder der Pyscholf stewer an vns muͤtete, so [...].
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1539
):
muet dann einer daz er hinach fuehr, das soll er thuen.
Wiese, UB Wetzlar ;
Leman, a. a. O. ;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe ;
Kisch, a. a. O. ; ; ;
Leisi, a. a. O.
8, 414, 3
;
Koppitz, a. a. O. ;
Müller, a. a. O.
118, 21
;
UB Zug
2421, 5, 3
;
3.
›bei einem Grundherren oder bei einer grundherrlichen Behörde um die Berechtigung ersuchen, eine als abbauwürdig eingeschätzte Fundstelle von Erz, (seltener:) von Kohle auf noch unverliehenem Feld
aufzunemen
, zu
bauen
17‹; konvers zum Gesuch ist das
empfangen, verleihen
von seiten des Befugten; auch generell: ›um eine Belehnung bitten‹.
Omd.; 16. Jh.; bergbaubezügliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 9, .
Syntagmen:
den suchstollen / schacht, die fundgrube / zeche /
1
masse, das lehen / steinkolwerk / stolort m
.
Wortbildungen:
2
mut|geld
›Mutgebühr, die vom Muter an den Bergmeister zu entrichten ist‹,
mutzettel
›schriftliches Dokument über Teilhandlungen des
mutens
(von der Anmeldung des Fundes bis zur Vorlage des Abbaugesuches)‹.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
5, 22, 13
(
md.
,
1546
):
Actum am freitag noch visitacionis Marie gemudt und an der mitwoch noch vincula Petri bestetiget.
Ebd.
151, 25
(
1574
):
vnd solch stein Kohlwergk von etlichen vom Ambt Freybergck gemutet.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
die protestation muss so geschehen, so der rath und die von Magdeburg die lehn noch einmahl an unsern hern sinnen und muthen werden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
74, 24
(
omd.
,
1563
):
do zechen jahr und tag nicht vorrecest, sollen die, wer sie muhtet, gleich neuen gängen verliehen werden.
Ebd.
84, 6
(
um 1559
):
Die massen auf entblosten gengen stehen jederman frey zu muten Und ob sich’s begebe, das ein gang endplost, der erste finder die fundgrub nicht alsbalt mutet, ist nichts destoweniger jederman frey, die maßen darnach zu muthen.
Ebd.
87, 10
:
Welcher ein alte zeche mutet und aufnimbt, der sol sie auch durch die geschwornen laßen freymachen.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
Wo wassyryge bergwerg lygen, den man vor wassyrsnot nycht gethun mag, komen den lute zcu dem lyer unde muten eyns suchstollen darzcu unde wollen den stollen tryben czu den gengen und wollen daz bergwerg vortrugen, weme der suchstolle denne alzo gelegen wirt von dem lyer, der behelt daz recht.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
75, 14
(
osächs.
,
1546
):
Actum am dinstag noch pfingsten [...], wie der mutzedel ausweist.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
Würde iemand alte zechen oder schächte, [...], für unser freyes muthen oder empfahen, der soll in der muthung zum wenigsten mit zweyen geschwornen beweisen, dass dieselbige zeche [...] nicht bauhaftig gehalten sey.
Ebd. (
1537
):
wann ein gewercke seine massen auf sein zeit fristen wil, dass er dem perkmeister vollkommen mutgeld geben muss.
Ebd. :
nachdeme vormals auf Repten sich zugetragen, dass etliche mutzetl bei den alten und itigen perkmeister Lang innengelegen und darnach als man dieselben feld hat wollen vorleihen, sein dieselben alten zettel mit eingenommen.
Helbig, a. a. O.
4, 148, 12
;
Löscher, a. a. O.
83, 3
;
87, 8
;
Ermisch, a. a. O. ;
Weizsäcker, a. a. O.
27, 36
 f.;
75, 27
;
119, 33
;
Wutke, a. a. O. ; ;
Veith, Bwb. ;
Vgl. ferner s. v.  2,  16.
4.
›um die Genehmigung bitten, bei einem Meister als Geselle arbeiten zu dürfen, um das Meisterrecht erwerben zu können‹.
Wortbildungen:
mutung
3 (a. 1459 f.).

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 84, 31
(
md.
,
1459
):
wer ausserhalben der morgensprachen muten wil, der sol vor eine mutunge zwen reinische gulden vflegen.
Ebd.
88, 14
(
1429
/
83
):
Mutet aber eyner das hantwerk vberheupt, der sal gewen sechs gulden.
5.
›etw. vermuten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 7,
1
 6.

Belegblock:

Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1605
):
dergstalt zemuͦtten gsin den zeenden hiemit zuͦ entragen.
6.; 7.,
s. (
der
510.